Gratis-Harschnitt

Barber Angels frisieren Bedürftige: Friseur-Engel tun in Kassel Gutes

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Stammkunde: Günter Blumenröther (Mitte) mit den beiden Barber Angels Tina Flohr und Freddy Aslar.

Der gemeinnützige Friseur-Verein „Barber Angels Brotherhood“ war am Sonntag in Kassel, um Obdachlosen mit einem Gratis-Haarschnitt etwas Gutes zu tun.

"Schade, dass die Michaela heute nicht da ist“, sagt Günter Blumenröther, nachdem er gestern Nachmittag im Gleis 1 Platz genommen hat. Michaela aus Mannheim ist nämlich seine Lieblingsfriseurin und hat ihm schon oft die Haare geschnitten.

Blumenröther ist Stammgast bei den Barber Angels. Das sind Friseure aus ganz Deutschland, die Obdachlosen und anderen hilfsbedürftigen Menschen kostenlos die Haare schneiden. In Kassel haben sie das zum ersten Mal im Februar 2017 getan. Seitdem kommen die Charity-Friseure, die alle Lederkluft tragen, alle drei Monate ins Gleis 1, am Sonntag war es das siebte Mal.

„Im Schnitt kommen 150 bis 200 Kunden“, sagt Tina Flohr aus Schwäbisch Gmünd bei Stuttgart. Die Friseurin ist Vizepräsidentin der Barber Angels. Und da Günter Blumenröthers Lieblingsfriseurin aus Mannheim gestern nicht mit Schere und Kamm im Einsatz war, wurde der 55-Jährige eben von der Vizepräsidentin frisiert.

Da es im Gleis 1 keine Waschbecken zum Haarewaschen gibt, bekommen die Kunden alle Waschhauben auf. Die kommen aus dem medizinischen Bereich, sagt Flohr, und werden ansonsten bei bettlägerigen Menschen zum Haarewaschen genutzt. Sitzt die Haube auf dem Kopf, bekommen die Frauen und Männer erst mal eine entspannende Kopfmassage. Das ist auch gut für die Seele. Für sie sei es der schönste Moment, wenn ihre Kunden später in den Spiegel schauen und über das ganze Gesicht strahlen, sagt Flohr.

Charity-Friseure: Die Barber Angels kommen alle drei Monate ins Gleis 1, um bedürftigen Menschen kostenlos die Haare zu schneiden. 

Für viele der Kunden sei dies der erste Körperkontakt zu anderen Menschen seit Monaten, sagt Freddy Aslar. Er ist der Zenturio der Barber Angels in Nordhessen und kümmert sich um die Organisation der Veranstaltungen in Kassel. „Diese Menschen kennen sonst kein Schulterklopfen“, sagt Aslar.

Auch wenn die Kunden der Barber Angels nichts für den Haarschnitt zahlen müssen, so unterscheiden sie sich in einer anderen Sache nicht von anderen Menschen: Sie erzählen ihrem Friseur alles. Aslar kann von zwei Kunden berichten, die den Weg aus der Obdachlosigkeit und sogar einen Job gefunden haben.

Für die Kunden, die schon vor der Eröffnung des temporären Friseursalons vor dem Gleis 1 Schlange standen, gibt es klare Regeln: „Keine Drogen, kein Alkohol. Benehmt euch“, sagt Aslar zur Begrüßung.

„Ich habe auf diesen Termin sehnsüchtig gewartet“, sagt die 70-jährige Ursula Feustel aus Kassel. „Waschen, schneiden, föhnen“ steht bei ihr auf dem Programm. „Und richtig schön kurz“, sagt sie zu ihrem Barber Angel.

Die Menschen bekommen nicht nur einen kostenlosen Schnitt, sondern auch zwei Freigetränke und ein Essen, das Peter Viehmann aus Kaufungen (Restaurant Tresor) gekocht hat. Gestern gab es Gulasch vom Wagyu-Rind mit Nudeln und Reis. Ein Rundum-Wohlfühl-Paket.

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