Kasseler Selbsthilfegruppen 

Aus Verärgerung: Diabeteshelfer werfen Arbeit hin

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Eine Diabetikerin spritzt sich mit einem Insulin-Pen Insulin. Für die Menschen, die an der chronischen Stoffwechselkrankheit leiden, ist es wichtig, sich gut mit ihrer Erkrankung auszukennen.

Kassel. Aus Verärgerung über den Austritt des Landesverbands aus dem Deutschen Diabetiker Bund ist der Bezirksvorstand der Selbsthilfegruppen in der Region zurückgetreten. 

Seit Jahrzehnten sind die Selbsthilfegruppen der Diabetiker ein wichtiger und fester Bestandteil der Selbsthilfearbeit in Stadt und Landkreis. Doch jetzt gibt es nach dem Austritt des hessischen Landesverbandes aus dem Deutschen Diabetiker Bund (DDB) einen großen Umbruch: Seit Jahresbeginn gibt es nur noch zwei der ehemals sechs Selbsthilfegruppen des einstigen Verbandes. Und der gesamte sechsköpfige Bezirksvorstand ist zurückgetreten.

Allen voran Karl-Heinz Fehr, der sich zehn Jahre lang ehrenamtlich engagierte und insgesamt neun Gruppen betreute. Aus Enttäuschung und Protest über den Austritt seines Landesverbandes aus dem DDB, der lange Zeit seinen Sitz in Kassel hatte, hat er seinen Vorsitz des Bezirksverbandes Kassel/Werra-Meißner niedergelegt.

Karl-Heinz Fehr

Er ist verbittert, dass der einst einflussreiche Deutsche Diabetiker Bund, der mit zeitweise über 30.000 Mitgliedern großes Gewicht gehabt habe, mit dem Austritt des hessischen Landesverbandes weiter geschwächt werde. „Da geht sehr viel Energie verloren“, bedauert Fehr.

Dieser Schritt schade nun auch der Selbsthilfearbeit vor Ort, da diese nun eingeschränkt werde. So zog sich Karl-Heinz Fehr aus der aktiven Arbeit zurück. Geblieben sind die nun selbstständigen Gruppen Kassel-Nord, die sich im Philipp-Scheidemann-Haus trifft, und die Gruppe Kassel-West, die in der Post-Apotheke Erfahrungen austauscht und Fachvorträgen lauscht. Die Gruppen in Kaufungen, Vellmar und Ahnatal haben aufgehört.

„Genügend Angebote“

Insgesamt gebe es in Stadt und Landkreis noch genügend Selbsthilfeangebote für Diabetiker, sagt die Leiterin der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen beim Gesundheitsamt, Carola Jantzen. Allerdings müssten jetzt mitunter weitere Wege in Kauf genommen werden.

Vor allem der Austausch in den Selbsthilfegruppen sei vielen wichtig, betont Peter Beier, der die Gruppe Kassel-Nord weiter führt. Zum einen mache man die Erfahrung, dass man nicht alleine ist. Zum anderen würden auch wertvolle praktische Tipps ausgetauscht. Und regelmäßig planen die Gruppen Fachvorträge und gemeinsame Aktivitäten, sagt Beier.

Das sagen die Diabetiker Hessen

Christine Hornberger, seit 1. Januar Vorsitzende des aus dem DDB ausgetretenen Landesverbandes mit dem neuen Namen Diabetiker Hessen, möchte in Kassel Selbsthilfegruppen wieder aufbauen. Dazu soll im Frühjahr erst einmal in Kassel zu einer Mitgliederversammlung eingeladen werden. Es sei bedauerlich, dass die Information der Bezirksverbände und Ortsgruppen im Zusammenhang mit dem Austritt aus dem DDB mangelhaft verlaufen sei, sagt sie. Grund für diesen Schritt, über den die Delegierten entschieden hatten, sei die Unzufriedenheit mit der Arbeit im Bundesverband gewesen. 

Die Diabetiker Hessen mit rund 2000 Mitgliedern wollen Patienten und Bürger informieren und sich auch politisch für eine gute Versorgung und soziale Teilhabe von Diabetikern, auch Kindern und Jugendlichen, einsetzen. Der Verein, der mit anderen Verbänden zusammenarbeiten möchte, bietet unter anderem kostenlose Erstberatungen in sozialrechtlichen Fragen an.

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