Eine Reportage

Aufbau des Obelisken auf der Treppenstraße: Millimeterarbeit vor Publikum

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Schwere Last: Die einzelnen Teile des Obelisken wurden mit Tiefladern zur Treppenstraße gebracht.

Der Obelisk steht nun auf der Treppenstraße. Eindrücke vom Aufbau des documenta-Kunstwerkes in der Mitte der Stadt.

Das Gebäude mit der Nummer vier in der Treppenstraße ist an diesem Morgen sehr gefragt – und das hat einen guten Grund: Es bietet einen hervorragenden Blick auf die Szenerie, die sich auf dem Platz davor auftut. Hier wird heute der Obelisk aufgebaut. Das ruft ein großes Medieninteresse hervor, weshalb kurz die Annahme entsteht, das Gebäude mit der Nummer vier, das sich Haus der Sozialwirtschaft oder auch Treppe 4 nennt, sei nur errichtet worden, um die besten Bilder zu ermöglichen, während der Obelisk aufgebaut wird.

Hier finden Sie den Aufbau-Ticker zum Nachlesen

Um 8.30 Uhr kommt der erste Tieflader zum Florentiner Platz, der kein Vergnügen ist für einen Tieflader. Er hat das erste Teil des Obelisken geladen, das wie alle anderen Elemente auf einem Bauhof in der Nordtstadt gelagert war. Allein dieses erste Stück wiegt 28 Tonnen. Und so schmatzen die Reifen des Fahrzeugs unter dem Gewicht auf dem Asphalt. In der Frontscheibe des Lkw prangt ein Schild mit der Aufschrift „Master of Desaster“ – hoffentlich kein schlechtes Omen.

Die Anspannung ist spürbar. Der Fahrer braucht gute Nerven bei seiner Millimeterarbeit vor Publikum. Immer wieder beobachten Passanten das Geschehen, machen Bilder mit ihren Smartphones. Nicht nur Verkehrsschilder und Poller sind für den Fahrer knapp zu umschiffen. Auch der Lieferverkehr, Passanten und Radfahrer sorgen für brenzlige Situationen.

Der Tieflader steht jetzt zwar in der richtigen Position, aber der Aufbau stockt. Es fehlen Hebegurte, um den längs auf dem Tieflader liegenden Steinblock anzuheben. Es dauert, bis die Gurte eintreffen. Sie werden unter den Stein gelegt. Vorsichtig wird er angehoben, dann hängt in der Luft. Alles läuft.

Denkste: Der Fahrer des Tiefladers will eigentlich wegfahren, um Platz zu schaffen für das weitere Manöver. Doch dann steht plötzlich ein Transporter im Halteverbot und hindert ihn am Rangieren. Vom Fahrer – keine Spur. „Der ist weg“, ruft einer der Bauarbeiter. „Der macht Frühstück“, mutmaßt ein anderer. Doch irgendwer treibt den Fahrer auf, der eilig den Wagen wegfährt.

Währenddessen hängt der Koloss einige Meter hoch in der Luft. Der Kranführer sieht’s entspannt und raucht erst einmal eine Zigarette. Als der Tieflader endlich Platz machen kann, legen die Arbeiter Holzbalken aus, auf denen der Block langsam abgelegt wird. Sie knacken unter der Last. Dann wird der Stein vorsichtig auf die Füße gestellt, trotzdem bröckelt eine kleine Ecke ab.

Mit dem Kran wird der Stein angehoben und über den Sockel bugsiert. Er schaukelt hin und her, bevor der Kranführer ihn langsam hinabgleiten lässt. Einer der Bauarbeiter will den tonnenschweren Stein zurecht ruckeln und sorgt damit für Lacher bei den inzwischen doch zahlreichen Zuschauern. Um kurz nach halb elf steht das erste Teil endlich fest auf dem Sockel. Der Tieflader mit dem Mittelteil und ein Transporter mit der Spitze des Obelisken sind inzwischen auch schon eingetroffen. Alles im Plan.

Die Arbeitsschritte wiederholen sich, bis um kurz nach halb zwei nur noch die Spitze fehlt. Sie kommt mit der Drohne. Matthias Kolodziejczak vom Hochbauamt der Stadt, der mitverantwortlich für die Planung war, lässt es sich nicht nehmen, sie selbst anzubringen. Es ist vollbracht.

Es ist vollbracht: Matthias Kolodziejczak bringt die kleine Spitze an, die mit der Drohne angeflogen kam.

Der Obelisk steht – und die besten Bilder entstehen vom Haus der Sozialwirtschaft aus. Die Verantwortlichen dort freuen sich über das neue Kunstwerk vor der Haustür. Sören Link und Rosa-Maria Hambacher versichern, gut auf den Obelisken aufzupassen. Und sie hätten nichts dagegen, wenn in ihr Haus noch ein Café oder Restaurant zöge. Der Eigentümer des Hauses soll offen dafür sein. Die Lage wäre zumindest nicht die schlechteste – mit bestem Blick auf den Obelisken, der die Fläche schon unmittelbar nach seinem Aufbau prägt. Die ersten Forderungen sind schon laut geworden, den Platz umzubenennen in „Platz am Obelisken“. Aber das wurde nur scherzhaft formuliert.

Obelisk kehrt zurück in die Innenstadt: Aufbau an der Treppenstraße

Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
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Obelisk wird in Kassel aufgebaut
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Obelisk wird in Kassel aufgebaut
 © Andreas Berger
Obelisk wird in Kassel aufgebaut
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
 © Andreas Berger
Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Kassel Treppenstraße Aufbau
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Obelisk Aufbau Treppenstraße Kassel
 © Andreas Berger
Obelisk Aufbau Treppenstraße Kassel
 © Andreas Berger
 © Andreas Berger
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 © Andreas Berger
 © Andreas Berger
 © Andreas Berger
 © Andreas Berger

Das sagt der Künstler Olu Oguibe

„Ich bin froh, dass der Obelisk wieder aufgebaut wird. Mir wurde gesagt, dass es am 11. Mai in der Treppenstraße ein Straßenfest geben wird, um die Neuinstallation zu feiern. Es tut mir leid, dass ich nicht persönlich teilnehmen kann, aber ich werde die Feier verfolgen. Der Kampf, den Obelisken an seinem ursprünglichen Standort zu halten, war wichtig und würdig, aber ebenso wichtig war mein Engagement und das der Stadt, den Obelisken in Kassel zu halten. Ich freue mich, dass es die Menschen nicht nur vor Ort, sondern auch auf der ganzen Welt zu inspirieren scheint. Seit 2017 ist in verschiedenen Teilen der Welt viel passiert, was ein Denkmal für Fremde und Flüchtlinge sehr ergreifend macht, und ich hoffe, dass die Stadt Kassel stolz drauf ist, das Denkmal mit seiner Botschaft für Nächstenliebe, Gegenseitigkeit und Dankbarkeit zu empfangen. Ich freue mich darauf, es in naher Zukunft an seinem neuen Standort zu sehen.“

Das sagt documenta-Geschäftsführerin Sabine Schormann

„Mir bedeutet es viel, dass dieses wichtige documenta-14-Kunstwerk nun dauerhaft zurück in Kassels Mitte ist. Dass der Wiederaufbau am Standort Treppenstraße möglich wurde, ist nicht zuletzt den Kasseler Bürgern zu verdanken, die sich für den Erhalt eingesetzt haben.“

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