Betroffene oft aus Osteuropa

Advent lockt Bettler an: Banden im Hintergrund

Gesicht der Armut im vorweihnachtlichen Trubel: Auch dieser auf einen Krückstock gestützte Mann bat am Samstag in der Innenstadt Passanten um eine Spende. Foto: Koch

Kassel. Auffällig viele Bettler sind derzeit in der Kasseler Innenstadt. Sie hoffen offenbar auf eine erhöhte Spendenbereitschaft der Passanten in der Vorweihnachtszeit.

Bei den Betroffenen - einige machen auch Straßenmusik - handelt es sich überwiegend um Menschen aus Südosteuropa. Polizei und Ordnungsamt vermuten, dass zum Teil auch organisierte Bettelbanden in Kassel aktiv sind.

Die Bettler sitzen meist gleichmäßig verteilt entlang der Oberen Königsstraße. Einige stellen dabei verkrüppelte Gliedmaßen zur Schau. „Wir beobachten, dass diese Menschen im Sechs-Wochen-Rhythmus in der Stadt auftauchen und dann wieder verschwinden“, sagt Stefan Jünemann vom Kasseler Verein Soziale Hilfe. Dabei handele es sich nicht um Obdachlose aus Kassel, sondern offensichtlich um gesteuerte osteuropäische Gruppen. „Man kann davon ausgehen, dass denen das Geld wieder abgenommen wird“, sagt Jünemann. Mit den Betroffenen in Kontakt zu kommen sei kaum möglich, weil sie kein Deutsch sprechen.

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Organisiertes Betteln nachzuweisen sei aber sehr schwierig, sagt Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch. „Wir können nicht hinter jeden Bettler ein Einsatzkommando stellen.“ Solange die Bettler sich friedlich verhalten, haben Ordnungsamt und Polizei keine Handhabe. Das sogenannte stille Betteln ist in Deutschland erlaubt.

Eingreifen können die Behörden nur bei aufdringlichem oder aggressivem Verhalten und bei Straftaten. Die Polizei beobachtet etwa vermehrt Trickbetrüger, die vortäuschen, für Taubstumme oder Behinderte zu sammeln, das Geld aber behalten.

Beschwerden über das Betteln in der Innenstadt seien selten, heißt es aus dem städtischen Ordnungsamt. Zuletzt hatte der Fall eines Mannes Aufmerksamkeit erregt, der regelmäßig seinen kleinen Sohn mitnimmt, wenn er in der Innenstadt Straßenmusik macht.

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