Video zur Evakuierung

Bombenfund legt Kassels Innenstadt lahm - Protokoll eines ungewöhnlichen Tages

Kassel. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Blindgänger im Kasseler Stadtgebiet gefunden wird. Allerdings ist das Ausmaß dieses Mal größer. 

Am Mittwochabend wurde in Kassel eine Fliegerbombe entschärft, 1500 Menschen wurden aus dem Stadtgebiet evakuiert. Geschäfte mussten schließen, lange wurde gewartet. Der Tag im Protokoll:

11.30 Uhr: Bei Bauarbeiten auf dem Gelände der Evangelischen Bank ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Die Polizei sperrt die Fünffensterstraße zwischen Oberer Königsstraße und Ständeplatz. Autos und Fußgänger müssen ausweichen. Im Königstor stauen sich die Fahrzeuge. Auch die Bahnen stehen vorerst still. Auf den Anzeigetafeln ist bereits zu lesen, dass es zu massiven Behinderungen in der Innenstadt kommen wird.

12.15 Uhr: Eine Frau steht irritiert vor der Absperrung. Sie hat kurzfristig einen Augenarzttermin bekommen. Sie kann nicht verstehen, dass die Polizei sie an der Garde-du-Corps-Straße jetzt nicht eben schnell noch durchlassen kann: „Jetzt hat man mal endlich einen Termin und dann sowas.“

„Tut uns leid, wir haben uns das auch nicht ausgesucht“, sagen die Beamten. „Hier geht es heute auf jeden Fall nicht mehr durch.“

12.45 Uhr: Thomas Tietz ist Mitarbeiter vom Coworkingspace „Work Oase Kassel“. Von Kollegen, die in der Innenstadt zum Mittagessen waren, hat er vom Bombenfund erfahren. Sie könnten jetzt nicht zurück in die Bürogemeinschaft, berichtet Tietz. Dort sei aber noch niemand gewesen und habe ihnen gesagt, dass sie die Räume verlassen müssten. „Es findet gerade eine größere Veranstaltung statt“, sagt Tietz. Die Teilnehmer kämen aus ganz Deutschland. Ihre Autos stünden größtenteils im Parkhaus, das ebenfalls abgesperrt ist.

13 Uhr: Viele nutzen das gute Wetter, um ihre Mittagspause draußen zu verbringen. Vor der Maya Coba Bar sitzen Menschen und genießen den Spätsommertag.

Keine 50 Meter vom Fundort des Blindgängers geht der Alltag seinen gewohnten Gang. Auch in der Innenstadt ist von den Sperrungen nur wenig zu merken. Hier wird weiter eingekauft.

Filmbetrieb eingestellt: Linh Nguyen schließt um 18 Uhr die Tür des Cineplex Capitol.

16 Uhr: Die Kinos Cineplex und Cinestar stellen ihren Filmbetrieb ein. „Wir zeigen nur noch die Vorstellungen, die um 15 Uhr begonnen haben. Alles andere entfällt. Um 18 Uhr schließen wir“, sagt Linh Nguyen, Teamleiterin im Cineplex. Sie zeigt jedoch Verständnis und ist zuversichtlich: „Morgen geht es hoffentlich normal weiter.“

Ersten Restaurants schließen: Kellerin Andreina van Damme räumt den Außenbereich des Kokotaos ab

16.15 Uhr: Direkt neben dem Cineplex: Andreina van Damme, Kellnerin des Kokotaos, räumt Decken und Speisekarten von den Tischen ab und klappt die Sonnenschirme zusammen. „Bis 19 Uhr muss hier alles dicht sein“, sagt sie. Auch im Maya Coba verlassen die letzten Gäste die Tische, zwei weitere können nicht mehr Platz nehmen. „Wir müssen leider wegen der Bombe schließen“, sagt eine Kellnerin.

Geschlossen: Viele Geschäfte haben bereits am Nachmittag wegen der bevorstehenden Evakuierung geschlossen.

16.50 Uhr: Es wird ruhiger in der Wilhelmsstraße: Weniger Menschen sind unterwegs, die ersten Geschäfte sind geschlossen. „Wegen des Bombenalarms geschlossen“, steht auf einem Zettel an der Tür des Elektrofachgeschäfts Sound Brother in der Wolfsschlucht. Auch die Galeria Kaufhof schließt um 17.30 Uhr, wie eine Mitarbeiterin erklärt: „So bleibt noch Zeit für Abrechnungen, und die Kollegen kommen trotzdem noch rechtzeitig nach Hause.“ Wenige Meter weiter ist von der anstehenden Evakuierung jedoch noch nichts zu spüren: Menschen trinken im Alex noch ihren Kaffee, essen ihre Burger. „Wir wurden noch nicht von Feuerwehr oder Polizei dazu aufgefordert, das Restaurant zu räumen“, sagt Schichtleiter Mike Trobisch. „Falls doch, sind wir aber vorbereitet.“

18.15 Uhr: Noch relativ entspannt essen einige Gäste des Café Alex auf der Außenterrasse – ein Schild weist darauf hin, dass um 18.30 Uhr geschlossen wird. Hektik? Fehlanzeige.

18.30 Uhr: 300 Einsatzkräfte haben sich mittlerweile an der Joseph-Beuys-Straße hinter dem Kulturbahnhof gesammelt. Für die Beamten heißt es jetzt: Lageplanung. In etwas mehr als einer Stunde soll mit der Entschärfung der Bombe begonnen werden. „Wenn alles klappt“, sagt Ralf Krawinkel, Pressesprecher der Feuerwehr.

19 Uhr: Die Obere Königstraße in Höhe des Kaufhofs wird abgesperrt. Viele genießen den lauen Sommerabend noch auf dem Friedrichsplatz und verfolgen das Treiben.

21 Uhr: Etwa 60 Menschen haben sich mittlerweile in der documenta-Halle zusammengefunden. Sie mussten aus ihren Wohnungen. Die ehrenamtlichen Helfer schmieren derweil fleißig Brötchen. Die Entschärfung der Bombe hat vor 15 Minuten begonnen. Wann sie abgeschlossen sein wird, ist noch nicht absehbar.

22.45 Uhr: 210 Menschen sind in den zwei Betreuungsstellen. Sie warten wie alle Kasseler auf die erlösende Nachricht.

23 Uhr: Die Entschärfung der Fliegerbombe läuft, niemand kann sagen, wie lange es noch dauern wird.

23.47 Uhr: Die Bombe ist entschärft, die Gefahr ist vorüber.

Blindgänger auf Baustelle am Kasseler Ständeplatz gefunden

Blindgänger auf Baustelle am Ständeplatz gefunden
 © Wenzel
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 © Andreas Fischer
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