80.000 Besucher werden erwartet

"Kasseler Gartenkultur" läuft noch bis Sonntagabend: Alle Orte, alle Veranstaltungen

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Etliche Besucher machten es sich schon am Samstag in den Kasseler Parks gemütlich.

Kassel. An diesem Wochenende findet in Kassel zum ersten Mal die "Kasseler Gartenkultur" statt. Wir stellen die Parks als Locations vor und zeigen, was dort stattfindet. 

Aktualisiert am 13. Mai, 19.10 Uhr - Was den Reichtum an Gärten, Parks und Grün betrifft, ist Kassel spitze. Über die Hälfte des Stadtgebiets, 63 Prozent, besteht aus Grün- und Wasserflächen. Dieses Pfund soll stärker ins Bewusstsein gerückt werden: Zum ersten Mal lädt Kassel Marketing dazu ein, Kassels Parks und Gärten im Rahmen eines Gartenfests zu feiern. Dazu werden heute und morgen 80.000 Gäste erwartet.

„Das Besondere an Kassel ist der Facettenreichtum an unterschiedlichen Grüntypen: vom Barockpark über den Botanischen Garten bis zum Naturschutzgebiet“, sagt Volker Lange vom Umwelt- und Gartenamt. Weltberühmt sind Kassels historischen Parks und das Kunstwerk 7000 Eichen von Joseph Beuys. 

Auch das Welterbe-Prädikat ist ohne das Grün im Bergpark undenkbar. Insgesamt wachsen 71.000 Bäume in Kassels Parks und an den Straßen. Städtische Grünflächen nehmen 600 Hektar ein. Hinzu kommen 2,4 Quadratkilometer Bergpark und 1,5 Quadratkilometer Karlsaue. Zwei Mal richtete die Stadt Bundesgartenschauen aus: 1955 und 1981.

„Kassel hat ein vielfältiges, qualitätsvolles Grünangebot“, sagt auch die Kasseler Gartenhistorikerin Maren Brechmacher-Ihnen. Das werde aber von Vielen als selbstverständlich hingenommen. Sie wünsche sich, dass für den Erhalt und die Pflege der Grünanlagen mehr investiert wird. 

Der Auftakt am Samstag

Der Wettergott hatte ein Einsehen am ersten Tag des Frühlingsfests "Kasseler Gartenkultur": Die Regen- und Hagelschauer, die als graue Wolken den ganzen Tag lang zu sehen waren, gingen erst am frühen Abend nieder. Schon bald danach schien wieder die Sonne. Am Nachmittag konnten die vielen tausend Besucher bei zum Teil sommerlichen Temperaturen die Vielfalt der Kasseler Parks, Gartenanlagen und grünen Oasen genießen. 

Dabei flanierten die Parkfans entweder im weitläufigen Bergpark, sonnten sich auf bunten Liegestühlen in der Goetheanlage oder entdeckten Geheimtipps wie den Aschrottpark, der mit seinem Vorlese-Zelt vor allem junge Familien mit Kindern anlockte. An der Buga gings sportlich zu, und im Huttenplatzgarten durfte zur Gießkanne und zum Pfllanzholz gegriffen werden. Am Samstag wird noch bis 22 Uhr weitergefeiert. Und das Schönste: Am Sonntag geht es ab 12 Uhr weiter.

So lief der Samstag der "Kasseler Gartenkultur"

www.kasseler-gartenkultur.de

Das neue Fest "Kasseler Gartenkultur" ist nicht mit dem "Kasseler Gartenfest" zu verwechseln, das seit über zehn Jahren am Schloss Wilhelmsthal gefeiert wird. In diesem Jahr findet es vom 25. bis 28. Mai statt. Informationen zum diesjährigen Programm finden Sie hier.

Die Parks sind ein Stück Stadtgeschichte

Landgrafen und Kurfürsten wollten mit dem Bergpark und der Karlsaue der ganzen Welt zeigen, wie mächtig sie waren. Der Industrielle Sigmund Aschrott gilt als Motor für die Entwicklung im Vorderen Westen und hinterließ der Stadt einen nach ihm benannten Park – und die Bundesgartenschau sorgte vor 36 Jahren für ein Naherholungsgebiet der Extraklasse. Es gibt viele Gründe dafür, dass Kassel eine ausgesprochen grüne Stadt ist. Wir nennen einige der wichtigsten.

Gartenanlage von Weltrang: So sah der Bergpark Wilhelmshöhe im Jahr 1799 aus. Das Gemälde stammt von Johann Erdmann Hummel.  

Wussten Sie schon, dass...

• der Bergpark Wilhelmshöhe nicht nur seit 2013 Weltkulturerbe ist, sondern auch mit 2,4 Quadratkilometern als größter Bergpark Europas gilt? Das große Gemälde auf dieser Seite entstand 100 Jahre nachdem Landgraf Karl die Arbeiten für die Kaskaden, das Oktogon und den Herkules in Auftrag gab. Für die Erweiterungen war Landgraf Wilhelm IX., der spätere Kurfürst Wilhelm I. verantwortlich. Der ließ Schloss Wilhelmshöhe, die Löwenburg und den romantischen Teil der Wasserspiele ab dem Steinhöfer Wasserfall bauen.

Für Bergpark und Aue verantwortlich: Landgraf Karl, dessen Nachbildung im Naturkundemuseum steht. 

• Landgraf Karl die Orangerie als seinen Sommersitz bauen ließ? Um 1700 entstand die Parkanlage mit Kanälen und Wasserbassins, die bis heute nach ihrem Bauherren benannt ist. Zur Karlsaue gehört auch die Blumeninsel Siebenbergen.

• der Botanische Garten bereits seit 1912 neben dem Schlösschen Schönfeld existiert und im Krieg schwer beschädigt wurde? Nach dem Wiederaufbau in den 1950er-Jahren wäre er fast in Vergessenheit geraten. Erst vor 15 Jahren ist er von einem Verein sowie dem Umwelt- und Gartenamt wieder zum Leben erweckt worden.

• der Aschrottpark nicht nur eine Grünfläche im Vorderen Westen ist, sondern auch an den Gründer des ganzen Stadtteils erinnert? Ohne den Textilunternehmer Sigmund Aschrott (1826 bis 1915) gäbe es neben dem Park auch die Stadthalle nicht. Er schenkte 1911 der Stadt das Grundstück, damit dort die Halle gebaut werden konnte. Und nicht nur das. Er stiftete auch die Grundstücke für die Advents- und Rosenkranzkirche sowie die englische Kirche an der Murhardstraße. 

Das Diakonissenhaus verdankt ihm ein großes Areal für einen Erweiterungsbau. Seine vielen Verdienste bewahrten den Juden Aschrott später jedoch nicht vor den Anfeindungen der Nationalsozialisten. Der von ihm gestiftete Brunnen vor dem Rathaus wurde 1939 zerstört. Der documenta-Künstler Horst Hoheisel baute ihn 1987 neu, und zwar als im Boden versenktes Mahnmal.

Gründer des Vorderen Westens: Sigmund Aschrott. 

• der Bugaseezur Bundesgartenschau 1981 angelegt wurde? Dabei handelt es sich eigentlich um mehrere Seen in der Fuldaaue, die teilweise im Sommer zum Baden genutzt werden. Der nördliche Teil des Geländes ist ein Vogelschutzgebiet.

• unter der Goetheanlage im Vorderen Westen die Drusel fließt? Sehen kann man sie nicht, denn sie ist in Rohren kanalisiert. Für die beliebte Grünfläche gilt ein nächtliches Alkoholverbot. Zwischen 22 Uhr am Abend und morgens um acht Uhr darf man hier seit einigen Jahren nichts mehr trinken.

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