Die Laufkundschaft fehlt in der City

Wenig Betrieb in der Kasseler Innenstadt durch Corona: Viele Kioske haben große Einbußen

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Frank Schmid vom Kiosk „Einkaufsecke“ am Wehlheider Platz kann in der Coronakrise auf sein Stammpublikum zählen.

Kioske leben von Menschen, die schnell noch eine Kleinigkeit einkaufen wollen. Doch in Zeiten von Corona bricht vielen Kiosken in Kassel die Existenzgrundlage weg.

  • DasCoronavirus wirkt sich stark auf de Alltag in Kassel aus.
  • Die Innenstadt ist leer, viele Geschäfte haben geschlossen.
  • Das wirkt sich auch auf die Kioske in der Königsstraße aus.

So etwas hat Susanne Rudolph auch noch nicht erlebt: „Normalerweise weiß ich nicht, was ich zuerst tun soll, weil alle zwei Sekunden ein Kunde kommt“, sagt die freundliche Frau im Kiosk am Opernplatz in Kassel.

Doch seitdem die Innenstadt wegen der Corona-Krise wie ausgestorben ist, hat auch sie plötzlich Zeit zwischendurch. Zum Beispiel, um etwas zu essen. Die Zahl der Kunden des Kiosks, der ihrem Bruder gehört, sei um etwa 70 Prozent zurückgegangen, schätzt sie.

Corona-Krise in Kassel: Kiosk bietet auch Postdienstleistung

Doch Rudolph bleibt optimistisch. Sie hat Freude daran, jeden Tag anders farbige Latexhandschuhe – passend zu ihrem jeweiligen Outfit – anzuziehen. Zum Glück biete der Kiosk Postdienstleistungen an: Briefe und Päckchen können aufgegeben werden.

Farbenfrohe Latexhandschuhe: Susanne Rudolph vom Kiosk am Opernplatz holt sich so die gute Laune in den oft verwaisten Kiosk.

Die meisten Kunden am Montag kommen genau deswegen zu ihr. Und wenn mal kein Kunde da ist, nutze sie die Zeit zum Aufräumen. Aber so langsam sei alles ziemlich ordentlich. Dennoch habe der Kiosk weiterhin Montag bis Samstag von 6 bis 20 Uhr geöffnet.

Corona in Kassel: Neuer Betreiber hat Kiosk erst Anfang März übernommen

Auch Ahmet Erdin vom „21st Kiosk“ an der Friedrich-Ebert-Straße 73 macht Corona zu schaffen. Er hat den Kiosk, in dem er vorher schon gearbeitet hat, erst Anfang März als Inhaber übernommen. „Und jetzt gleich so was“, sagt er.

Der Umsatz sei um 50 Prozent eingebrochen. Er werde auf jeden Fall die Soforthilfe beantragen müssen. „Eigentlich ist die Friedrich-Ebert-Straße eine Flaniermeile. Davon ist jetzt aber nichts mehr zu sehen.“

Corona in Kassel: Kunden dürfen nicht mehr in den Kiosk zum Schutz der Mitarbeiter

Um seine Mitarbeiter zu schützen, lässt Erdin keine Kunden mehr in den Kiosk. Die Bedienung läuft ausschließlich durch ein Fenster. Das Geschäft mit Tabakwaren, Zeitungen und Zeitschriften sei noch relativ stabil.

Schlechter Start: Ahmet Erdin hat den 21st Kiosk an der Friedrich-Ebert-Straße erst kürzlich übernommen.

Doch die größten Gewinnmargen haben die Kioske beim Verkauf von Süßigkeiten und Getränken. Doch diese Produkte seien beim Fensterverkauf kaum gefragt.

Corona-Krise in Kassel: Kioskbetreiber bietet Lieferservice

Weil sich weniger Menschen auf die Straße trauen, bietet Erdin einen Lieferservice bei Bestellungen ab zehn Euro an (0152/ 13 44 61 15), doch der sei noch nicht so richtig angelaufen. Vielleicht ändere sich das noch, so seine Hoffnung. Der Kiosk bleibe jedenfalls weiterhin von 8 bis 21 Uhr geöffnet.

Im Traditionskiosk „Einkaufsecke“ an der Wilhelmshöher Allee 127 in Höhe des Wehlheider Platzes ist Inhaber Frank Schmid noch ganz zufrieden. „Als die ersten Beschränkungen kamen, hatten wir sogar höhere Umsätze. Die Leute haben gleich drei Stangen Zigaretten gekauft oder für acht Wochen Lotto gespielt“, sagt Schmid, der den seit Generationen familiengeführten Kiosk seit 20 Jahren leitet.

Corona in Kassel: Traditionskiosk hat Spuckschutz aus Plexiglas

Um sich und seine Mitarbeiter vor Infektionen zu schützen, hat er einen Spuckschutz aus Plexiglas vor den Kassen montiert. Zudem bietet er seinen Kunden an, sie auch nur durch ein Fenster zu bedienen. So muss niemand die enge Verkaufsfläche betreten.

Der Ansturm vom Beginn der Ausgangsbeschränkungen sei inzwischen abgeebbt. Nach ein paar ruhigen Tagen habe sich nun das Geschäft wieder auf einem relativ normalen Niveau eingependelt. „Wir verkaufen gerade sehr gut Kinderzeitschriften“, sagt Schmid. Die Eltern müssten ihre Kinder wegen der Kita- und Schulschließungen beschäftigen.

Corona in Kassel: Betreiber eines Traditionskiosk ist froh über Standort außerhalb der Innenstadt

Der Kiosk-Betreiber ist in diesen Tagen froh, dass er seinen Laden nicht in der Innenstadt betreibt. Die Kollegen hätten sicher mehr zu kämpfen. Schmid ist jedenfalls zuversichtlich, dass er demnächst das 100-jährige Kiosk-Jubiläum feiern kann.

Die Einkaufsecke hat wegen Corona eingeschränkte Öffnungszeiten: wochentags von 8 Uhr bis 18.30 Uhr und samstags von 8 bis 16 Uhr.

Von Bastian Ludwig

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