„Hände weg vom Mindestlohn“

1500 bei DGB-Kundgebung zum Tag der Arbeit in Kassel

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Kassel. 1500 Menschen fanden sich zur Kundgebung anlässlich des 125. Tags der Arbeit ein und tauchten den großen Platz in ein Meer roter Fahnen. “

Die nordhessische Arbeiterbewegung scheint einen guten Draht zu Petrus zu haben. Wie bestellt, riss der Wolkenhimmel am 1. Mai just in jenem Moment auf, als der vom Philipp-Scheidemann-Haus kommende Demonstrationszug trommelnd und pfeifend den Königsplatz erreichte. Kurz zuvor war es dort gerademal sechs Grad warm gewesen, und am Vorabend hatte es noch stundenlang Bindfäden geregnet.

1500 Menschen fanden sich schließlich zur Kundgebung anlässlich des 125. Tags der Arbeit (siehe Hintergrund) ein und tauchten den großen Platz in ein Meer roter Fahnen. Das diesjährige Motto lautete „Die Zukunft der Arbeit gestalten wir“ und unterstrich den Anspruch der deutschen Gewerkschaften, den raschen Wandel in der Arbeitswelt infolge der zunehmenden Digitalisierung aktiv zu begleiten.

Der Regionalchef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Nordhessen, Michael Rudolph, bezeichnete die Einführung des Mindestlohns als Erfolg der Gewerkschaften und warnte vor dessen Aufweichung. „Hände weg vom Mindestlohn“, warnte er die Politik vor Änderungen. Wer - wie von der Wirtschaft gefordert - die Dokumentationspflicht abschaffe, mache ihn zur Makulatur.

Hauptrednerin Gabriele Kailing, die Chefin des DGB Hessen-Thüringen, forderte neben „guter Arbeit für alle, der Stärkung der Mitbestimmung und Tarifbindung sowie guten Berufsausbildungen und Qualifikationen“ auch die Erhöhung der Erbschafts- und der Steuer auf Spitzeneinkommen sowie die Wiedereinführung der Vermögenssteuer. Es müsse endlich eine intensive Debatte um die Verbesserung der Einnahmesituation geführt werden, statt ständig neue Sparprogramme aufzulegen. Nur so erreiche man, dass dem Staat wieder Geld zur Verfügung stehe, das er dringend für Investitionen benötige. „Wir brauchen einen handlungsfähigen Staat und keinen Verwalter des Mangels“, rief die Gewerkschafterin der applaudierenden Menge zu.

Jörg Bruchmöller vom Bundesvorstand der Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisierte scharf die vom Land angestrebte Nullrunde für Beamte sowie die Rücknahme der Kürzung der Beihilfeversorgung. Und er erinnerte daran, dass es Polizeibeamte seien, die mit ihrer Präsenz auf derart Veranstaltungen die Demonstrations- und Redefreiheit vor Störungen rechtsextremer Kreise schützten.

Nach der Kundgebung zogen viele Teilnehmer an die Drahtbrücke, wo Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen ein großes buntes, multikulturelles Maifest eröffnete. Dort gab es neben Informationen, Musik, Spiel und Spaß auch jede Menge Leckereien aus aller Herren Länder.

Maikundgebung und Maifest

Hintergrund: Seit 125 Jahren Tag der Arbeit

Der 1. Mai ist seit 125 Jahren der „Internationale Tag der Arbeiterbewegung“. Er wurde am 20. Juli 1889 während der „Zweiten Internationalen“, also dem Zusammenschluss der sozialistischen und sozialdemokratischen Parteien in Paris, ausgerufen. 1890 wurde er dann erstmals begangenen. Tatsächlich geht der Tag aber auf den 1. Mai 1886 zurück, als die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Acht-Stunden-Tages zum landesweiten Generalstreik aufrief. Bereits 30 Jahre zuvor hatte es an jenem Tag Massenstreiks in Australien gegeben.

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