Bauwerk trotze allen Kriegen

Bewegte Geschichte des Rondells am Fuldaufer

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Blick ins Innere: Hinter neun Meter dicken Wänden befindet sich das Kuppelgewölbe im Rondell. Udo Posch vom Verein Bastion Kunst darf bei dessen Kulturveranstaltungen die Gäste aus Sicherheitsgründen nur in den Käfig gehen lassen.

Kassel. Vom Bollwerk, das einst die Stadt und das Kasseler Residenzschloss umgab, ist so gut wie nichts mehr zu sehen. Was sich im Inneren des ehemaligen Geschützturms befindet, wissen aber die wenigsten.

1945: Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg blieb das Rondell (links) erhalten. Rechts ist das zerstörte Kanzleigebäude des Renthofareals zu sehen.

Das 1523 erbaute Rondell an der Fulda ist das letzte Überbleibsel der Festungsanlage. In den Sommermonaten wird die Fläche auf dem Rondell von Hunderten Kasselern als Biergarten genutzt.

1882 gebaut: Das preußische Regierungs- und Justizgebäude entstand, nachdem das alte Schloss abgebrannt war und Pläne für den Neubau einer gigantischen „Chattenburg“ beerdigt wurden. Im Vordergrund das Rondell.

Denn nur gelegentlich wird der Bau für Kulturveranstaltungen des Vereins Bastion Kunst geöffnet, der die Anlage des Landes nutzt. Zu diesen Anlässen dürfen jeweils nur wenige Besucher von einem Metallkäfig aus das historische Kuppelgewölbe bewundern. Weil ein Fluchtweg fehlt, ist es für die Kasseler nicht möglich, das Bauwerk weitergehend zu erkunden.

Dabei gibt es im Inneren durchaus einiges zu entdecken. So zweigt vom Kuppelraum ein Gang ab, der einst zum 1811 abgebrannten Landgrafenschloss führte, an dessen Stelle sich heute das Regierungspräsidium (RP) befindet. Dieser Gang war seinerzeit der Hauptzugang ins Rondell. Erst seit den 1930er-Jahren gibt es eine Tür an der Außenmauer.

Der Gewölbegang führt heute nur noch etwa 70 Meter weit, dann ist Schluss. Im Zweiten Weltkrieg, als an der Stelle des ehemaligen Schlosses das preußische Regierungs- und Justizgebäude stand, war das unterirdische Bauwerk eingestürzt. Eine Instandsetzung ist unmöglich.

2016: An der Stelle des preußischen Regierungsgebäudes steht seit 1960 das Regierungspräsidium. Foto: Ludwig

Neben dem Gang zweigt vom Kuppelgewölbe noch eine kleine Pulverkammer ab. Zudem gibt es im oberen Bereich des Rondells einen umlaufenden Wehrgang, von dem aus die Schießscharten genutzt werden konnten. Der Wehrgang ist ebenfalls nicht mehr zugänglich. Ein Schacht in der Kuppelmitte diente als Abzug für die Pulvergase. Auch ein kleiner Brunnen ist im Gewölbe erhalten.

Das Rondell ist eines von drei Rondellen, die einst das Schloss umgaben. Die anderen sind nicht erhalten.

Neben seiner Nutzung als Verteidigungsanlage, soll das bis heute bestehende Rondell auch als Folterkammer genutzt worden sein. So beschrieb es ein Kasseler Märchen- und Sagenforscher in den 1920er-Jahren. Dieser schrieb vom Folterinstrument der „Eisernen Jungfrau“ – diese Maschine soll mit Messern versehen gewesen sein und den zum Tode Verurteilten in einer tödlichen Umarmung umklammert haben. Ob dies Legenden sind oder es im Rondell tatsächlich Folteranlagen gab, ist nicht überliefert.

In der Nachkriegszeit gab es im Rondell zunächst noch einen improvisierten Weinausschank. Seit den 60er-Jahren war es verschlossen, bis sich im Jahr 2000 der Verein Bastion Kunst für die Wiedereröffnung erfolgreich einsetzte.

Bauwerk in Zahlen

Das Rondell ist ein robuster Bau, wie diese Zahlen belegen. Vermutlich hat er auch deshalb die Jahrhunderte überdauert.

3,45 Meter tief ist der Brunnen, der sich im Rondell befindet.

9 Meter dick sind die Außenwände des Rondells. Auch der Durchmesser der Kuppelhalle liegt bei neun Metern.

15 Meter hoch ist das Bauwerk an der Fulda, auf dem im Sommer der Biergarten thront.

28 Meter beträgt der Gesamtdurchmesser des Rondells, an das sich eine Mauer anschließt.

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