KVK will 500 Euro Entschädigung zahlen

Auszug bis August: Mieter im Hochhaus an der Sophienstraße sind bestürzt

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Soll saniert werden: Das Hochhaus an der Sophienstraße im Stadtteil Mitte.

Kassel. Bei den Mietern der Sophienstraße 1 herrscht große Bestürzung, mit diesen Nachrichten hatte niemand gerechnet. Die meisten wollen nicht ausziehen. 

Am Montagabend war bei einer Mieterversammlung verkündet worden, dass alle Mieter bis Ende August 2018 ihre Wohnungen räumen müssen. Der Grund: Die Immobilie muss dringend saniert werden, auch der Brandschutz entspricht nicht mehr den aktuellen Sicherheitsvorschriften.

„Ich muss mich erst mal wieder beruhigen“, erzählt ein Mieter. Vor vier Jahren ist der Mann in die 40 Quadratmeter große Wohnung an der Sophienstraße gezogen. Er hatte sich das Haus damals ausgesucht, weil er hier seinen Lebensabend verbringen wollte. Der Umzug sei für ihn nicht günstig gewesen und er habe in die Wohnung investiert. 

Das am Haus was gemacht werden muss, daran hat aber auch er keinen Zweifel. In seinem Schlafzimmer dringt die Feuchtigkeit durch die Decke, an einer Ecke sind große Schimmelflecken zu sehen. „Die wissen einfach, dass sie aus einem Grundstück in dieser Lage viel mehr machen können“, vermutet er. Man habe nach der Einladung zur Versammlung vor gut vier Wochen geahnt, dass es keine guten Nachrichten sind, die verkündet werden, aber er habe gehofft bis zuletzt. Am Montagabend sei die Hoffnung dann zerschlagen worden.

Seit fast 20 Jahren wohnt der 81-jährige Wilfried Nordmaeier in seiner Wohnung im sechsten Stock in der Sophienstraße. „Ich will hier nicht raus“, sagt er und streichelt seinem Kater über den Kopf. „Und der will auch hierbleiben.“ 350 Euro kosten Nordmaeier seine 38 Quadratmeter. „Ich glaube ja, dass wir hier auch nach der Sanierung nicht mehr rein können“, sagt der gebürtige Kaufunger. Die wollen das Haus bestimmt verkaufen, um mehr Geld aus der Immobilie zu machen.“

Nordmaeier habe damals beim Einzug eine Kaution von 1100 Mark gezahlt, zwischenzeitlich seien Mieter eingezogen, von denen keine Kaution mehr verlangt worden sei. Jetzt habe man 500 Euro als Entschädigung und Unterstützung für den Umzug angeboten, das sei ein Witz. Er habe bei der Versammlung gefragt, ob man den schon wisse, ob man irgendwann wieder einziehen könne, da habe es keine Antwort gegeben. Früher hätten hier viele langjährige Mieter gewohnt, durch die Ingenieurschule habe sich das zwischenzeitlich mal geändert, jetzt würden Mieter aber wieder länger bleiben wollen.

„Das ist eine Schweinerei“, sagt ein anderer Mieter. Man habe schon mit den Nachbarn gesprochen, das lasse man sich nicht gefallen. Vor allem, dass man die Mieter vor vollendete Tatsachen gestellt habe, sei nicht schön. Man habe sich schon ausgetauscht, dass man sich wehren wolle gegen das Vorgehen. Sicherheit hin oder her, Sanierung müsse ja auch mit bewohnten Wohnungen möglich sein.

Das sagt der Eigentümer des Hochhauses an der Sophienstraße

Wir wollten die Mieter alle zur gleichen Zeit auf denselben Stand bringen, sagt Klaus Werner, Direktor der Kommunalen Versorgungskassen Kurhessen-Waldeck (KVK). Noch könne man nicht sagen, wie umfangreich die Sanierungen seien. Er gehe zurzeit von Investitionen in Höhe von 4,7 Millionen Euro aus. Davon seien 3,6 Millionen für den Brandschutz. 

Alle Mieter würden mit 500 Euro, unabhängig von der Mietdauer, entschädigt. Für langjährige Mieter gibt es mit einer Staffelung von drei Jahren jeweils eine weitere Kaltmiete oben drauf. Außerdem biete man Unterstützung bei der Wohnungssuche an. Der KVK sei wichtig, dass das Haus im August geräumt sei, da erst dann ein Gutachten mit dem Denkmalschutzamt gemacht werden könnte. Entschließend entscheide sich, ob eine Sanierung des Gebäudes auch aus wirtschaftlichen Aspekten sinnvoll sei oder doch ein Abriss infrage komme. 

Die Gefahr sei nicht mit der anderer Hochhäuser vergleichbar, da es nicht um die Fassade, sondern um generellen Mängel ginge.

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