Saal muss für Appartementhaus weichen

Auftakt zum Abgesang: Letzte Veranstaltungen im Ballsaal des Hotel Reiss vor dem Abriss

Die Puppini-Sisters aus London begeisterten im Saal des Hotel Reiss mit außergewöhnlichen Stimmen und Songs aus den goldenen Swing-Zeiten. Sie feierten mit dem Kasseler Publikum „Abschied vom Ballsaal“. Alle Fotos:  Fischer

Kassel. Am Wochenende fand im Ballsaal des Hotel Reiss der Auftakt zum Abgesang des legendären Veranstaltungsorts statt.

Gleich drei große Konzertabende hatte Theaterstübchen-Chef Markus Knierim organisiert. Die Besucherschlangen reichten bis auf die Straße, so groß war der Andrang.

Die Menschen strömten über den Treppenaufgang ins glitzernde Foyer, gaben ihre Mäntel an der Garderobe ab und nahmen feierlich im dezent illuminierten, bis auf den letzten Winkel bestuhlten Ballsaal Platz. „Vintage-Swing-Pop“ stand am Samstagabend passend zur nostalgischen Stimmung auf dem Programm. Das Konzert der „Puppini-Sister“ aus London war lange vorher ausverkauft. Marcella Puppini, Kate Mullins und Stephanie O’Brien rockten mit ihrer Band die Bühne mit Evergreens wie „Mister Sandman“, jazzig adaptierten Hip-Hop-Songs und Elvis-Schlagern.

Auf die Golden-Swing-Ära eingestimmt worden war das begeisterte Publikum vom Kasseler Trio KSwing, Tabea Henkelmann, Juliane Pohl und Susanne. „Wir sind so stolz, mit unseren Idolen, den Puppini-Sisters, auf der Bühne zu stehen“, sagten die jungen Sängerinnen aus Kassel und bedankten sich bei Knierim.

Auch am Abend zuvor, als für ein jüngeres Publikum „Louis on the run EP“ mit Support von „Ma fleur“ im Ballsaal auftraten, sowie am Sonntag mit Dark Vatter, Rockmachine und der Mark Knopfler Tribute Band war der Besucher-Andrang riesig. „Es ist der Hammer, einfach überwältigend“, sagt dazu Markus Knierim, „Die Leute wollen alle noch mal im Ballsaal feiern und sich von ihm verabschieden.“ Es ist ein Ort, an dem Filmbälle mit Leinwandstars wie Claus Biederstaedt, Walter Giller und Pierre Brice gefeiert wurden.

Deshalb lag bei aller musikalischer Ausgelassenheit Wehmut in der Luft, denn es sind die letzten Veranstaltungen, die jetzt im Ballsaal des Hotel Reiss stattfinden. „Dann wird für immer das Licht ausgemacht“, sagt Knierim.

Bereits im April sollen die Abrissarbeiten stattfinden. Das Ende des 19. Jahrhunderts erbaute Gebäude soll für den Neubau eines Appartmenthauses weichen.

Markus Knierim will für den Traditionsort am Hauptbahnhof noch einmal ein Feuerwerk an Musik- und Filmveranstaltungen zünden. In der Vergangenheit war er mit seiner Reihe „Theaterstübchen geht fremd“ immer wieder in den Anfang der 2000er-Jahre renovierten Ballsaal ausgewichen. „Ich will nicht darüber lamentieren, dass dieser geschichtsträchtige Ort unwiederbringlich verschwindet“, sagt Knierim: „Ich will jetzt, dass er sich noch einmal von seiner besten Seite präsentiert und sich allen in die Erinnerung einbrennt.“

Die nächste Veranstaltung im Ballsaal ist am Freitag, 9. März, ab 17 Uhr „Beat im Reiss mit namhaften Kasseler Live-Bands: www.theaterstübchen.de

Einen ausführlichen Blick in die Geschichte des Ballsaals finden Sie bei uns hier. 

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