Teilen statt Kaufen 

Carsharing wird immer beliebter: Was steckt hinter dem Trend? 

2,1 Millionen Kunden zählt die Carsharing-Branche mittlerweile in Deutschland. 400.000 mehr als noch vor einem Jahr. Doch was steckt eigentlich hinter dem Trend?

Wie umweltfreundlich ist das geteilte Auto wirklich? Und wie erfolgreich ist Carsharing in Kassel? Wir haben mit Experten gesprochen.

Warum ist Carsharing so beliebt?

„Früher haben wir uns über unser Auto identifiziert“, sagt Helmut Holzapfel, Leiter des Zentrums für Mobilitätskultur in Kassel. Das Auto habe als Statussymbol ausgedient, meint der Verkehrswissenschaftler. „Für viele ist es nur noch ein Transportmittel.“ Volle Straßen, Parkplatznot und eine gute Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln verstärkten den Sinneswandel. „Wenn Carsharing hilft, diese Einstellung zu stabilisieren, ist das super“, so Holzapfel.

 Welche Carsharing-Konzepte gibt es?

Beim Carsharing wird allgemein zwischen dem stationsbasierten und dem stationsunabhängigen („free-floating“) unterschieden. Stationsbasiert bedeutet, dass die Fahrzeuge an einem zentralen Stellplatz in der Stadt abgeholt und auch wieder dorthin zurückgebracht werden müssen. Beim sogenannten „free-floating“ kann das Auto nach Benutzung an beliebiger Stelle im Stadtgebiet geparkt werden.

 Was macht Carsharing so umweltfreundlich?

Bei Carsharing-Fahrzeugen handelt es sich um moderne Autos mit einem vergleichsweise geringen CO2-Ausstoß. Auch ist der Anteil an Elektrofahrzeugen sehr viel höher als beim übrigen Pkw-Bestand. Doch das sei nur die eine Seite, meint Mobilitätsforscher Carsten Sommer. „Entscheidend ist, dass immer mehr Menschen auf einen eigenen Pkw verzichten beziehungsweise diesen sogar verkaufen, sobald sie Carsharing nutzen.“ Eine Studie des Bundesverbands Carsharing scheint das zu bestätigen: Ein Carsharing-Auto ersetze bis zu 20 private Pkw, heißt es darin.

 Wie erfolgreich ist Carsharing in Kassel?

Michael Schwab von der Stadt Kassel spricht von einem „guten Carsharing-Angebot“ in Kassel: „Es gibt hier zwei Carsharing-Anbieter (Stattauto und Scouter) mit stationsgebundenem Carsharing.“ In Sachen „free-floating“, also Carsharing ohne feste Abstellplätze, sei Kassel eher zurückhaltend, so Schwab. „Aktuell finden keine Gespräche mit potentiellen Betreibern statt“. Etwa 100 Carsharing-Fahrzeuge stehen aktuell auf Kassels Straßen. Im Vergleich zu den etwa 88 200 privaten Pkw erscheint das erst einmal recht wenig. Die vergangenen Jahre aber haben gezeigt: Aus dem Nischenprodukt wird auch in Kassel allmählich eine normale Dienstleistung. Am größten sei die Nachfrage im Vorderen Westen, sagt Thomas Großnann, Geschäftsführer des Carsharing-Unternehmens Scouter. „Hier haben wir die größte Einwohnerdichte – und dadurch ein massives Stellplatzproblem.“

 Ist Carsharing eine Konkurrenz für Bus und Bahn?

„Nein“, meint Carsten Sommer von der Universität Kassel. „Im Gegenteil. Carsharing ist die ideale Ergänzung zum ÖPNV.“ Das klassische, stationsbasierte Carsharing werde vor allem für Fahrten an Orte genutzt, die mit Bus, Bahn oder Fahrrad nur schwer zu erreichen sind. „So ist es auch nicht das Carsharing alleine, das so umweltfreundlich ist, sondern die Verknüpfung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad.“

Wie sieht die Zukunft des Carsharings aus?

Teilen ist im Trend. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern, meinen die Experten. „Das ist wie mit dem Pkw vor 50 Jahren“, sagt Carsten Sommer. „Man wächst da hinein. Wer jetzt mit 30 eintritt und zufrieden ist, wird das Angebot auch noch mit 50 nutzen.“ Thomas Großnann, Geschäftsführer des Carsharing-Anbieters Scouter, zeigt sich geduldig: „Viele behaupten, in fünf Jahren wird alles anders sein“, sagt Thomas Großnann. „Das glaube ich nicht. Der Trend geht hin zu alternativen Lösungen, ja. Allerdings dauert das alles seine Zeit und hängt auch davon ab, wie sich der öffentliche Nahverkehr entwickelt.“

Lesen Sie auch: Carsharing wächst in Kassel: Anbieter Scouter rüstet seine Flotte auf

Archivfotos: Marcus Janz, privat/nh

Rubriklistenbild: © Mona Linke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.