Betrieb wird zeitweise geschlossen und neu ausgerichtet

Insolvenz abgewendet: Kasseler Kultclub "A.R.M." bleibt und wird kleiner und feiner

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Beliebte Partymeile: An der Werner-Hilpert-Straße hat Ralph Raabe mit dem A.R.M., der Weinkirche und weiteren kleinen Clubräumen ein Ausgehdomizil geschaffen.

Das Aus eines Kasseler Kultclubs ist abgewendet. Das "A.R.M." und die "Weinkirche" bleiben. Allerdings werden die Clubs zeitweise geschlossen, um sie neu auszurichten.

Sein großer Traum wurde Ralph Raabe zum Verhängnis: Als der Betreiber des Clubs "A.R.M." an der Werner-Hilpert-Straße 2013 in dem Gewölbe unter dem Areal die „Weinkirche“ eröffnete, ging er ein hohes finanzielles Risiko ein. Zwei Millionen Euro musste er sich für den Umbau des historischen Weinkellers in einen modernen Veranstaltungs- und Gastronomiebetrieb leihen. Nun drohte ihm die Insolvenz. Weil eine Einigung mit den Gläubigern erzielt wurde, ist diese abgewendet, es steht aber eine tief greifende Neukonzeption an.

Im Gespräch mit der HNA bestätigt der Insolvenzsachbearbeiter Timm Zeiss von der Kanzlei Freshwaters aus Berlin die außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern. „Auch die Banken haben mitgespielt“, sagt Zeiss. Nur in den Details werde in einigen Fällen noch „gefeilscht“. Letztlich sei es eine gute Lösung für alle, da bei einer Insolvenz die Gläubiger ohnehin nur eine sehr geringe Quote zu erwarten gehabt hätten. „Der Großteil der Masse wäre von den Verfahrenskosten aufgefressen worden“, sagt Zeiss.

Raabe sei wegen der Schuldenlast – die Verbindlichkeiten des Einzelunternehmers lagen bei 1,85 Mio. Euro – gezwungen gewesen, das Areal samt Gebäuden an der Werner-Hilpert-Straße zu verkaufen. „Wegen der hohen Grundpfandrechte war die Liegenschaft ohnehin nur noch ein Bruchteil wert“, sagt Zeiss. Der Verkauf sei bereits über die Bühne gegangen. Zum Käufer will sich der Insolvenzsachbearbeiter aus Datenschutzgründen nicht äußern.

Schön aber teuer: Die riesigen Gewölbe unter dem Clubareal wurden zur „Weinkirche“ ausgebaut.

Arm Kassel schließt zeitweise

Was der Verkauf für die Clubs "A.R.M." und Weinkirche mittelfristig bedeutet, ist noch nicht ganz klar. „Es wird massive strukturelle Änderungen geben“, sagt Zeiss. So werde eine neue Betreibergesellschaft gegründet und der Betrieb werde für einige Monate geschlossen werden müssen. „Vermutlich ab Ende des Jahres und dann bis Frühjahr“, sagt Zeiss. Davon unberührt sei die Lolita Bar, die nicht von Raabe geführt wurde, sondern von Dirk („Bob“) Wacholder.

In Zukunft kleiner und feiner

Ralph Raabe soll nach Auskunft von Zeiss künftig weiterhin eine „maßgebliche Rolle“ bei den Clubs spielen – allerdings nur noch im kreativen Teil. „Es soll kleiner, feiner und kulturell anspruchsvoller weitergehen“, erläutert Zeiss. Weitere Details zum neuen Konzept sollen in den nächsten Wochen folgen.

Aus Sicht von Zeiss war der Clubbetreiber nicht am mangelnden Erfolg der Veranstaltungen gescheitert. „Die liefen ja gut.“ Aber der Umbau der Weinkirche sei letztlich deutlich teurer gewesen als gedacht. Raabe gab dafür dem beauftragten Architekturbüro die Schuld.

Ralph Raabe war am Donnerstag nicht telefonisch erreichbar.

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