Kritik an Bebauungs-Plänen 

Anlieger protestieren: „Wegfall von Parkplätzen am Karlsplatz wäre fatal"

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Stadtbaurat Christoph Nolda will das geplante documenta-Institut auf dem Karlsplatz bauen.

Die jüngst aus dem Hut gezauberte Idee von Stadtbaurat Christof Nolda, das documenta-Institut auf den Karlsplatz in Kassel zu bauen, überraschte zahlreiche Kasseler, allen voran die Anwohner.

„Davon haben wir aus der Zeitung erfahren“, sagt Klaus Nenninger, Inhaber des Café Nenninger. Die Anlieger formieren sich zum Protest.

Im Grunde genommen kämpfen die anliegenden Geschäftsleute seit Jahrzehnten, seit den 1990er-Jahren, geschlossen gegen eine Bebauung des Karlsplatzes. Die Option einer Bebauung war zwar seinerzeit von der Stadtverordnetenversammlung beschlossen, aber seitdem nicht konkretisiert worden. Hintergrund war der geplante Abbau von oberirdischen Parkplätzen und der Bau der Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz.

Auch wenn der Karlsplatz über keine altehrwürdige Geschichte verfügt – vor der Kriegszerstörung gab es hier noch keinen Platz, sondern nur die Obere Karlsstraße: Die Anlieger hängen an dem in den 50er-Jahren entstandenem urbanen Carré. Nicht nur wegen der Parkplätze, „aber natürlich auch“, räumen Heinz Jacob (Lesspaper), Klaus Nenninger und Hans-Martin Böhm vom Secondhand-Shop Moneypoint ein. Es gebe einige Geschäfte am Karlsplatz wie das Sanitätshaus Brandau, zu dessen Kunden auch gehbehinderte Menschen gehören, die auf nah gelegene oberirdische Parkplätze dringend angewiesen seien, so Heinz Jacob.

Jacob ist Karlsplatz-Fan. Bereits in den 1990er-Jahren war er mit seiner Firma Omnitec vor Ort. Wegen einer geschäftlichen Veränderung habe er den Standort wechseln müssen. „Aber ich wollte immer an den Karlsplatz zurück“, sagt Jacob: „Ich brauche dieses Innenstadt-Flair.“ Jetzt ist er mit seiner neuen Software-Firma Lesspaper, erneut an den Karlsplatz gezogen und fühlt sich wohl. „Der Karlsplatz ist das Herz der Oberneustadt und auch als Kirchenvorplatz der inzwischen völlig zugebauten Karlskirche von städtebaulicher Qualität.“

Anlieger sammeln Unterschriften gegen eine Bebauung des Karlsplatzes (von links): Heinz Jacob, Klaus Nenninger und Hans-Martin Böhm.

Die Anlieger sind sich einig und haben entsprechende Unterschriften gesammelt: Sie wollen keine Bebauung. „Der Karlsplatz ist als Platz angelegt und hat als solcher auch eine Funktion“, argumentieren sie. Alle Gebäude und deren Fenster seien zur Platzmitte ausgerichtet. Deshalb wünschen sie sich durchaus mehr Aufenthaltsqualität. Bereits 2003 hatten die Geschäftsleute Vorschläge gemacht für einen Karlsplatz mit weniger Parkplätzen, dafür aber mehr Grün, Bänken und Bäumen. Diese Pläne möchten sie jetzt noch einmal in den Ring werfen. „Früher gab es hier mal Bäume“, sagt Klaus Nenninger. Die seien nach und nach alle entfernt worden. Jetzt sei der Platz kahl und ungepflegt.

Bei einer Bebauung befürchten die Karlsplatz-Anlieger auch eine Verschattung ihrer Häuser. „Ein Gebäude mit 6500 Quadratmetern Grundfläche ist viel zu groß für den Platz.“ Eine potenzielle Besucherfrequenz, die den Standort beleben könnte, erwarten sie vom documenta-Institut nicht.

„Die Folgen einer Bebauung werden für die Anlieger fatal sein. Dieses Quartier funktioniert nur mit Parkplätzen“, sagt Nenninger. Jacob betont: Auch die Vermieter von Wohnungen wünschen sich Parkmöglichkeiten. „Man darf den Fahrverkehr nicht völlig aus der Innenstadt verbannen, will man keine tote City haben. Noch haben wir am Karlsplatz keinen Leerstand, sondern einen bunten Mix an Inhaber geführten Geschäften.“

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