Charity-Aktion

Rocker-Friseure in Kassel: Barber Angels schnitten Bedürftigen die Haare

Kassel. Sie tragen Rockerkluft und sind mit Schere, Rasiermesser und Föhn bewaffnet: Die Barber Angels, 30 Friseure aus ganz Deutschland, die Bedürftigen kostenlos die Haare schneiden, waren am Sonntag erstmals in Kassel.

Die Charity-Friseure sorgten im Gleis 1 (Kulturbahnhof) dafür, dass über 100 Menschen eine neue Frisur bekommen haben. „Ich sehe doch richtig schick aus – und ich fühle mich auch gut“, sagt Hildegard Hell am Sonntagnachmittag. Die 69-jährige Frau aus Kassel steht vor dem Gleis 1 im Kulturbahnhof und strahlt über das ganze Gesicht. Sie hat gerade eine neue Frisur verpasst bekommen. Von Melli Bethke aus Braunschweig. Sie gehört zu den 30 Friseuren aus ganz Deutschland, die am Sonntag hilfsbedürftigen Menschen in Kassel kostenlos die Haare geschnitten haben. Als „Barber Angels Brotherhood“ gehen diese Friseure in Lederkluft und mit ganz viel Herz derzeit durch die Medien.

„Das ist ein toller Tag. Ich habe mich die ganze Woche darauf gefreut“, sagt Hildegard Hell. Sie kann es sich nicht leisten, regelmäßig zum Friseur zu gehen. „Alle drei Monate lasse ich mir bei einem türkischen Friseur die Haare trocken schneiden. Für zwölf Euro“ Aber waschen, schneiden und föhnen – das habe sie sich seit acht Jahren nicht mehr gegönnt.

Melli Bethke, die für die Barber Angels in ganz Niedersachsen zuständig ist, gehen solche Schicksale ans Herz. „Ich bin total nah ans Wasser gebaut“, erzählt die Friseurin. Da muss sie hin und wieder eine Träne verdrücken, wenn sie ihren Kunden die Haare schneidet.

Der Andrang am Sonntagnachmittag im Kulturbahnhof ist groß – die Engel mit Schere haben in allen sozialen Einrichtungen plakatiert, dass sie erstmals einen Einsatz in Kassel haben. Männer mit langen Bärten, Frauen mit Bubikopf und Kinder warten darauf, einen neuen Schnitt zu bekommen.

Serdal Aslar, der in der Friseurszene nur Freddy genannt wird, ist der Zenturio der Barber Angels in Nordhessen. Er hat einen Salon in Wehlheiden und in Oberkaufungen. Im April vergangenen Jahres hatte er seinen ersten Charity-Einsatz bei den Barber Angels. Er hat Bedürftigen die Haare zum Beispiel schon in München und Salzgitter geschnitten. Die Friseure bezahlen die Reisekosten und Hotels aus eigener Tasche. „Wir machen das, weil es uns gut geht“, sagt Freddy.

Haarwäsche und den Bart gestutzt: Barber Angel Freddy kümmerte sich am Sonntagnachmittag vor dem Gleis 1 im Kulturbahnhof um das Aussehen seines Kunden Brakmanis Armands.

Wer bei den Barber Angels mitmachen will, muss allerdings eine Rockerkluft tragen. „Unsere Kutte dient dazu, die Hemmschwelle abzubauen“, erklärt Freddy. Durch die Kleidung, die an einen Motorradklub erinnert, seien die Atmosphäre und die Kunden viel lockerer. Allerdings fahren die Friseure in Leder nicht unbedingt Motorrad, erklärt der Friseur.

"Unsere Maschinen heißen nicht Harley, sondern Panasonic und sind viel schärfer." Mit seiner Haarschneidemaschine stutzt Freddy den Bart von Brakmanis Armands. Der 52-Jährige, der im gebrochenen Deutsch erzählt, dass er in drei Tagen Geburtstag hat, kommt ursprünglich aus Lettland. Mit einer Waschhaube bekommt er von Freddy auch die Haare gewaschen.

Im August sei er zum letzten Mal bei einem Friseur gewesen, erzählt Günter Blumenröther, der auf einem Stuhl vor Micha Diefenbacher aus Mannheim sitzt. Die Friseurin ist seit 25 Jahren selbstständig, ihr Beruf sei ihre Leidenschaft, erzählt sie, während sie Günter die Haare schneidet. „Aus Günter machen wir jetzt George Clooney“, verspricht der blonde Engel mit der Schere.

Barber Angels in Kassel: Charity-Aktion der Rocker-Friseure

Barber Angels Brotherhood Charity- Schneiden für Bedürftige und ObdachloseFoto: Schachtschneider
 © Schachtschneider
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Barber Angels Brotherhood Charity- Schneiden für Bedürftige und ObdachloseFoto: Schachtschneider
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Barber Angels Brotherhood Charity- Schneiden für Bedürftige und ObdachloseFoto: Schachtschneider
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Neben Günter sitzt Klaus Heinz aus Kassel. „Früher hat mir meine Mutter die Haare geschnitten. Das geht nicht mehr, weil sie im Altenheim ist“, erzählt der Mann, der mit Hartz IV über die Runden kommen muss. An diesem Nachmittag genießt er es, dass ihm Jana Schinzel-Dannberg, Friseurin aus Witzenhausen, einen neuen Schnitt verpasst. Das ist ihr erster Einsatz als Engel. „Eine Mitarbeiterin hat mich dazu angestupst.“

Damit diese Aktion in Kassel nicht einmalig bleibt, will Freddy künftig alle acht Wochen ein kostenloses Haareschneiden im Gleis 1 anbieten. Der nächste Termin ist am Sonntag, 22. April. Den Kunden wird nicht nur ein Schnitt geboten, sondern auch etwas zum Essen. Und wenn die Frisur dann sitzt, darf auch getanzt werden.

RTL-Star unterstützt die Angels

Bei den Barber Angels machen nicht nur Friseure mit, sondern es gibt auch andere Unterstützer. Der Schauspieler Sam Eisenstein, der in der RTL-Serie „Alles was zählt“ mitspielt, will durch seine Bekanntheit für die gute Sache werben, erzählte er am Sonntag in Kassel. Durch seine Frau, die mit der Pressesprecherin der Barber Angels gut befreundet ist, sei er darauf aufmerksam geworden. Eisenstein hat aber auch schon selbst Haare geschnitten: die seiner vier Kinder und manchmal seine eigenen, wenn er nach einem Friseurbesuch unzufrieden war.

Die Aktion

Die Barber Angels fallen durch ihre Rockerkluft auf: Figaro Claus Niedermaier (Zweiter von links), der die Bruderschaft der Friseure gegründet hat, begrüßte die Kunden im Kulturbahnhof.

Zum Auftakt der Barber Angels in Kassel ist auch am Sonntag Claus Niedermaier aus Biberach gekommen. Er hat 2016 die „Barber Angels Brotherhood“ gegründet. Jetzt ziehen er und seine Kollegen, die aus ganz Deutschland kommen, einmal im Monat in ihren schwarzen Kutten los, um Obdachlosen gratis die Haare zu schneiden.

"Wir wollen den Menschen wieder ein Lächeln auf das Gesicht zaubern“, sagte Niedermaier bei seiner Begrüßung vor dem Gleis 1. Im Jahr 2017 haben die Barber Angels bei 20 Einsätzen in ganz Deutschland über 3500 obdachlosen und bedürftigen Menschen kostenlos Haare und Bärte geschnitten. Mehr Informationen zu der Barber Angels Brotherhood gibt es hier.

Rubriklistenbild: © Schachtschneider

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