Händler sind darüber gespalten

Bürgerbegehren fordert Königsstraße ohne Trams

Umbau steht bevor: Die Königsstraße soll ab Sommer neu gestaltet werden. Die Arbeiten beginnen aber auf dem Abschnitt zwischen Königsplatz und Stern. Zuvor ist ein Bürgerbegehren zur Herausnahme der Straßenbahnen und Regiotrams geplant. Archivfoto: Koch

Kassel. Seit Jahrzehnten ist in Kassel immer wieder darüber diskutiert worden, ob die Bahnen weiter über die Königsstraße fahren oder besser um die Fußgängerzone herumgeführt werden sollten. Eigentlich galt die Debatte als beendet. Eigentlich.

Denn nun erneuern die Fraktion Freie Wähler / Demokratie mit der Ankündigung eines Bürgerbegehrens für die Herausnahme der Bahnen einen neuen Stein ins Wasser geworfen. Die Kasseler Innenstadthändler sind über diese Frage weiter gespalten.

Im Frühjahr sollen die Bürger darüber abstimmen können, ob sie eine tramfreie Königsstraße wollen. Damit soll vor dem im Sommer startenden Umbau der Königsstraße ein Bürgervotum eingeholt werden.

„Zu viele Linien in City“

Petra Feist-Dietrich, Sprecherin der City-Kaufleute, macht deutlich, dass auch die Geschäftsleute uneins sind. Das Anliegen, die Bürger zu befragen, befürwortet sie. „Die Haltung der Händler ist ambivalent. Wir haben vor Jahren dafür gestritten, dass die Bahnen in einem Ring um die Innenstadt geführt werden. Es gibt aber etliche Kollegen, die fürchten, dass das für die Besucherfrequenz nachteilig wäre“, sagt Feist-Dietrich.

Aus ihrer Sicht würden es viele Händler begrüßen, wenn zumindest die Dichte des Straßenbahnverkehrs auf der Königsstraße reduziert werde. Mit einem solchen Kompromiss lasse sich die Aufenthaltsqualität steigern.

Martina Pape vom Einzelhändler-Verein Quartier Wilhelmsstraße ist ebenfalls für Bürgerbeteiligung in der Frage. Auch sie findet, dass zu viele Linien über die Königsstraße führen. Um auch den Bedürfnissen gehbehinderter Menschen gerecht zu werden, sei es aber falsch, die Bahnen komplett herauszunehmen.

Bahnen seit über 100 Jahren auf der Königsstraße: Hier ein Foto aus 1904. Blick von Höhe Friedrichsplatz in Richtung Rathaus und Landesmuseum. Archivfoto: nh

Sabine-Amelie Alt, Leiterin von Sinn-Leffers, will auf die Bahnen vor ihrer Tür nicht verzichten. Diese gewährleisteten eine gute Erreichbarkeit. Zudem glaubt Alt, dass es für eine grundsätzliche Änderung der Situation zu spät ist und diese zu teuer würde. Die Planungen für den Umbau seien zu weit gediehen und das städtische Budget zu klein, um eine vernünftige Alternative zu realisieren.

„An ältere Menschen denken“

Dies sieht auch Kaufhof-Chefin Brigitte Kritzner so. Sie ist für einen Verbleib der Bahnen. „Andernfalls würde man Kunden mit Handicap einen Bärendienst erweisen. Für diese ist jeder zusätzliche Schritt einer zu viel“, sagt Kritzner. Die Gesellschaft werde älter und damit auch die Kunden.

Gerhard Jochinger, Betreiber der Königs-Galerie und Vorsitzender der City-Kaufleute, ist Befürworter der straßenbahnfreien Flaniermeile. „Ich bin aber Realist genug, um zu wissen, dass das Thema niemand mehr ernsthaft anfassen wird. Daran ändert auch ein Bürgerbegehren nichts“, sagt Jochinger. Zur Jahrtausendwende, als die Regiotram geplant wurde, sei eine historische Chance vertan worden. Damals habe sich die Stadt gegen eine Fußgängerzone ohne Gleise entschieden.

Das sagt die KVG

„Weniger Fahrgäste wären die Folge“

„Die Bahnen in der Königsstraße werden gebraucht. Das zeigt deren hohe Auslastung. Wir würden eine Herausnahme sehr bedauern und gehen davon aus, dass dies sinkende Fahrgastzahlen zur Folge hätte“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. Seit dem Jahr 1877 verkehrten Straßenbahnen in der Königsstraße. Eine dauerhafte Sperrung für den Straßenbahnverkehr hätte „fatale Konsequenzen“, sagt Hamdad. Denn dann müssten alle Bahnen über den Ständeplatz und Scheidemannplatz umgeleitet werden, was für eine Überlastung dieser Strecke und erhebliche Behinderungen sorgen werde. „Davon wäre dann auch der Autoverkehr betroffen“, so die KVG-Sprecherin. Denn wenn alle Bahnen um die Innenstadt herumfahren, habe dies zwangsläufig Auswirkungen auf die Rotphasen der Autofahrer. Eine weitere Ausweichstrecke für die Trams sei dann unerlässlich. Eine solche sei aber mit hohen Investitionen verbunden. Zudem sei ein Rückbau der Straßenbahnschienen in der Königsstraße kostspielig. Auch die von einigen Händlern geforderte Ausdünnung der Verbindungen in der Königsstraße ist aus Sicht der KVG nachteilig. Denn die Straßenbahnen und insbesondere auch die Regiotrams seien attraktiv, weil sie die Menschen bis ins Zentrum bringen.

Von Bastian Ludwig

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