Bronzefiguren sind bis heute erhalten

Bücherwurmbrunnen soll wieder aufgebaut werden

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Wechselvolle Geschichte: Das historische Foto zeigt den Bücherwurmbrunnen in der Vorkriegszeit.

Kassel. Der Bücherwurmbrunnen war bei den Kasselern sehr beliebt - bis er den Kriegswirren zum Opfer fiel. Nun könnte das Bauwerk wieder auferstehen. 

Nächstes Jahr ist es 100 Jahre her, dass der Kasseler Bücherwurm vor der Murhardschen Bibliothek am Brüder-Grimm-Platz das Schmökern begann. Die Bronzefigur war Höhepunkt eines bei den Kasselern beliebten Brunnens, der den Kriegswirren und Schrottsammlern zum Opfer fiel.

Doch bis heute sind fast alle Figuren des Brunnens – allen voran der Bücherwurm – erhalten. Dies weckte bei Martin Reymer, dem Leiter der Murhardschen Bibliothek, unlängst den Wunsch, den Brunnen zu rekonstruieren.

Am 7. Oktober 1909 wurde der Brunnen am damaligen Haupteingang der Murhardschen Bibliothek eingeweiht. Heute wird das zur Weinbergstraße gelegene Zugangsportal als Personaleingang genutzt. Schöpfer des Brunnens war der Kasseler Kunstakademie-Professor Dr. Carl Bernewitz.

In der Mitte des Brunnenbeckens stand ein Granitsockel, auf dem eine Säule emporragte. Oben auf der Säule stand der Bücherwurm. Die Figur stellt einen über seine Lektüre gebückten Bücherliebhaber in Rokokotracht dar. Neben der Hauptfigur zierten weitere Bronzefiguren das Marmorbecken. Darunter vier Marabus, zwei wasserspeiende Pelikane und zwei Affenpaare.

Dass die menschlich-tierische Brunnen-WG beliebt beim Volk war, konnte man seinerzeit daran erkennen, dass die Figuren abgegriffen waren. An den Stellen, wo sie besonders häufig von den Kasselern getätschelt wurden, glänzten sie ganz besonders, wie Zeitgenossen berichten.

Aktuell steht der Bücherwurm im Eingangsbereich der Murhardschen Bibliothek.

Sowohl der Bücherwurm wie auch einige der Tierfiguren sind bis heute erhalten. Die Tiere standen bis zum Start der Sanierung der Landes- und Murhardschen Bibliothek jahrzehntelang im dortigen Treppenhaus.

Inzwischen wurden sie zum Schutz vor den Arbeiten im Stadtmuseum eingelagert. Der MHK gehören die Bronzeobjekte, sie hat sie aber als Leihgabe zur Verfügung gestellt.

Dass die Bronzefiguren noch existieren, ist einem Zufall zu verdanken. Im Zweiten Weltkrieg sollten sie zu Rüstungszwecken eingeschmolzen werden und wurden deshalb am Brunnen abgebaut. Dass sie ihrem Schicksal entgingen, ist einem städtischen Mitarbeiter zu verdanken. Dieser entdeckte den Bücherwurm sowie neun der einst zwölf Tierfiguren 1950 auf einem Hamburger Schrottplatz und brachte sie zurück nach Kassel.

„Mein Wunsch wäre es, eine Spendenaktion ins Leben zu rufen, um den Brunnen wieder aufzubauen“, sagt Biblitoheksleiter Reymer. Zunächst müsse aber die Sanierung der Bibliothek abgeschlossen sein, die noch mindestens bis Mitte 2020 laufe.

Noch mehr Informationen über den Bücherwurm gibt es hier im Regiowiki.

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