Radwechsel in der Coronakrise

Wegen Corona sind Sommerreifen Nebensache: Kein Saison-Ansturm bei Kasseler Reifendiensten 

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Kaum jemand kommt derzeit zum Räderwechsel: Inhaber Frank Neudert vom Premio Reifen- und Autoservice in Niederzwehren und Mitarbeiter Frank Kirchhoff (im Hintergrund) haben momentan viel weniger Arbeit als saisonüblich.

Autowerkstätten dürfen in Corona-Zeiten geöffnet bleiben und eigentlich wäre Hochsaison für den Räderwechsel. Doch die Kasseler Werkstattketten machen kaum Umsätze.

  • Autowerkstätten dürfen in der Corona-Krise geöffnet bleiben
  • Die Hochsaison für den Räderwechsel  hat begonnen
  • Sommerreifen sind bei den Kunden derzeit jedoch nicht gefragt

Kassel – Herrliches Frühlingswetter und es geht auf Ostern zu – das ist normalerweise die Zeit, in der Autofahrer zu Tausenden die Werkstätten ansteuern, um ihre Winter- gegen Sommerreifen auswechseln zu lassen. Als Betriebe des Handwerks dürfen Reifendienste und andere Kraftfahrzeugwerkstätten auch in Corona-Zeiten weiterhin geöffnet bleiben.

Doch auch bei ihnen schlägt die Coronakrise hart auf die Geschäfte durch: Die Umsätze sind auf ein Bruchteil des sonst Üblichen eingebrochen, berichten Filialinhaber.

Corona statt Sommerreifen: Werkstätten in Kassel bleiben die Kunden aus

Wenn auch viele momentan lieber individuell mobil sind statt in vollen Bussen und Straßenbahnen: Das Auto selbst wird in diesen Tagen zur Nebensache. Das macht sich auch bei der Pitstop-Werkstattfiliale an der Leipziger Straße in Kassel bemerkbar: Zwei Autos stehen zur Inspektion in der großen Halle, wo Farhad Panahi derzeit allein arbeitet. Sommerreifen sind nicht gefragt. 

„Ab morgen habe ich gar nichts mehr für diese Woche“, sagt er jenseits des Flatterbandes, das im Eingangsbereich eine Corona-Abstandsgrenze markiert.

Normalerweise kämen zu dieser Zeit etwa acht Radwechselkunden pro Tag, sagt Panahi. Und momentan? Komplette Flaute, allenfalls würden vereinzelt Termine abgesagt, die schon länger gebucht waren. „Nach den Gründen habe ich nicht gefragt“, sagt der Werkstattmann.

Keine Sommerreifen bei ATU in Kassel - Werkstatt hat wegen Corona geschlossen

Selbst wenn Kunden Sommerreifen beziehen wollten: Bei ATU ein Stück weiter stadtauswärts stehen Kunden derzeit vor verschlossenen Türen. Wegen Corona hat die Werkstattkette ihren Betrieb – auch in den zwei Kasseler Filialen – vorläufig komplett eingestellt. Die Unterbrechung werde mindestens bis zum 4. April andauern, heißt es auf der ATU-Website.

Wer Reifen in einer ATU-Werkstatt gelagert hat, könne sie noch bis 31. Mai dort liegen lassen, ohne dass zusätzliche Einlagerkosten anfallen.

Trotz Corona wird bei vielen Werkstattketten in Kassel  weitergearbeitet

Bei anderen in Kassel vertretenen Werkstattketten wie Euromaster, Vergölst oder reifen.com wird derzeit weitergearbeitet. Zur aktuellen Lage hält man sich bei den Filialstandorten bedeckt und verweist auf die Firmenzentralen.

Bei der Kette Premio Reifen- und Autoservice sind die Filialbetreiber selbstständige Franchisenehmer. Frank Neudert betreibt eine Premio-Werkstatt an der Silberbornstraße in Niederzwehren und gibt Auskunft zur Lage.

Sommerreifen: Kunden halten sich wegen Corona mit Radwechsel in Kassel zurück

Normalerweise riefen jetzt Kunden „in Massen“ an, um Radwechseltermine rund um Ostern zu machen, sagt Neudert. Jedoch: „Das Telefon ist tot.“ Keiner will seine Sommerreifen aufziehen lasse. Das Radwechselgeschäft sei auf ein Fünftel des üblichen Umfangs geschrumpft. Auch bei sonstigen Autoservice-Leistungen in Kassel laufe es „sehr, sehr schleppend“ mit Rückgängen in ähnlicher Größenordnung.

Vor dem Corona-Hintergrund hänge alles zusammen, erklärt der Filialbetreiber: „Wir haben viele Kunden aus Industrie und Handel.“ Wenn dort weniger gearbeitet werde, sei auch bei Premio weniger zu tun.

Premio-Werkstatt befindet sich  im Notdienstbetrieb

Er passe seine Betriebszeiten derzeit flexibel an: Wechsel auf Sommerreifen und TÜV-Abnahmen würden nur ausgeführt, wenn die Kunden online einen Termin gebucht haben. Die Werkstatt sei eher im Notdienst-Modus. Für vier seiner acht Mitarbeiter will Neudert in dieser Woche Kurzarbeit beantragen.

Neuderts Hoffnung ist, dass sich wenigstens das reguläre Werkstattgeschäft mit Arbeiten wie Bremsendienst und TÜV-Vorbereitung bald wieder stabilisiert. Trotz Corona: „Die Autos fahren ja weiter und brauchen dann irgendwann auch Pflege.“

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