Händler: Chancen verschenkt

City-Kaufleute: „Mutlose“ Planung beim Königsstraßen-Umbau

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So könnte es werden: Diese Bildmontage zeigt die Obere Königsstraße mit neu belegten Fußgängerwegen und ohne Laternenmasten, dafür mit Hängeleuchten. Dieser Teil der Meile soll nach der documenta 2017 in Angriff genommen werden, an der Unteren Königsstraße haben erste Vorarbeiten vor kurzem bereits begonnen.

Kassel. Die Planungen zur Modernisierung der Königsstraße sind nach dem Urteil der City-Kaufleute „mutlos“ und eine „kosmetische Minimalmaßnahme“.

Nach Ansicht der Innenstadt-Händlergemeinschaft verschenkt die Stadt Chancen, die für eine weite Region wichtigste Einkaufsmeile attraktiver und damit zukunftsfähiger zu machen. Statt lediglich einer baulichen Schadensbeseitigung sei ein größerer Gestaltungs-Wurf angezeigt, meinen die Händler.

Licht-Erlebnisse 

„Vor allem das Thema Lichtplanung und -gestaltung ist aus unserer Sicht unterrepräsentiert“, sagte Alexander Wild (Gothaer Versicherung) in einem Gespräch des City-Kaufleute-Vorstands mit der HNA. Eine abendliche Inszenierung markanter Gebäude wie Druselturm, Karlskirche, Stadt- und Landesmuseum mit Scheinwerferlicht könne mehr Atmosphäre und Aufenthaltsqualität schaffen. Noch mehr wäre gewonnen, meinen die Händler, wenn für besondere Innenstadt-Aktionen eine zusätzliche „Eventbeleuchtung“ geschaffen würde - beispielsweise durch in den Boden eingelassene Lichtbänder und farbige Lichtspielereien.

Kundschaft geht zurück 

Martin Wimberger. Manager des City-Point, ist überzeugt, dass das Publikum so etwas attraktiv finden würde: „Wir müssen Gründe liefern, damit es sich für die Menschen lohnt, überhaupt noch in die Stadt hinein zu fahren.“

Erhebungen im City-Point hätten ergeben, dass die Besucherfrequenz binnen 13 Monaten um rund zehn Prozent zurückgegangen sei. Dies sei auf die Innenstadt insgesamt übertragbar und auf eine Reihe verketteter Ursachen zurückzuführen: die Großbaustellen rund ums Zentrum, der allgemeine Trend zum Online-Einkauf und insbesondere die Anhebung der städtischen Parkgebühren im Vorjahr.

Parkgebühren als Problem

Zu diesem Thema haben die City-Kaufleute bei der Stadt vorgefühlt, ob es vorstellbar wäre, ähnlich wie in der Tiefgarage Friedrichsplatz zur Feierabendzeit ab 18 Uhr eine Art „Happy Hour“ mit reduzierten oder völlig kostenfreien Parkzeiten anzubieten. An diesem Thema wolle man derzeit im Rathaus aber nicht rühren, berichtete der Einzelhändler-Vorstand aus einem kürzlichen Gespräch mit führenden Stadtverwaltungs-Vertretern.

Musik kaum möglich 

Nach wie vor gebe es im Stadtzentrum keine Möglichkeit, abends in Straßencafés und Gastgärten dezente Live- oder Hintergrundmusik aufzuführen, sagte Gerhard Jochinger, der Vorsitzende der City-Kaufleute. Eine „hochrestriktive Genehmigungspolitik“ des Ordnungsamts mache praktisch jeden Ansatz unmöglich, solche Anlaufpunkte mit Erlebnisqualität für Innenstadtbummler zu schaffen.

Insgesamt, so die Händler, könne seitens der Stadt sehr viel mehr getan werden, um Kassels Fußgängerzone als gute Stube der gesamten Region zu inszenieren. Im Verlauf der weiteren Planungsphase wollen sich die City-Kaufleute häufiger mit dem Rathaus austauschen.

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