236 Filme noch bis Sonntag zu sehen

Hippie-Ikone Gisela Getty bei der Eröffnung des Kasseler Dokumentarfilm- und Videofests

+
Illustre Ehrengäste: Gisela Getty, als Teil der „Getty-Zwillinge“ einst eine 68er-Ikone aus Kassel, sowie Regisseur Adolf Winkelmann, Mitgründer des „Kasseler Filmkollektivs“.

Das 32. Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest wurde im Gloria-Kino eröffnet. Mit dabei: Regisseur Adolf Winkelmann sowie Gisela Getty von den Getty-Zwillingen, It-Girls der 68er-Bewegung aus Kassel.

Ruth Schmidt war der Publikumsliebling bei der Eröffnung des 36. Dokumentarfilm- und Videofests. Im Aufbruchsjahr 1968 hatte die ältere Dame zwölf Minuten lang vor laufender Kamera erläutert, was sie von den langhaarigen Studenten hält, die in dieser wilden Zeit die documenta-Stadt unsicher machten. Das sympatische Fazit der Kasselerin, die 1999 verstorben ist: Das seien alles keine schlechten Kerle, wenn man sich nur ein wenig auf sie einlässt. Großer Jubel im Gloria-Kino für die Protagonistin, die einen persönlichen Ausstieg aus den Filterblasen der Kiesinger-Arä gefunden hat.

Ebenfalls im Saal: der damalige Undergroundfilmer Adolf Winkelmann sowie Ruth Schmidts Tochter Gisela Getty, die gemeinsam mir ihrer inzwischen verstorbenen Zwillingsschwester Jutta als Ikonen der 68er-Bewegung von Kassel aus die Jetset-Welt erobert hatte. Es sei ihr damals „total peinlich“ gewesen, ihre Mutter so zu sehen, verriet sie. Aus heutigem Blickwinkel aber sei sie begeistert von dem Zeitdokument auf Film.

Ausstieg aus Filterblase als Leitmotiv

Auch hier also ein Ausstieg aus der Filterblase – laut Festivalleiter Gerhard Wissner diesmal das Leitmotiv der Schau mit 236 Kurz- und Langfilmen, die in diversen Kinos und Kultur-Orten noch bis Sonntag dauert. Durch die Eröffnungsfeier führte Moderator Clemens Camphausen mit scharfzüngiger Verteidigung, kultureller Vielfalt und mit einer überraschend gekonnten Banjospiel-Einlage.

Die Macher des Festivals: Vor dem Gloria-Kino das Kernteam des Kasseler Dokfests, an dem alles in allem über 250 Helfer mitarbeiten.

Bei einer Live-Performance zauberte Zeichnerin Maja Oschmann Farben, Formen und Strukturen zu synchronen Klängen von Constanze Betzl (Flöte) und Christine Weghoff (Akkordeon) per Projektion auf die große Filmleinwand. Dort wurde dann im Eröffnungsfilm „Shouting at the Wind“ erzählt, dass es gar nicht so einfach ist, Musiker zu werden – vor allem, wenn man wie der 16-jährige Meysam aus einem Teheraner Armenviertel eine Karriere als Rap-Poet im Iran anstrebt.

Da dürfte sich manch einstiger Kasseler Filmrebell wiedererkannt haben. Bei Sekt und Häppchen wurde die Dokfest-Eröffnung noch eine Weile gefeiert. 

Das Dokumentarfilm- und Videofest in Kassel

Das Kasseler Dokumentarfilm- und Videofest findet vom 12. bis 17. November statt. Alle Infos gibt es am Festival-Counter im Kulturbahnhof, Rainer-Dierichs-Platz. Telefon: 0176-65123570 und unter kasselerdokfest.de

Festivalkinos: Bali-Kinos, Kulturbahnhof, Gloria, Ständeplatz, Filmladen, Goethestraße 31.

Ausstellung Monitoring an verschiedenen Standorten im Kulturbahnhof, vor allem im Südflügel, außerdem im Kasseler Kunstverein, Fridericianum, und Treppe 4, Treppenstraße 4.

Dokfest-Lounge: Wiese, Werner Hilpert-Straße 22

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.