Vandalismus in der Silvesternacht - Was Autofahrer jetzt wissen müssen

15 Parkautomaten in Kassel zerstört: Diese Standorte sind betroffen

Kassel. So etwas hat es in Kassel noch nicht gegeben: In der Silvesternacht wurden rund um die Markthalle und im Umfeld der Universität im Stadtteil Nord-Holland insgesamt 15 Parkscheinautomaten zerstört.

Aktualisiert: 5. Januar, 7.28 Uhr ++ Vermutlich kamen dabei Böller zum Einsatz. An das Münzgeld in den Geräten waren die Täter nicht gelangt, allerdings entstand ein hoher Sachschaden von mindestens 80.000 Euro.

Die Stadt stellt bis Anfang nächster Woche einige Ersatzgeräte auf. Die Autofahrer seien bis dahin aufgefordert, die nächstgelegenen Parkautomaten aufzusuchen, teilt ein Stadtsprecher mit. Ist kein funktionsfähiger Parkautomat in direkter Nähe, ist es nach Paragraf 13 der Straßenverkehrsordnung ausreichend, eine Parkscheibe hinter die Windschutzscheibe zu legen. Trotzdem darf auch dann das Auto nur bis zur Höchstparkdauer abgestellt werden.

Die Ersatzgeräte, die nun zunächst eingesetzt werden, müssen anderswo im Stadtgebiet abgebaut werden. Dadurch wird das Netz der 314 Automaten etwas ausgedünnt. Denn die Lieferung neuer Geräte wird einige Zeit in Anspruch nehmen, sagt der Stadtsprecher. Als Alternative empfiehlt die Stadt, verstärkt das Handyparken zu nutzen. Dabei wird ein digitaler Parkschein per SMS beziehungsweise über eine App gelöst. Entsprechende Anleitungen zum Handyparken befinden sich auf den Parkautomaten.

Vandalismus zu Silvester hatte es in kleinerem Ausmaß auch in den vergangenen Jahren in Kassel gegeben. So waren beim vorletzten Jahreswechsel zwei Parkautomaten durch Böller beschädigt worden. Weil die Schäden in der Vergangenheit überschaubar waren, hatte die Stadt bisher auf eine Sicherung der Automaten verzichtet. Andere Städte wie Göttingen sichern ihre Automaten zum Schutz vor Böllern mit einer massiven Schutzplatte. Nach den jüngsten Erfahrungen wird auch im Kasseler Rathaus darüber nachgedacht.

Betroffene Standorte

An den folgenden Straßen und Standorten haben die Unbekannten insgesamt 15 Parkscheinautomaten in der Silvesternacht zerstört. Mit Ausnahme der Rudolf-Schwander-Straße passen sie alle zu einer möglichen Vandalismustour durch Nord-Holland und Mitte.

  • Mittelgasse
  • Kurt-Schumacher-Straße (2)
  • Martinskirche
  • Graben/ Markthalle
  • Tränkepforte/ Markthalle
  • Die Freiheit/ Markthalle
  • Bunsenstraße (2)
  • Gottschalkstraße
  • Henschelstraße
  • Mönchebergstraße
  • Moritzstraße
  • Liebigstraße
  • Rudolf-Schwander-Straße
Die Standorte der zerstörten Automaten. Um die ganze Grafik zu sehen, klicken Sie oben rechts in den Bildzoom.


Rote Aufkleber geben Hinweis

Unter Paragraph 13 der Straßenverkehrsordnung heißt es: „Ist eine Parkuhr oder ein Parkscheinautomat nicht funktionsfähig, darf nur bis zur angegebenen Höchstparkdauer geparkt werden. In diesem Fall ist die Parkscheibe zu verwenden.“ In der Praxis gilt: Wenn sich in unmittelbarer Nähe zu dem defekten Gerät kein funktionsfähiger Parkscheinautomat befindet, reicht die Nutzung der Parkscheibe aus. In Kassel hat das Ordnungsamt deshalb jedes der zerstörten Geräte mit einem roten Aufkleber versehen. Auf diesem ist vermerkt, ob ein anderer, nahegelegener Parkscheinautomat zu nutzen ist oder ob die Verwendung der Parkscheibe ausreicht.

Außer Betrieb: Einer der betroffenen Automaten, der gegenüber der Markthalle steht.

Spur der Zerstörung: Täter drohen bis zu drei Jahre Haft

Eine Parkscheibe hinter der Windschutzscheibe reicht aktuell beim Parken rund um die Markthalle aus. Dies gilt aber nur, bis die Ersatzgeräte in den nächsten Tagen installiert sind.

Etliche Autofahrer zeigten sich dennoch verunsichert, ob sie denn nun tatsächlich keinen Parkschein benötigen oder doch bis zum nächsten Automaten laufen müssen. Dabei haben Ordnungsbeamte inzwischen auf jedem Gerät vermerkt, ob das Auslegen der Parkscheibe an dem jeweiligen Standort ausreicht, beziehungsweise wo sich der nächstgelegene funktionsfähige Automat befindet.

Obwohl das Ordnungsamt die Münzschlitze aller defekten Automaten mit dem entsprechenden Hinweis überklebt hatte, versuchten einige Autofahrer dort gestern ihr Geld einzuwerfen und zerstörten dabei die Aufkleber. Weil vor allem das Innere der Geräte durch die Böller zerstört wurde, ist einmal eingeworfenes Geld nur noch schwer aus dem Ausgabeschacht herauszufischen.

Zum Beweis ein Handybild vom Aufkleber: Auf die im Inneren zerstörten Parkscheinautomaten an der Markthalle hat die Stadt den Hinweis angebracht, dass das Einlegen der Parkscheibe ausreicht. Jolanta Korab aus Baunatal brauchte also keinen Parkschein.

Die Stadt weist darauf hin, dass sie trotz der Vandalismusschäden weiter in den betroffenen Bereichen Parkscheine beziehungsweise Parkscheiben kontrollieren werde. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes würden aber „mit Augenmaß agieren“, heißt es in einer Stellungnahme aus dem Rathaus.

Gegen die Täter hat die Stadt eine Anzeige wegen sogenannter gemeinschädlicher Sachbeschädigung vorbereitet. Im Unterschied zur einfachen Sachbeschädigung handelt es sich hierbei um eine Beschädigung von Allgemeingut, die auch härter bestraft wird. Bis zu drei Jahre Haft oder Geldstrafe drohen dem Täter oder den Tätern.

Aufgrund der Vorgehensweise und der zusammenhängenden Tatorte spreche einiges dafür, dass es sich um ein und denselben Täter handelt, sagt ein Polizeisprecher. Genaueres würden aber erst die weiteren Ermittlungen zeigen.

So kann möglicherweise technisch ausgewertet werden, wann die einzelnen Automaten ausgefallen sind. Anhand der Uhrzeiten ließe sich rekonstruieren, wann die Täter zugeschlagen haben und welche Route sie genommen haben. Nach Auskunft der Polizei gab es in der Silvesternacht neben den Parkautomaten keinen nennenswerten Vandalismusschaden. Lediglich sehr vereinzelt seien Böller in Briefkästen gelandet.

Die Polizei bittet um Zeugenhinweise: 0561/ 9100

Rubriklistenbild: © Ludwig

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