Neue Sonderausstellung im Naturkundemuseum

Als die Gletscher bis Hannover reichten

Mit dem Riesenhirsch im Rücken: Kuratorin Dr. Sarah-Nelly Friedland und Museumsleiter Dr. Kai Füldner.

Kassel. Die Riesen der Eiszeit, die bis vor 20.000 Jahren auch in der Region Kassel lebten, sind ab Freitag im Naturkundemuseum zu entdecken. 

Noch vor etwa 20 000 Jahren trieben sich Mammuts, Höhlenbären und Riesenhirsche in unseren Breiten herum. Es war die Zeit, als ein zwei Kilometer hoher Gletscher bis zum heutigen Hannover reichte und die Region um Kassel einer Tundra glich, sagt Dr. Kai Füldner, Leiter des Naturkundemuseums. Dort eröffnet am heutigen Freitag die Sonderausstellung „Eiszeit-Safari“, in der die Besucher das Leben von Mensch und Tier in der letzten Eiszeit auf dem europäischen Kontinent nachempfinden können.

Mit fünf Sattelschleppern wurden Wollnashörner, Höhlenlöwen, Wildpferde und Mammutskelette nach Kassel gebracht. Denn die Wanderausstellung wurde von den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim geschaffen. Die Kasseler haben sie um eigene Exponate ergänzt.

Video-Audio-Guide

Auf der Eiszeit-Safari werden die Besucher mit einem Audio-Video-Guide (Tablets) ausgestattet und können so die Ausstellung auch interaktiv erleben. Sie erfahren etwa, dass es nicht „die Eiszeit“ gab, sondern vier bis fünf. Die Sonderschau beschäftigt sich aber nur mit der jüngsten Kälteperiode und was diese für das Leben in Europa bedeutete.

So lebten damals auch Hyänen, Nashörner und Löwen in unseren Breiten, die wir heute nur aus Afrika kennen. Meist waren die Tiere aber mindestens eine Nummer größer als ihre heutigen Nachkommen. „Denn mit zunehmender Körpergröße verringert sich in kalter Umgebung der Wärmeverlust“, erläutert Füldner. Große Tiere waren also besser angepasst an das Klima.

Kalte Zeiten, große Tiere

So streiften damals Auerochsen durch unsere Region, die bis zu einer Tonne schwer werden konnten und erst Anfang des 17. Jahrhunderts ausstarben. Ebenfalls vertreten waren Riesenhirsche, die eine Schulterhöhe von zwei Metern erreichten und Geweihe mit sich herumtrugen, die es auf eine Spannweite von 3,60 Meter brachten. Der Rothirsch wirkt dagegen kleinwüchsig. All diese Tiere sind als Rekonstruktion in der Ausstellung zu sehen.

Aber auch über das Leben der damaligen Menschen erfährt der Besucher viel. So lebten diese, anders als allgemein angenommen, nur selten in Höhlen – davon gab es nicht genug. Die meisten wohnten in Zelten und weit verstreut. „Damals lebten vielleicht 5000 Menschen auf einer Fläche des heutigen Deutschlands“, sagt Füldner.

Ausstellung im Naturkundemuseum: Als die Gletscher bis Hannover reichten

Die Sonderausstellung läuft bis 17. April. Öffnungszeiten: Di-Sa, 10-17 Uhr, So 10-18 Uhr. Eintritt: Erwachsene fünf Euro,ermäßigt drei Euro.

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