Übungen mit dem Treppentrainer

Behinderten-Sportgemeinschaft Kassel: Auch Rollifahren will gelernt sein

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Bruce Kindler (links) kann’s: Fürs Foto demonstriert er, angeleitet von Guido Neuser, wie der multifunktionale Treppentrainer idealerweise genutzt wird.

Nicht jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich langsam und mit der Zeit an den Gebrauch von Mobilitätshilfen wie Rollstühle, Rollatoren oder Gehhilfen zu gewöhnen.

Häufig kommen Beeinträchtigungen und Unfälle unerwartet und stellen die Menschen ohne Vorbereitung vor die Herausforderung, sich im Rollstuhl bewegen zu müssen. Aber es kann trainiert werden. Die Behinderten-Sportgemeinschaft Kassel bietet ein Training an.

Bruce Kindler ist in seinem Rollstuhl ein wahrer Akrobat. Wendig, schnell, geschickt und unglaublich sicher bewegt er sich in seinem Gefährt über die Treppenstufen und Steigungen des in der Sporthalle aufgebauten Treppentrainers. Seit 26 Jahren ist der 38-Jährige Mitglied in der Kasseler Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) und frönt hier seinem Lieblingssport, dem Rollstuhl-Volleyball. Jahrzehnte langes Training wirkt sich aus: In seinem Rollstuhl kennt Bruce keine Angst.

Aber das ist nicht selbstverständlich. Nicht jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich langsam an den Gebrauch von Mobilitätshilfen wie Rollstühle, Rollatoren oder Gehhilfen zu gewöhnen. Häufig kommen Beeinträchtigungen und Unfälle unerwartet und stellen die Menschen ohne Vorbereitung vor die Herausforderung, sich im Rollstuhl bewegen zu müssen.

Trainingsgerät ist Prototyp

Aber es kann trainiert werden. Guido Neuser, ebenso wie Bruce Kindler Mitglied im BSG-Volleyball-Team, hat einen mobilen Treppentrainer entwickelt und gebaut. Mit diesem multifunktionalen Therapiegerät ist es möglich, unter Aufsicht und angeleitet den Umgang mit dem Rollstuhl, dem Rollator, mit Orthesen, Prothesen, Gehwagen und sonstigen Gehilfen zu trainieren und gut zu erlernen. 

Kaum zu glauben, dass dieses praktische Trainingsgerät von dem erfinderischen Tischler Neuser, der sich als „Allrounder“ bezeichnet, erst erfunden werden musste und ein Prototyp ist. Eine kleine Serie von TÜV-geprüften Treppentrainern, die einfach zu einem transportablen Koffer zusammengefaltet werden können, hat Neuser bereits aufgelegt.

Ein Exemplar ist im Besitz der BSG, und seine Anschaffung wurde jüngst vom Sozialdezernat der Stadt mit dem Preis „Modellregion Inklusion – Ein sportlich bewegtes Kassel für alle“ honoriert.

„Es ist wichtig, dass Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, trainieren, um sicher zu werden und mögliche Ängste zu verlieren“, sagt Neuser. Auch Harald Nauck, Übungsleiter beim BSG, ist begeistert: „Man kann einen Parcours aufbauen und das Ganze sportlich nutzen.“ Bruce Kindler sagt: „Das ist eine geniale Sache.“ Viele Menschen im Rollstuhl müssten bestimmte Bewegungsabläufe erst in Ruhe und unter Anleitung trainieren, bevor sie sich auf die Straße begeben.

Der Treppentrainer besteht aus zwei miteinander verbundenen Komponenten, Rampe und Podest mit ausziehbaren Stufen. Außerdem gibt es einen Handlauf. „Der Treppentrainer soll helfen, den Umgang mit Hilfsmitteln wie einem Rollstuhl optimal zu trainieren und zu erlernen, Sicherheit in der Fortbewegung zu erlangen.“ Auch das Training mit einem Menschen, der den Rollstuhl schiebt, sei wichtig trage zur Vertrauensbildung bei, sagt Neuser.

Termin

Die Behindertensport-Gemeinschaft Kassel lädt für Samstag, 24. August, 10 bis 18 Uhr, zum Tag der Offenen Tür und Sommerfest auf ihr Gelände Waldauer Fußweg 100 (Nähe Seglergastaststätte auf dem Buga-Gelände) ein. Die Gäste können nicht nur die Sport-Angebote wie Basketball und Blasrohrschießen in Augenschein nehmen, sondern auch den Treppentrainer ausprobieren. Der Verein zählt 160 Mitglieder und hat ein großes zertifiziertes Reha-Sport-Angebot, das auch Nicht-Mitgliedern offensteht.

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