Bank-Boss wollte keine Steuern zahlen

Ehemaliger Chef der Evangelischen Kreditgenossenschaft vor Gericht

Kassel. Drei mehr oder weniger ergraute Männer in seriösen Geschäfts-Anzügen sitzen auf der Anklagebank in Kassel. Es geht um Steuerhinterziehung.

Vor der 3. Strafkammer des Landgerichtes Kassel müssen sich seit Montag Bernd J., ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Kreditgenossenschaft Kassel, ein 51-jähriger Steuerberater aus dem Landkreis Aurich und ein 61-jähriger Geschäftsmann aus dem Landkreis Kassel wegen des Versuchs der gemeinschaftlicher Steuerhinterziehung oder der Beihilfe dazu verantworten.

Oberstaatsanwalt Jung berichtete in seiner Anklage, der heute 66-jährige Bernd J. habe im Jahr 2007 über einen Aufhebungsvertrag 1,428 Millionen Euro Abfindung erhalten und die auch beim Finanzamt angegeben. Mit Hilfe des Steuerberaters soll er versucht haben, seine Steuerlast um gut ein halbe Million Euro zu drücken. Das Finanzamt hatte die steuermindernden Angaben des früheren Bankers aber nicht anerkannt, weil diese nahezu vollständig fingiert gewesen seien sollen.

Dem Mitangeklagten aus dem Landkreis Kassel wirft der Staatsanwalt vor, dem Älteren aus Gefälligkeit eine Rechnung über 30.000 Euro erstellt zu haben, um so dessen Steuerschuld zu senken.

Jung entwarf in seiner Anklage ein Geflecht kreativer Steuervermeidung: J. sollte von seiner Abfindung nur etwa 600.000 Euro erhalten, den Rest hätte er bei korrekter Steuererklärung ans Finanzamt abführen müssen.

Das aber habe er nicht gewollt. In Portugal soll er 2007 ein Transportunternehmen gegründet haben, mit dem er über fingierte Rechnungen einen Verlust von 260.000 Euro einfuhr. Hätte das Finanzamt dies anerkannt, hätte der Angeklagte 507.000 Euro erstattet bekommen. Der Steuerberater habe ein Erfolgshonorar von 20 Prozent erhalten sollen.

Die angeblichen Kosten des Betriebes in Portugal entstanden laut Staatsanwalt durch fingierte Gutachten und Beraterverträge in Singapur, Portugal und Lateinamerika. Ein 18 Quatratmeter-Büro in Funchal auf Madeira sollte danach über 5000 Euro im Monat kosten. Auch für eine zweiwöchige Harley-Davidson-Tour mit Freunden durch die USA habe der Angeklagte Betriebskosten von 6500 Euro geltend gemacht. Einnahmen von 36.000 Eura habe er dagegen dem Finanzamt verschwiegen.

Der 61-jährige Mitangeklagte hatte J. fünf gebrauchte Sattelzüge für knapp 400.000 Euro verkauft. Weil der das Geschäft später stornierte, erhielt der Mann von J. 30.000 Euro Schadensersatz, von denen wenig später 29.000 Euro wieder an J. zurück gezahlt wurden. Er habe der guten Reputation des Angeklagten vertraut und sei nicht an Steuervermeidungen beteiligt gewesen, sagte der 61-Jährige.

Der Prozess wird am kommenden Montag fortgesetzt. (tom)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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