Verständigungsgespräch

Angeblicher "Magier" aus Kassel sucht nach Milde im Berufungsverfahren

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Heute sichtlich angeschlagen: Der selbsternannte Magier und Dämonologe aus Kassel (Bild aus 2015) sitzt wieder auf der Anklagebank.

Kassel. Knapp sechs Monate der dreieinhalb Jahre, zu denen ihn das Amtsgericht verurteilt hatte, hat der 69-jährige, selbsternannte Magier, Wahrsager und Dämonologe bereits hinter Gittern verbracht. Im Berufungsverfahren vor dem Landgericht geht es ihm seit Dienstag darum, nicht erneut ins Gefängnis einrücken zu müssen.

Nach einem am Dienstag zwischen Verteidigung, Staatsanwaltschaft und Gericht geführtem Verständigungsgespräch sind die Chancen dafür etwas gewachsen. Allerdings müsste der Angeklagte dazu ein Geständnis ablegen.

Bisher leugnet er die Taten, die ihm im Urteil des Amtsgerichts vom Juni 2015 angelastet werden. Danach soll er die vermögende Erbin eines Kasseler Stahlbauunternehmens durch ungezählte spiritistische Sitzungen um ihr gesamtes Vermögen gebracht und zum Sozialfall gemacht haben.

Mit Kartenlegen fing es 2000 an

Es begann mit Kartenlegen für 80 Mark um das Jahr 2000, als die Ehe der Frau in die Brüche ging. Am Ende wurden in den Jahren 2010 und 2012 bis zu 30.000 Euro pro Sitzung bezahlt, für Kerzenkreise, rituelle Gräberschließungen mit Asche und Salz, für den Import eines indischen Magiers nebst schützender Shiva-Statue für 100.000 Euro, die später angeblich zur „Bedrohung“ wurde und für neues Geld beiseite geschafft werden musste.

Wenn die Frau nicht zahlen wollte, schürte der Angeklagte, der sich am Dienstag als „heimatlosen Ausländer“ bezeichnete, die Angst der psychisch kranken Frau: Die an Diabetis erkrankte Tochter werde ohne seinen Schutz genauso sterben wie der kerngesunde Sohn.

Von der Millionärin zum Sozialfall

Die Frau verkaufte alle Häuser - zum Teil an den Zahnarzt des Angeklagten - und sogar das Tafelsilber, bis sie am Ende selbst von der Millionärin zum Sozialfall wurde.

Als sie kein Geld mehr hatte, brach der Angeklagte den Kontakt sofort ab: „Ich muss Leuten helfen, die mich bezahlen können“, hat er laut Urteil des Amtsgerichts gesagt. Verteidiger Markus Wittig will mit seinem Mandanten jetzt die Folgen des Rechtsgesprächs erörtern. Weiter geht es am Dienstag, 17. Oktober, um 10 Uhr in Saal E 119.

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