35 Fahrzeuge vom Lieferwagen bis Dreiachser-Militärlaster

Besucher bestaunten auf Henschel-Oldtimer-Schau die Fahrzeug-Legende aus Kassel

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Alte Liebe rostet nicht: Holger Kaiser vor seinem Henschel-Kipper. Im Fahrerhaus steht Claudia Pitthan, die Kaiser mit dem Henschel-Virus infiziert hat. Sie hat ebenfalls den Lkw-Führerschein und zeigte ihren eigenen Henschel-Lkw (rechts) auf der Oldie-Schau. 

Kassel. „Er läuft und läuft und läuft….“. Das war mal ein Werbeslogan für den VW Käfer, das legendäre Erfolgsmodell aus Wolfsburg. Doch es gibt noch eine weitere Fahrzeug-Legende, die in Kassel geschrieben wurde:

Das konnten die Besucher auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Henschel an der Wolfhager Straße am Wochenende besichtigen: 35 Nutzfahrzeug-Oldtimer, vom kompakten Lieferwagen, über knallrote Löschfahrzeuge von anno dazumal und einem Dreiachser-Militärlaster bis zum mächtigen Lkw-Boliden, standen am Sonntag auf dem Freigelände und zeugten von der 100 Jahre währenden Erfolgsgeschichte des Henschel-Fahrzeugbaus, die 1971 endete.

Endete? Die Erfolgsgeschichte geht weiter. Jedenfalls für die Oldtimer-Fans der Nutzfahrzeuge-Veteranen-Gemeinschaft Henschel, die diese Schau, die mit einem Korso der alten Schätzchen durch Kassel begann, zusammen mit dem Henschelmuseum und dem Technikmuseum organisiert hat. Denn alle Lkw aus der Kasseler Fahrzeugschmiede tun auch nach weit über 60 Jahren noch ihren Dienst. Zuverlässig, robust und leicht zu reparieren seien die Henschel-Lkw, sagt Holger Kaiser. Der Lohfeldener nennt einen bulligen Henschel-Kipper-Lkw sein eigen und hat selbst eine Garage für das gute Stück gebaut. Kaiser ist auch beruflich als Kipper-Fahrer unterwegs. „Ich habe immer Dreck gefahren“, sagt er. Vor Jahren entdeckte er auf einem Schrottplatz einen alten Kipper-Lkw auf dem Schrottplatz. „Der Motor war noch ok“, berichtet Kaiser. Er schweißte ein paar Quadratmeter Blech in die Rostlöcher, überholte den Motor und setzte auch die Kippmulde instand. „Das hat allein zehn Jahre gedauert.“

Als der Kipper restauriert war, fuhr Kaiser mit einem Sohn zum Camping. „Obwohl ich zwei Plätze für den Kipper mieten wollte, haben die gesagt: Das geht gar nicht“, erzählt der Lohfeldener. Nur zum Duschen durften Vater und Sohn auf den Platz. Die Ausflüge bedeuten für den Lohfeldener nicht nur Spaß, sondern auch harte Arbeit: Der Lkw hat nur eine schwache Lenkunterstützung und benötigt Zwischengas, weil das Getriebe nicht synchronisiert ist.

Ein Campingfreund ist auch Uwe Schäfer aus Espenau. Er hat einen riesigen Henschel-Umzugswagen von 1966, der bei der Kasseler Umzugsfirma Hartleb Dienst tat, zu einem Wohnmobil mit großer Küchenzeile, luxuriösem Bade- und Wohnzimmer umgebaut. Mit seiner Frau sei er in acht Stunden in den Urlaub in die Schweiz gefahren, erzählt Schäfer, der bei Henschel Maschinenschlosser gelernt und 22 Jahre für die Firma gearbeitet hat. Nun schafft er im Werk von Mercedes-Benz, das ebenfalls einen Henschel-Oldie zur Schau beisteuerte. „Ein Henschel-Lkw ist unkaputtbar“, versichert der Espenauer.

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