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Mitarbeiter und Studenten der Uni Kassel geben Kurse für ukrainische Mütter und Kinder

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Von: Amir Selim

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Schauen gebannt zu: Die Mädchen beobachten ihre Mütter beim Sporttreiben.
Schauen gebannt zu: Die Mädchen beobachten ihre Mütter beim Sporttreiben. © Privat

Seit Mai haben die Sportwissenschaftlerin Julia Limmeroth und ihr Bruder einen Sportkurs für Ukrainer gestartet. Jetzt suchen sie nach Unterstützern, um das Projekt fortzusetzen.

Kassel – Julia Limmeroth ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel, ihr Bruder Johannes ist Sportlehrer in Fritzlar – und beide wollten geflüchteten Menschen aus der Ukraine helfen. Deshalb haben sie die Aktion „Support Ukraine“ ins Leben gerufen. Seit Mai finden einmal wöchentlich Sporteinheiten für ukrainische Mütter und deren Kinder statt, in Zusammenarbeit mit dem Sportamt der Stadt und dem Förderverein „Freunde des Kasseler Hochschulsports“. Jetzt werden Spenden benötigt, damit das Projekt fortgesetzt werden kann.

„Wir haben uns gefragt, was wir machen können“, sagt Johannes Limmeroth, der Sportlehrer an der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Schule in Fritzlar ist. Da beide beruflich mit Sport zu tun haben, kamen sie auf die Idee, Übungseinheiten anzubieten. Der Sportlehrer berichtet von seinem Gänsehaut-Moment während des Projekts: Ein kleines Mädchen wartete vor der Hallentür. Als dem Mädchen die Tür geöffnet wurde, sei es in die Halle gerannt, und „ein befreites Kreischen und Lachen“ sei zu hören gewesen.

„Es ist mehr als nur Sport“

Solche Emotionen zeigten, wie wichtig das Projekt ist. „Es ist mehr als nur Sport“, sagt Andrea Fröhlich, Leiterin des Sportamts. Und Sportwissenschaftlerin Julia Limmeroth sagt: „Es geht auch um Integration.“ Bis zu 40 Kinder und 25 Mütter nahmen bislang teil. Jetzt gilt es, Geldgeber für einen weiteren Kurs zu finden. Bis zu 2500 Euro werden gebraucht, private Unterstützer oder Unternehmen werden gesucht. Die Stadt hat im aktuellen Haushalt keine finanzielle Kapazität mehr.

Nataliia Sichkovska und ihre beiden Kinder nehmen am Kurs teil. Sie kommen aus der Nähe der Krim. Weil ihr Mann seit zehn Jahren an der Uni Kassel arbeitet, sei sie im Wechsel drei Monate in der Ukraine und in Deutschland. Deshalb spricht sie gut Deutsch. Ihr Glück: Sie kam im Dezember 2021 nach Kassel und war zu Beginn des Kriegs im Februar nicht in ihrer Heimat. Das Projekt findet sie gut. „Besonders für meine dreijährige Tochter.“ Diese sei anfangs noch ängstlich gewesen, mittlerweile sei sie es nicht mehr. Nataliia Sichkovska hofft auf Frieden in ihrer Heimat, wo ihre Familie und Freunde leben.

Übungsort für das Sport-Projekt ist die Task-Halle an der Damaschkestraße. Die dreiteilige Halle dient der Kooperationen von Stadt und Universität für Task-Projekte. So ist der Kontakt zum Sportamt entstanden. Die Stadt übernimmt die Kosten für die zehn Übungsleiter. Neben den Geschwistern Limmeroth sind dies Studierende, Schüler und Sportlehrer, darunter auch einige, die Russisch sprechen.

In drei Gruppen werden verschiedene Übungen und Sportarten absolviert

Es gibt drei Sportgruppen. Eine Gruppe sind die jüngeren Kinder im Kindergarten- oder Grundschulalter. Dort wird geturnt. Eine weitere Gruppe arbeitet mit den Müttern. Diese starten mit einem Dance-Workout, machen Fitness-Übungen und beenden das Training mit Yoga, berichtet die Studentin Mara Berg, die diese Übungen mit ihrer Schwester Hannah und Celine Weigert leitet. Die Kinder im Alter von bis zu zwölf Jahren spielen in einer weiteren Gruppe: Fußball, Handball und Hockey. „Hockey spielen die Kinder am liebsten“, sagt Tillmann Schäfer, Lehrer an der Gustav-Heinemann-Schule in Borken, „sie haben viel Spaß am Wettkampf.“ (Amir Selim)

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