Naturkundemuseum

Ausstellung in Kassel zeigt riesige Insekten-Modelle

Sieht aus wie der Kinderbuchstar Nimmersatt: Der Große Gabelschwanz kann als fertiger Nachtfalter acht Zentimeter groß werden. Im Naturkundemuseum ist er als 20-fach vergrößertes Modell im Raupenstadium zu bewundern. Fotos: Malmus

Kassel. Auf einen Menschen kommen etwa 150 Millionen Insekten. Weil sie häufig nicht größer als ein Fingernagel sind, fällt ihre Omnipräsenz nicht weiter auf.

Ganz anders ist das in der jetzt eröffneten Sonderausstellung im Naturkundemuseum. Für diese hat ein Weltmeister im Bau von Tiermodellen bis zu 20-fach vergrößerte Nachbauten der Lebewesen geschaffen.

In der Ausstellung „Entomomagische Momente“ (Entomologie heißt Insektenkunde) steht der Besucher unter anderem einem Warzenbeißer gegenüber, der ein Meter lang ist: In dieser Übergröße könnte die Heuschreckenart auch gut in einem Horrorfilm mitspielen. Doch Museumsleiter Dr. Kai Füldner beruhigt: „Insekten können maximal einen Durchmesser von fünf Zentimetern erreichen. Andernfalls würde ihre Atmung nicht funktionieren.“

Weil Insekten keine Lungen haben, atmen sie quasi durch ihren Körper. Der Luftdruck befördert den Sauerstoff maximal bis zu drei Zentimeter tief in die Zellen des Tieres. Riesen-Insekten, wie sie im Museum zu sehen sind, wären also nicht lebensfähig.

Die 10.000 bis 12.000 Euro teuren Nachbauten ermöglichen aber einen detaillierten Blick auf die faszinierende Insektenwelt: Dazu gehört etwa die Gemeine Skorpionsfliege, deren Hinterleib bei den Männchen aussieht wie der Stachel eines Skorpions. „Der Stachel ist nicht gefährlich. Mit ihm hält das Männchen das Weibchen bei der Paarung fest“, erklärt Füldner.

Die Modelle stammen aus der Werkstatt des zweifachen Biologie-Modellbauweltmeisters Detlev Gregorczyk. Er hat im Auftrag des Kasseler Naturkundemuseums fünf Modelle aus verschiedenen Silikonen entworfen. Bis zu drei Jahren nimmt die Arbeit an einem Modell in Anspruch.

Zum Glück nur Modelle: Riesige Insekten im Naturkundemuseum Kassel

Füldner stieß auf Gregorczyk, als der heutige Museumsleiter noch an der Uni Göttingen arbeitete und der Modellbauer ihn nach lebenden Raupen der Nachtfalterart Großer Gabelschwanz fragte. Damals wusste Füldner noch nicht, was Gregorczyk damit vorhatte. Heute steht auch ein Modell der Raupe in der Ausstellung. Es sieht aus wie der große Bruder der Raupe Nimmersatt. Neben der Raupe gibt es weitere Insekten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: Sehr faszinierend ein Waldmaikäfer im Flug.

Neben den Tiermodellen können die Besucher des Museums lebendige Insekten unter dem Mikroskop betrachten. Zudem sind einige Arten in Schaukästen ausgestellt. Die Sonderschau ist ein halbes Jahr lang zu sehen.

Interessante Fakten

Wussten Sie, dass die Farben der Insekten nicht zufällig sind?

„Rot steht für giftig oder ungenießbar und Gelb für gefährlich“, sagt Dr. Kai Füldner vom Naturkundemuseum. Meistens stimme dies auch. So seien Marienkäfer keine Delikatesse und Wespen gefährlich. Es gebe auch Insekten, die mit ihrem Aussehen eine Eigenschaft nur vortäuschten. Sogenannte Mimikry versucht, durch Ähnlichkeit Feinde abzuschrecken. So sehen etwa Schwebfliegen Wespen ähnlich.

Wussten Sie, dass Heuschrecken zur Heilung eingesetzt wurden?

Früher wurde die Heuschreckenart Warzenbeißer (daher der Name) zur Warzen-Behandlung eingesetzt. Die ätzenden Verdauungssäfte des Tiers sollten eine heilende Wirkung haben. „Ein Irrglaube“, wie Füldner sagt.

• Während der Öffnungszeiten des Museums zugänglich: Di und Do-Sa 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr, So 10-18 Uhr. Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder bis 6 Jahre frei.

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