Viel Geld für Golfer

Golfclub Wilhelmshöhe erhält vom Land 50.000 Euro für Anlage: Ist das gerecht?

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Derzeit werden drei Greens unweit des Herkules aufwendig saniert. Dafür gab es 50 000 Euro vom Land Hessen.

Golf gilt als Sport der Besserverdienenden. Der Golfclub Wilhelmshöhe hat trotzdem 50.000 Euro Förderung vom Land Hessen erhalten. Ist das gerecht?

Stefan Heine hatte nicht damit gerechnet, dass sein Verein so viel Geld erhalten würde. Der Zahnarzt ist Präsident des Golfclubs Wilhelmshöhe, der seine 61 Jahre alte Anlage gerade aufwendig saniert. Darum stellte der Verein einen Förderantrag beim Land Hessen. „Wir haben uns selbst gewundert, dass das geht“, sagt Heine: „Ich kenne keinen Golfclub, der das probiert hat. Viele denken ja, bei uns würden nur Millionäre rumlaufen.“

Trotz der Bedenken war der Antrag erfolgreich. Für die Sanierung von drei Greens gab es 50.000 Euro aus dem Sonder-Investitionsprogramm „Sportland Hessen“. Damit fördert das Land einen „der besten und erfolgreichsten Golfclubs Deutschlands“ sowie „ein deutschlandweit einmaliges Ambiente“, wie es in der Pressemitteilung des Innenministeriums heißt. Aber ist es auch gerecht, wenn ein Verein, der eine vermeintliche Sportart von Besserverdienern betreibt, mit öffentlichem Geld unterstützt wird?

Stefan Heine, Präsident des Golfclubs

Beim Land und auch bei der Stadt, von der der Golfclub bereits im vorigen Jahr 60.000 Euro erhielt, hat man keine Bedenken. Laut hessischem Innenministerium sei für eine Förderung nicht die Sportart entscheidend, vielmehr gehe es allein um die Erfüllung der Förderrichtlinien. Unter anderem muss der Verein Mitglied im Landessportbund sein.

Anders als der Kasseler Präsident Heine vermutet, wurden in den vergangenen zehn Jahren gleich 22 Golfvereine „mit zumeist fünfstelligen Summen gefördert“, wie Sprecher Michael Schaich sagt. Zudem versichert er: „Alle Vereine, die einen Antrag gestellt haben, wurden bewilligt, wenn die entsprechenden Richtlinien erfüllt wurden.“ Mit anderen Worten: Kein Verein ist leer ausgegangen, weil der Golfplatz in Kassel saniert wird. Gleiches gilt für die Stadt, wie es aus dem Rathaus heißt.

Verein hatte elitäres Image

In der jüngeren Vergangenheit waren bereits sieben der achtzehn Greens auf der Anlage im Habichtswald erneuert worden. Nun sind drei weitere Bahnen dran. Schon eine kostet laut Heine 60.000 Euro. Das ist auch für einen mehr als 950 Mitglieder zählenden Verein viel Geld. Gerade wenn er „im Leistungs- als auch im Breitensport und insbesondere im Jugendbereich gute Arbeit leistet“, wie Stadtsprecher Michael Schwab lobt.

Bietet ein einmaliges Ambiente: Der Golfclub Wilhelmshöhe mit seiner 18-Loch-Anlage.

Die fast 100 Jugendlichen zahlen pro Jahr lediglich 150 Euro (bis 12 Jahre) oder 250 Euro (bis 18 Jahre) und erhalten dafür kostenlose Trainingsstunden. Für Erwachsene wird eine Mitgliedschaft mit 1200 Euro plus einer Investitionsumlage in Höhe von 4000 Euro, die auf acht Jahre gestaffelt werden kann, deutlich teurer. „Das ist nicht viel teurer als ein gutes Fitnessstudio“, rechnet Golfclub-Geschäftsführerin Andrea Klug vor.

Andrea Klug, Geschäftsführerin des Golfclubs

Bei Szene-Kennern hatte der Kasseler Verein einst ein besonders elitäres Image. Heute sei das anders, versichert Klug, die aus dem Segelsport kommt: „Bei uns sind alle Berufszweige vertreten.“ Trotzdem gebe es nach wie vor eine „Hemmschwelle“ gegenüber dem Sport, den früher „meist ältere Herren“ betrieben, wie Präsident Heine (59) sagt. Auch deshalb kooperieren die Wilhelmshöher mit dem Golfpark Gudensberg. Der spricht auf seiner 9-Loch-Anlage vor allem Einsteiger an, die sich später vielleicht auch nach Wilhelmshöhe wagen.

Trotzdem ist Golf hierzulande anders als etwa in Großbritannien noch lange kein Volkssport. „Wir brauchen einen deutschen Tiger Woods“, sagt Klug. Vielleicht ist unter den Wilhelmshöher Talenten tatsächlich einer. Auch dann hätten sich die Förderungen ausgezahlt.

Service: Kostenloser Schnupperkurs im Golfclub am Sonntag, 11. August (9.30 Uhr). Anmeldung: mail@golfclub-kassel.de 

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