Kasseler Traditionsunternehmen verlor den Kampf gegen die Großröstereien

An Silvester 1970 kam das Ende für Hooss-Kaffee aus Kassel

In der Bombennacht zerstört: So sahen die Geschäftsräume von Hooss-Kaffee im Erdgeschoss des Nahlschen Hauses an der Königsstraße aus. Die Aufnahme zeigt, dass nur noch die Fassade stehen blieb.  Foto:  Privat

Kassel. Bis in die 1970er-Jahre war Hooss-Kaffee aus Kassel ein Begriff weit über die Stadt hinaus. An Silvester vor 46 Jahren kam für das Traditionsunternehmen jedoch das Aus.

Nachdem die HNA ein Foto zum 100-jährigen Bestehen der Firma aus dem Jahr 1958 veröffentlicht haben, hat sich der frühere Firmenchef Helwig Hoos gemeldet. Der 87-Jährige wohnt seit vielen Jahren in Potsdam, erinnert sich aber noch gern an die Zeit in Kassel. Nahezu alle Cafés sowie viele kleine Lebensmittelgeschäfte in der Region habe man beliefert und deshalb auch eine große Fahrzeugflotte unterhalten, sagt er.

Nach den Anfängen der Firma Hooss an der Obersten Gasse und der Hedwigstraße folgte am 16. Oktober 1931 die Geschäftseröffnung an einer der prominentesten Adressen der Stadt. Im Nahlschen Haus an der Oberen Königsstraße 41 konnten die Kunden Tee- und Kaffeespezialitäten kaufen. In der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 wurden sämtliche Geschäftsräume und die Privatwohnung zerstört. „Wir hatten damals nur noch unser Gartenhaus an der Rasenallee“, erinnert sich Helwig Hoos.

Aus dem Jahr 1958: Die Aufnahme entstand neben dem damaligen Firmensitz an der Kölnischen Straße. Im Hintergrund ist die Lutherkirche zu sehen.  Foto:  Privat

Über 2000 Röstereien

Den ersten Nachkriegskaffee durfte die Firma Hooss mit Genehmigung der Amerikaner 1948 in Kassel verkaufen. Bis in die 1960er Jahre liefen die Geschäfte gut. „Damals gab es in Deutschland noch über 2000 Kaffeeröstereien“, sagt Helwig Hooss. Mit dem Sterben der kleinen Tante-Emma-Läden, die zu den Hauptkunden gehörten, wurde es immer schwieriger. Zu den Firmen, die im Wettbewerb mit den Konzernen und Großröstereien auf der Strecke blieben, gehörte auch Hooss-Kaffee. Das Unternehmen wurde am 31. Dezember 1970 von einer Bremer Firma aufgekauft. Bei den Verkaufsverhandlungen sei eine Bedingung gewesen, dass alle Außendienstmitarbeiter übernommen werden, erinnert sich der ehemalige Chef. Das Geschäftshaus an der Hedwigstraße gibt es nicht mehr. Es wurde abgerissen. Auf dem Gelände wurde später die Kurfürstengalerie gebaut.

Vor dem Krieg: Der Firmensitz an der Hedwigstraße.

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