Tiere sind am Anfang nur so groß wie ein Fingernagel

Bauchmassage für den Flattermann: Kasselerin zieht Fledermäuse groß

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Sie rettete Fledermäusen das Leben: Isabelle Winter hatte aktuell zwei Zwergfledermäuse in Obhut, die als Babys zu ihr kamen. Nach sechs Wochen hat sich die erste bereits in die freie Wildbahn verabschiedet.

Seit ihrer Kindheit hat Isabelle Winter ein Händchen für Tiere. Kein Wunder: Die Tochter einer Tierärztin hatte als Kind viele Tiere zu pflegen.

„Selten war dies aber so einfach wie bei Fledermäusen. Denn die Tiere sind zahm“, sagt die Kasselerin. Sie wurde durch Zufall zur Fledermaus-Ersatzmama und würde ihr Wissen nun gerne an andere Interessierte weitergeben.

Vor fünf Jahren landete das Thema im wahrsten Sinne des Wortes vor ihren Füßen. Im Winter fand sie beim Joggen in der Karlsaue eine noch nackte Baby-Fledermaus auf dem Boden. Sie war aus ihrer Kinderstube gefallen. Es handelte sich um eine Wasserfledermaus, wie sich später herausstellte. Beim Nabu bekam Winter erste Tipps zur Aufzucht. Schließlich fuhr sie sogar nach Frankfurt zu einem Treffen von Fledermausexperten.

Durch Zufall geriet sie nun gleich an zwei verwaiste Zwergfledermaus-Babys, die gefunden worden waren. Es hatte sich herumgesprochen, dass sie Erfahrungen mit der Aufzucht hat. Und so lebten in den vergangenen Wochen „Däumchen“ und „Mückchen“ bei der Familie in der Südstadt. Die Tochter von Isabelle war für die Namensvergabe zuständige.

Eine Fledermaus braucht nicht viel: Eine Kiste mit Tüchern, in der sie sich verstecken und schlafen können. Eine Wärmflasche oder ein Wärmestrahler sorgen dafür, dass das Tier nicht auskühlt. „Anstrengend ist das Füttern in den ersten zwei Wochen“, erzählt sie. Eine Mischung aus Welpenmilch, Kondensmilch und Fencheltee wird dem filigranen Tier alle zwei Stunden verabreicht – auch nachts. Später werden geköpfte Mehlwürmer serviert.

„Das ist zwar nicht die natürliche Nahrung der Tiere, die sonst Mücken und Fliegen fressen. Aber sie vertragen die Ersatznahrung in der Regel gut“, sagt Winter.

Damit sie keine Verdauungsprobleme bekommen, musste sie die Bäuche der zerbrechlichen Geschöpfe massieren. „Zunächst hatte ich Sorge, dass ich etwas kaputt mache. Aber man entwickelt schnell ein Gefühl dafür“, sagt die Grafik-Designerin.

Als die Zwergfledermäuse vor etwa sechs Wochen zu ihr kamen, waren sie 1,4 beziehungsweise zwei Gramm schwer. „Lange war unklar, ob es die Kleinere von beiden schaffen würde. Mit fünf Gramm sind die Tiere flugbereit.“ Während „Mückchen“ bereits den Abflug gemacht hat, braucht „Däumchen“ noch ein paar Tage Vollpension. Sie macht aber bereits erste Flugübungen im Wohnzimmer, sodass der Abschied in die Freiheit bevorsteht.

Für Isabelle Winter ist es ein gutes Gefühl, wenn sie ein Tier durchgebracht hat. Fledermäuse sind streng geschützt und werden – je nach Art – bis zu 30 Jahre alt. „Wenn ich wie jetzt zwei weibliche Tiere rette, können diese viele neue Fledermäuse zur Welt bringen.“

Kontakt per E-Mail: fledermausks@gmx.de

Darauf sollten Fledermaus-Finder achten – Tollwut möglich

Wer eine verletzte oder unausgewachsene Fledermaus findet, der sollte einiges beachten. „Wenn das Tier entkräftet ist, muss es schnell Futter bekommen“, sagt Winter. Ansonsten solle es – wenn möglich – zunächst an der Stelle belassen werden, wo es gefunden wurde. So sei die Chance gewahrt, dass die Mutter es findet. Taucht die Mutter nicht auf, so könne das Tier vorsichtig in eine Kiste oder Mini-Terrarium gelegt werden. 

Mit Tüchern lassen sich Hohlräume oder Spalten schaffen, in denen sich die Tiere verkriechen können. Zudem sollten sie die Möglichkeit haben, sich irgendwo dranzuhängen. Achtung: Fledermäuse können beißen. In seltenen Fällen übertragen sie Tollwut. Dann ist eine nachträgliche Impfung notwendig. Wer jede Gefahr ausschließen will, sollte die Tiere nicht mit der bloßen Hand anfassen, sondern dicke Handschuhe oder eine Schaufel benutzen.

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