Gebäude hält viele Geheimnisse bereit

Riesentresor und Atombunker: Blick in die alte Bundesbankfiliale

Kassel. Es war einst das am besten gesicherte und bewachte Gebäude in Kassel: die ehemalige Bundesbankfiliale am Ständeplatz. Wir warfen einen Blick hinter die Mauern der ehemaligen Bank, die 2012 ihre Türen geschlossen hat.

Am Ständeplatz war über Jahrzehnte das Geld zu Hause. In der ehemaligen Landeszentralbank lagerten seit 1951 Hunderte Millionen D-Mark und später Euro. 2012 wurde die Filiale der Bundesbank geschlossen. Wir lüften ihre Geheimnisse.

In den Archiven der HNA haben sich über die Jahrzehnte unzählige Fotos aus den prominenten Kasseler Gebäuden angehäuft. Nur aus einem Haus gibt es so gut wie keine Aufnahmen: Der ehemaligen Landeszentralbank. Das Innere der Kasseler Filiale der Bundesbank war aus gutem Grund über Jahrzehnte ein gut gehütetes Geheimnis. Denn hier lagerten viele Millionen.

Die antiquiert wirkende Videoüberwachung an einer Sicherheitsschleuse. Fotos: Ludwig, Stadtarchiv, Eberth

Nachdem die Bundesbank das Gebäude 2012 aufgegeben hatte und mit der Netcom seit 2016 ein neuer Mieter eingezogen ist, sind die einstigen Hochsicherheitsbereiche zugänglich. Wir waren vor Ort und stellten fest, dass erstaunlich viel der einstigen Bankeneinrichtung erhalten ist. Das muss auch so bleiben, denn die Landeszentralbank ist ein Einzelkulturdenkmal.

Die Kundenhalle

Wie viel Geld in der Bundesbank unterwegs war, ist schon in der mondänen Kundenhalle abzulesen. So großzügig und hochwertig würde heutzutage wohl keine Bank mehr bauen.

Einblicke in ehemalige Bundesbank: Die Kundenhalle mit Netcom-Sprecherin Jutta Schill.

Viel weiter konnten die Privatkunden seinerzeit nicht in die Bank vordringen. Unter den großformatigen Wandgemälden des Künstlers Albert Cüppers tauschten die Kasseler an den bis heute erhaltenen Schaltern beispielsweise ihre Fremdwährungen wieder in D-Mark zurück. Hinter den Schaltern sitzen heute aber keine Bankangestellten mehr, sondern die Mitarbeiter der Netzwarte der Netcom. Sie dürfen sich hinter dem schusssicheren Glas sicher fühlen.

Der Tresorraum

Nach mehreren Sicherheitsschleusen gelangte man in das Herzstück der Landeszentralbank: Den Tresorraum. Er existiert bis heute und ist durch anderthalb Meter dicke Stahltüren und ebenso dicke Betonwände gesichert. Zudem ist der 320 Quadratmeter große Tresorraum, der sich über zwei Etagen erstreckt, ein Bau im Bau. Das heißt, er ist komplett vom restlichen Gebäude abgeschirmt. In dem schmalen Zwischenraum zwischen den angrenzenden Räumen und Tresor befindet sich noch heute ein Stahlgitter – dieses stand seinerzeit unter Strom.

Vor dem Auszug der Bundesbank hat diese die Technik der Tresortüren ebenso demontiert wie die Überwachungsanlage. Niemand sollte nachvollziehen können, wie diese funktioniert. Beim Einzug der Netcom wurden Beschädigungen auf dem Betonboden vor dem Tresorraum beseitigt. „Diese sind durch das immense Gewicht des Hartgeldes entstanden“, sagt Jutta Schill, Sprecherin der Netcom.

Wie viel Geld und Gold in Spitzenzeiten in der Bank lagerten, dazu macht die Bundesbank auch heute keine Angaben. Für das Jahr 1988 liegen Zahlen vor: In diesem Jahr wurden von der Landeszentralbank Kassel bargeldlose Zahlungen im Wert von 186 Milliarden Mark abgewickelt. Hinzu kamen 4,8 Milliarden Mark, die in jenem Jahr bar ein- und ausgezahlt wurden.

Hier ein Bild aus der Bauzeit der Bank, noch ohne Anbau. Fotos: Ludwig, Stadtarchiv, Ebe rth

Schon 1951, kurz nach der Eröffnung der Bank, wurden von dieser allein 40 Millionen DM für die Gehaltszahlungen der Kasseler Bevölkerung verteilt, wie unsere Zeitung seinerzeit berichtete. Das Geld wurde damals noch von Geldboten in Aktentaschen transportiert. Bis zu 300 000 DM sollen in eine Tasche gepasst haben.

Heute dient der Tresorraum als Lager der Netcom. Statt Gold lagern hier Technik und Mobiliar. „Letztes Jahr fand im Tresor unsere Firmenweihnachtsfeier statt“, erzählt Netcom-Sprecherin Schill.

Unmittelbar über dem Tresor befinden sich drei Wohnungen. „Diese waren früher für die Direktoren der Bank bestimmt“, sagt Schill

Der Atombunker

Unter der Landeszentralbank erstreckt sich ein Atombunker, der 100 Menschen Platz bietet. So viele Arbeitsplätze bot die Bank, nachdem sie 1989 für 50 Mio. DM um einen Anbau erweitert wurde.

Der Schutzraum mit seinen massiven Schleusentüren ist bis heute funktionsfähig. So gibt es etwa eine Belüftungsanlage.

Der Geld-Schredder

In der ehemaligen Landeszentralbank befindet sich bis heute eine fast garagengroße Schreddermaschine. In dieser wurden alte Geldscheine geschreddert und zu Briketts gepresst. Noch heute liegen bis zur Unkenntlichkeit zerkleinerte Geldscheine in dem Gerät.

Hintergrund

Geschichte der Landeszentralbanken

Die Landeszentralbanken wurden ab 1948 gegründet und fungierten als selbstständige Notenbanken auf ihrem Hoheitsgebiet. Mit Gründung der Deutschen Bundesbank 1957 wurden sie mit der Bank deutscher Länder verschmolzen und zu Hauptverwaltungen der Deutschen Bundesbank. Mit einer Reform 2002 fiel der Name Landeszentralbank weg und die Banken wurden unselbstständige Untergliederungen der Bundesbank.

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