Zwei Kasseler Studenten bekommen täglich Anfragen für ihr freies WG-Zimmer

Mitbewohnerin gesucht

Wie bei einem Casting: Sophie Reichelt (links) stellt sich Jens Rudolph und Jacqueline Hassenpflug vor, die ein 20 Quadratmeter großes renoviertes Zimmer in einer Wohngemeinschaft in guter Lage zu vergeben haben. Foto: Dietzel

Kassel. Bewerber unter vielen waren sie vor einem Jahr – jetzt treffen sie die Auswahl: Jacqueline Hassenpflug (23) und Jens Rudolph (21) haben ein Zimmer in ihrer Wohngemeinschaft an der Jordanstraße zu vergeben. Die Liste der Interessenten ist lang. Jeden Tag rufen Studenten an, die zum Semesterbeginn im Oktober eines der wenigen freien Zimmer ergattern möchten.

Die Uni erwartet für den Herbst einen Ansturm auf die Studienplätze. 4750 Erstsemester waren es im vergangenen Wintersemester, 22 000 Studenten könnten bald insgesamt eingeschrieben sein. Das bedeutet ein Ringen um die besten Wohnungen.

Jacqueline Hassenpflug und Jens Rudolph kennen das Gefühl, einer von vielen zu sein. „Das war Massenabfertigung“, erinnert sich Jens Rudolph an seine Zimmersuche vor einem Jahr, als er sich für Elektrotechnik eingeschrieben hatte. „Da wurde nur aufgeschrieben: Jens, roter Pulli.“ Er schaute sich viele Wohngemeinschaften an. Es gab immer etwas, das ihm nicht gefiel. „Blöde Lage, der Preis oder die Mitbewohner“, erzählt er. „Ich habe viele heruntergekommene Studentenbuden gesehen.“ In einem der Zimmer hatte der Vormieter ohne Fußboden auf Beton gelebt, berichtet er.

Dann traf er die Wirtschaftspädagogik-Studentin Jacqueline Hassenpflug bei einer Wohnungsbesichtigung. Sofort war klar: Die beiden suchen sich gemeinsam etwas. „Die Chemie stimmte einfach zwischen uns“, sagen sie. Mit einem Bekannten haben sie dann eine Dreier-WG gegründet.

Eines der drei Zimmer ist ab Oktober frei, also steht ein Casting an. „Mitbewohner gesucht“, inserieren sie in Wohnungsbörsen im Internet. Eine Frau soll es sein, höchstens 26, am besten Studentin. „Da wir beide gern auf Uni-Partys gehen, wäre es cool, wenn du da auch Bock drauf hättest“, schreiben sie in der Anzeige. Und: „Wir sind ja nur einmal jung.“

„Viele sind so aufgeregt wie bei einem Bewerbungsgespräch“

Studentin Jaqueline Hassenpflug

Die beiden sitzen in ihrer großen Küche, die auch so etwas wie ein Wohnzimmer ist. Hier treffen sie sich, wenn es passt, und essen gemeinsam. Auf ihrem Plan haken sie die Namen der Studentinnen ab, die sich vorgestellt haben. Sie nehmen sich je eine gute halbe Stunde Zeit für ein Gespräch. Doch bei den meisten merken die beiden auf Anhieb, dass es nicht passt, erzählen sie. „Einige steckt man nur wegen ihres Auftretens in eine Schublade“, gesteht Jens Rudolph. Die Gespräche seien eher oberflächlich, da man sich ja noch nicht kenne.

„Viele sind so aufgeregt wie bei einem Bewerbungsgespräch“, sagt Jacqueline Hassenpflug. Dafür hat sie Verständnis. „Sie kommen frisch von der Schule und müssen sich bei fremden Leuten vorstellen. Das ist nicht leicht.“ Die Entscheidung für eine der Bewerberinnen wird fallen, wenn das Bauchgefühl sagt: „Ja, das passt.“

Von Stefanie Dietzel

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.