Weinkirche muss saniert werden, bevor sie für Partys zur Verfügung steht

Geht das Club-Sterben in Kassel weiter? Betreiber für A.R.M. und Weinkirche gesucht

+
Noch tut sich wenig rund um den Club A.R.M. in der Werner-Hilpert-Straße: Vor einem Jahr kaufte Jürgen Weide mit der Firma Mietstück das Areal.

Das A.R.M. war einer der beliebtesten Clubs in Kassel. Doch der angekündigte Neustart kommt noch nicht recht voran. Nun wird ein neuer Betreiber gesucht. Geht das Club-Sterben weiter?

Vor fast einem Jahr war Ralph Raabe am Ende und hatte trotzdem noch große Pläne. Der verschuldete Betreiber des Clubs A.R.M. und der Weinkirche hatte sein Party-Zentrum in der Kasseler Werner-Hilpert-Straße verkauft und kündigte an: „Wir überlegen uns ein Konzept. Irgendwas wird an diesem einzigartigen Ort passieren.“ Zehn Monate später ist Raabe auch kein Mieter mehr der Veranstaltungsräume Weinkirche und Wiese.

Sein Vertrag wurde Ende September nicht verlängert. Was an dem einzigartigen Ort unterhalb des Kulturbahnhofs noch passieren wird, weiß er nicht. „Ich bin nicht mehr in die Entwicklungen integriert“, sagt der 53-Jährige, der das Kasseler Nachtleben ein Vierteljahrhundert mitgeprägt hat. Sämtliche Veranstaltungen mit DJs wie Uwe Welsch alias Mr. Brown und Andy Depressivum wurden abgesagt.

Ist der Party- und Kulturstandort in der Werner-Hilpert-Straße damit tot? 

Ralph Raabe, bisheriger Betreiber.

Nein, heißt es bei den neuen Eigentümern, der Firma Mietstück, die im Industriegebiet Kaufungen-Papierfabrik residiert. Weinkirche und A.R.M. sollen weiter saniert werden. Vor allem mit der Weinkirche, einem einzigartigen Gewölbekeller, hat man weiter viel vor.

„Hier sind Konzerte, Lesungen und Partys möglich“, sagt Jürgen Weide, der Mitglied der Geschäftsleitung ist. Schon Raabe hatte fast zwei Millionen Euro in die Weinkirche gesteckt. Nun müssen unter anderem Lüftung und Boden neu gemacht werden. Allein ein neuer Fahrstuhl wird eine sechsstellige Summe verschlingen. Die Gesamtinvestitionen will Weide nicht beziffern.

Jürgen Weide zur Weinkirche: "Glaube nicht, dass hier nochmal ein Club öffnet"

Laut Mietstück sind Veranstaltungen in der Wiese, die das Foyer der Weinkirche ist, nicht sinnvoll, solange der Keller saniert wird. Weide kann sich nicht vorstellen, dass auf dem Gelände noch mal ein Club eröffnet: „Der Betrieb wäre nicht wirtschaftlich. Die Zeit solcher Clubs scheint vorbei zu sein. Unser Vorbild ist der Renthof.“

Die Weinkirche ist dringend Sanierungsbedürftig.

Das ehemalige Kloster an der Fulda ist heute eines der besten Restaurants und Hotels der Stadt. Renthof-Betreiber Rainer Holzhauer sieht in der Weinkirche ebenfalls „sehr großes Potenzial“. Er sei aber nur einer von mehreren Interessenten, mit denen man erste Gespräche geführt habe, heißt es bei Mietstück. Selbst mit dem bisherigen Betreiber Raabe könne man sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellen.

In der benachbarten Lolita-Bar geht die Party weiter

Dessen alter Kumpel Bob Wacholder macht währenddessen weiter Party in der Lolita-Bar, die ebenfalls zum Gebäudekomplex gehört und nach wie vor geöffnet ist. Das wussten zunächst nicht alle Nachtschwärmer, weil „viele A.R.M. und Lolita-Bar nicht trennen konnten“, wie Wacholder sagt: „Das Frühjahr war für mich richtig mies. Mittlerweile ist es voll wie immer. Zu uns kommt man, um auf den Tischen zu tanzen.“

Viele fragen sich trotzdem, warum immer weniger Menschen auf den Tischen tanzen oder überhaupt ausgehen wollen. Das Club-Sterben geht auch in Kassel weiter. André Bluhm alias DJ Andy Depressivum, der mit seinen Bad-Taste-Partys im A.R.M alle zwei Monate bis zu 450 Besucher unterhalten hat, findet es „schlimm, dass die Locations nach und nach wegsterben“. Die jungen Leute würden lieber zu Hause Netflix schauen. Der 36-Jährige kennt nur eine Möglichkeit, um das zu ändern: „Wenn man zwei Monate das Internet abstellen würde, wären die Clubs wieder voll.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.