Staatsanwältin fordert Freiheitsstrafen

Camper-Prozess: Junkies sollen in Haft

Kassel. Ein Trio aus Drogenabhängigen soll den Besitzer eines Wohnwagen-Gespanns überfallen haben. Die Staatsanwältin fordert im Prozess nun Freiheitsstrafen.

Wegen versuchten schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung soll ein 28-jähriger Kasseler drei Jahre hinter Gitter; sein 33 Jahre alter Kumpane sogar drei Jahre und sechs Monate. Diese Strafen forderte Staatsanwältin Verena Bring im Prozess vor dem Landgericht gegen ein Trio aus Drogenabhängigen, das Mitte Dezember vergangenen Jahres den 52-jährigen Besitzer eines Wohnwagen-Gespannes überfallen haben soll.

Die 25 Jahre alte Frau, die ebenfalls in den Vorfall verwickelt gewesen sein soll, war bereits am Mittwoch aus der Haft entlassen worden. Seit Januar hatte sie im Frauengefängnis von Kaufungen eingesessen. Sie sei gegen den Überfall gewesen, habe sich auch nicht am Angriff auf den Mann beteiligt. Gleichwohl, so Bring, sei sie wegen unterlassener Hilfeleistung zu bestrafen. Die Staatsanwältin forderte für sie eine Geldstrafe von 75 Tagessätzen á fünf Euro.

Bernd Pfleging, Verteidiger der jungen Frau, hatte Freispruch für seine Mandantin gefordert. Benebelt von Drogen sei sie nicht in der Lage gewesen, Hilfe für den Überfallenen zu holen.

Das Trio hatte in der Tatnacht laut Anklage stundenlang einen Mix aus Alkohol, Kokain, Ecstasy, Methadon und Benzodiazepine konsumiert und war dann gegen Mitternacht aufgebrochen, „um Geld für neue Drogen zu machen“.

Auf dem Parkplatz des Aschoff-Getränkemarkts bemerkten sie den 52-Jährigen, der gerade sein Gespann startklar machte. Spontan machte der 33-Jährige den Vorschlag, den Mann auszurauben.

Von einem Sperrmüllhaufen klaubten sie ein Metallrohr und einen Kreuzschraubendreher auf und griffen den Mann von hinten an.

Nicht gerechnet hatten die Junkies mit der massiven Gegenwehr des Campers. Der streckte den gut 1,90 Meter großen und 130 Kilogramm schweren jüngeren Angreifer mit einem Faustschlag zu Boden, musste sich dann aber dem Angriff des anderen erwehren, der von hinten auf ihn einschlug und -stach.

Als sich der Jüngere hinter das Steuer des mit laufendem Motor da stehenden Pkw setzte, enterte der 52-Jährige von der Beifahrerseite aus den Wagen und prügelte den Junkie aus dem Auto. Er zog den Schlüssel ab, schüttelte den an seinem Rücken hängenden Mann ab, verriegelte das Auto und lief davon.

Die Polizei nahm wenig später den 28-Jährigen fest. Der andere wurde vier Tage später nach einem missglückten Schnapsdiebstahl festgenommen.

Beide Männer sind einschlägig vorbestraft, standen unter Bewährung und haben bereits mehrere Haftstrafen verbüßt. Anklägerin Bring sah daher die Gefahr weiterer Straftaten, sowie sie aus dem Gefängnis kommen. Wegen des Suchtdrucks und des enormen Drogenkonsums hatte sie verminderte Schuldfähigkeit angenommen und deshalb auf mildere Strafen plädiert.

Die beiden Verteidiger der männlichen Angeklagten wollen erst am letzten Verhandlungstag, dem kommenden Mittwoch, 9. November, plädieren. Beginn ist um 9 Uhr. Danach will Richter Stanoschek das Urteil verkünden.

Rubriklistenbild: © dpa

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