Acht Menschen geschleust

22-jähriger Afghane aus Kassel soll Flüchtlinge geschleust haben

Kassel /Hann. Münden. Mindestens acht Menschen aus Iran und Afghanistan soll ein 22-jähriger Mann aus Kassel nach Deutschland geschleust haben. Für diesen gewerbsmäßigen Menschenschmuggel steht er seit gestern vor dem Amtsgericht.

Staatsanwältin Julia Beinroth schilderte in ihrer Anklage, wie das Einschleusen der Flüchtlinge organisiert worden sein soll: Im ersten Fall habe der Vater des Angeklagten im Dezember 2014 in Teheran drei Personen angesprochen, ob sie nicht nach Deutschland wollten.

Sie wollten und flogen nach Istanbul. Über Bulgarien und Ungarn ging es dank der Kontakte des jungen Kasselers zu internationalen Menschenschmuggler-Organisationen auf dem Landweg nach Deutschland. Der Angeklagte soll dafür knapp 30.000 Euro kassiert haben. Zunächst sollen die Menschen in der Wohnung des 22-Jährigen in Kassel gewohnt haben.

Der zweite Fall betraf einen Mann, der von Teheran aus für 9000 Euro nach Deutschland gebracht wurde.

Schließlich ging es um ein Ehepaar aus Afghanistan, das der Angeklagte seit Kindesbeinen kannte und das er mit zwei Kindern für 21 000 Euro geschleust haben soll. Die Familie wurde Ende Juli 2015 in Passau festgenommen.

Beim vierten Fall blieb es vermutlich beim Versuch, auch steht weder die Anzahl der Personen fest noch ist klar, ob sie es überhaupt bis nach Deutschland geschafft haben.

Dabei ging es um die Familie eines Mitarbeiters im Elektro-Geschäft des Angeklagten in Hann. Münden. Sie sollen am 12. März dieses Jahres für 3000 Euro pro Kopf über Griechenland, Bulgarien und Österreich nach Deutschland unterwegs gewesen sein.

Außerdem wirft Staatsanwältin Beinroth dem Angeklagten vor, mit einem gefälschten afghanischen Führerschein zwischen Münden und Kassel gefahren zu sein, obwohl er keine Fahrerlaubnis hatte.

Der junge Mann im T-Shirt auf der Anklagebank wirkt eher unsicher und aufgeregt als wie ein hartgesottener Menschenschmuggler. Seine junge Frau versucht im Zuschauerraum, das Baby zu beruhigen - zwei Kinder hat das Paar.

Der 1994 im Iran geborene Afghane kam als Heranwachsender im März 2011 als Flüchtling nach Deutschland, spricht etwas Deutsch, hat aber zur Sicherheit auch eine Dolmetscherin an seiner Seite.

Zum Prozessauftakt wollte er vor Amtsrichter Matthias Grund gestern keine Aussage machen. Einer seiner Verteidiger kündigte allerdings an, dass sich dies im Prozessverlauf ändern könnte.

Möglicherweise müssen ihm die Taten in einem recht aufwendigen Verfahren mit insgesamt zehn Prozesstagen nachgewiesen werden. Weiter geht es am Dienstag, 6. Dezember um 9 Uhr, Saal D 214.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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