Aktion auf der Kasseler Königsstraße

Blutiger Protest: Aktivisten forderten Schließung aller Schlachthäuser

Blutige Performance auf dem Königsplatz: Sandra Neth lag auf einem Grill. Die Aktivisten Marcel Hunsinger (links) Ines Werner und Rafael Peich hatten sich als Schlachter verkleidet und boten dem Publikum Menschenfleisch an. Foto:  Fischer

Kassel. Es war eine blutige Performance: „Probiert unser leckeres Menschfleisch, die Grillsaison ist eröffnet“, rief Ines Werner den Menschen auf dem Königsplatz zu.

Die Tierrechtlerin aus Kassel hatte sich - wie zwei weitere Aktivisten - als Schlachterin verkleidet. Ihre Schürze und Arme waren voller Theaterblut. Zuvor war Sandra Neth, deren ganzer Körper mit künstlichem Blut geschminkt worden war, auf einen Grill gelegt worden. Die Schlachter zückten ihre Dolche, Säbel und Messer und taten so, als ob sie die junge Frau zerlegen wollten.

Diese Vorführung war ein Bestandteil der Kundgebung gegen Massentierhaltung, zu der die Tierrechtsorganisation Animal Right Watch (Ariwa) am Samstag weltweit aufgerufen hatte. Zu den Veranstaltern in Kassel gehört Johanna Leng. Die Kundgebung sei für alle Menschen gedacht, für Veganer, Vegetarier und Fleischesser. „Wir wollen aufklären. In Deutschland werden pro Jahr 800 Millionen Tiere in Schlachthäusern getötet“, sagte Leng. Die Tierrechtler fordern neben dem Ausstieg aus der Nutztierhaltung auch die Schließung aller Schlachthäuser. „Wir wollen ein Ende der unnötigen Gewalt, die im Schlachthaus ihren Höhepunkt erreicht“, sagte Leng.

Blutiger Protest gegen Massentierhaltung

Zudem fordern die Aktivisten, dass die Politik pflanzliche Alternativen zum bioveganen Landbau fördern soll. Zudem müssten die Subventionen für Fleisch- und Milchbauern abgeschafft werden, damit vegane Anbieter zumindest die gleichen Chancen hätten.

60 bis 80 Kilogramm Fleisch esse ein zivilisierter Mensch pro Jahr. Ein Deutscher verspeise in seinem gesamten Leben im Schnitt 1096 Tiere, sagte Dr. Ewald Rumpf, Professor für Psychologie an der Universität Kassel. Dabei sei der Mensch von Natur aus gar kein Fleischesser. Deshalb sei Fleisch auch so ungesund. Fast alle zivilisatorischen Krankheiten, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Rheuma, Gicht und Bandscheibenbeschwerden, würden durch Fleischkonsum verursacht, sagte Rumpf.

Zudem sei Fleisch aus der Massentierhaltung mit Medikamenten wie Antibiotika verseucht. Kein einziges Tier sei in den kleinen, stinkigen Ställen gesund. Er sprach von Schweinen, die in ihrem eigenen Kot liegen, von Hühnern, die auf einer Fläche in Größe eines DINA 4-Blattes gehalten werden. „Das ist alles so schrecklich“, sagte Rumpf.

Ökologische Probleme

Darüber hinaus bereite die Massentierhaltung massive ökologische Probleme, so Rumpf. Ein Drittel der Luftverschmutzung werde durch die Ausscheidung von Methangas durch Kühe verursacht. Durch den Urin der Tiere werde der Boden stark vergiftet. Zudem koste die Herstellung von Fleisch das siebenfache von der Herstellung für Gemüse.

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