Interview

Uni Kassel: Der Hochschulsport wird digital

Gemeinsam trainieren: Marie Marhenke (von links), Elisabeth Gubert und Marina Maser bei der Eröffnung des neuen Institutsgebäudes 2013. Wegen der Coronakrise ist das Fitnessstudio Unifit derzeit geschlossen.
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Gemeinsam trainieren: Marie Marhenke (von links), Elisabeth Gubert und Marina Maser bei der Eröffnung des neuen Institutsgebäudes 2013. Wegen der Coronakrise ist das Fitnessstudio Unifit derzeit geschlossen. Archivfoto: Andreas Fischer

Corona in Kassel: Auch der Hochschulsport an der Kasseler Uni wird in Corona-Zeiten anders ablaufen. 

  • Das Coronavirus breitet sich in der Region Kassel weiter aus
  • An der Uni in Kassel hat das Sommersemester begonnen
  • Auch im Hochschulsport sind die Auswirkungen des Coronavirus spürbar

Kassel - Trotz Semesterbeginns ist an der Uni Kassel auch der Allgemeine Hochschulsport stark eingeschränkt. AHS-Leiter Dr. Tobias Heyer äußert sich im Interview zu den Herausforderungen und das digitale Sportangebot. Das Semester ist am Montag digital gestartet, die Unis bleiben jedoch vorerst geschlossen. Diese Einschränkungen betreffen nicht nur den regulären Universitätsbetrieb, sondern auch den Hochschulsport. Wir haben mit Dr. Tobias Heyer, dem Leiter des Allgemeinen Hochschulsports (AHS) an der Universität Kassel, über die Herausforderungen und das digitale Sportangebot gesprochen.

Corona in Kassel: Auswirkungen auf den Hochschulsport

Herr Heyer, wie wirkt sich die Coronakrise auf den Hochschulsport aus?

Seit dem 13. März gibt es kein Sportprogramm an der Uni Kassel mehr. Die 150 AHS-Kurse wurden abgesagt und das Fitnessstudio ist geschlossen.

Welche Herausforderungen gibt es?

Die Uni ist zurzeit im Basisbetrieb, das heißt, der Hochschulsport steht nicht unbedingt im Mittelpunkt aktueller Arbeitsprozesse. Aber wir denken, dass wir mit unserem Angebot einen sinnstiftenden Mehrwert bieten können. Wir sehen uns als Bindeglied für alle Hochschulangehörigen und möchten auch in der gegenwärtigen Situation einen Beitrag zur psychischen und sozialen Gesundheit leisten.

Corona in Kassel: Angebote des Hochschulsports

Welche Angebote gibt es?

Wir haben überlegt, was wir online anbieten können und haben das Programm #stayhome and #stayfit (bleib zuhause und bleib fit) ins Leben gerufen. Wir haben zunächst improvisiert. Die Übungsleiter geben mit ihren Laptops Kurse aus ihrem Wohnzimmer. Das hat Tücken, denn oft reicht die Bandbreite nicht aus, aber sieben bis 20 Personen pro Kurs können teilnehmen.

Wie sieht das Onlineangebot konkret aus?

Unsere erste Überlegung war: Was können unsere Teilnehmer von zuhause aus machen? Im Fitness- und Gesundheitsbereich ist es relativ leicht, ein digitales Angebot zu erstellen. Wir bieten bereits mehr als 20 Kurse an. Diese finden per Livestream statt. Im Bereich Spielen ist es schwieriger, aber wir würden zum Beispiel im Bereich Fußball gerne einen Mix aus Fitness und dem Fußball als Fitnessgerät anbieten. Übrigens wird auch das „Streck dich“-Programm weitergeführt. Wir erstellen derzeit kleine Videos, sogenannte Minibreaks, für Studierende – als kleine Abwechslung während einer Online-Vorlesung.

Corona in Kassel: Teilnahme an den Kursen

Wer kann an den Kursen teilnehmen?

Das Angebot ist hauptsächlich an Universitätsangehörige gerichtet. Aber auch Gäste können teilnehmen, wenn Restplätze verfügbar sind. Die Kurse werden kostenlos angeboten. Für die Teilnahme sind nur eine Anmeldung und die Mitgliedschaft im AHS erforderlich.

Wieso ein Livestream und keine Videos?

Es gibt bereits sehr viele Videos und Plattformen, um zuhause Sport zu machen. Der Nachteil dieser Angebote ist, dass man sie alleine macht. Wir haben uns bewusst für einen Livestream entschieden, weil die Teilnehmer sich sehen und so soziale Kontakte über das Internet aufbauen können. Die Rückmeldungen sind positiv.

Wie geht es mit dem Fitnessstudio Unifit weiter?

Wir stellen täglich eine Übung in Form von einem kleinen Videoclip online. Diese Übungen werden freitags dann zu einem gesamten Workout zusammengestellt und ebenfalls über einen Livestream gemeinsam ausgeführt.

Corona in Kassel: Zurückgreifen auf Rücklagen 

Entstehen durch die Schließung finanzielle Probleme für den Hochschulsport?

Nein, wir können momentan noch auf Rücklagen zurückgreifen und so die hoffentlich nicht allzulange andauernde Krise überstehen.

Wie geht es für die Mitarbeiter weiter?

Unsere vier Mitarbeiter sind über die Universität angestellt. Auf sie hat die derzeitige Situation keine Auswirkungen. Auch für unsere sechs studentischen Mitarbeiter bleibt der Beschäftigungsvertrag bestehen. Am härtesten trifft es die etwa 120 Übungsleiter, die auf Honorarbasis arbeiten. Sie verdienen jetzt gerade nichts.

Wie wirkt sich die Coronakrise auf die Lehre am Sportinstitut aus?

Auch am Sportinstitut sind die Vorlesungen über digitale Lernplattformen gestartet. Für die Theoriekurse ist das kein Problem. Die Praxiskurse werden zunächst in Rahmen eines Theorieblocks vorbereitet und sobald die Rahmenbedingungen es erlauben, in einen Praxisteil überführt. Möglicherweise wird dies in kompakterer Form im Sommer oder Herbst stattfinden.

Anmeldung zum Kursprogramm über die Internetseite zu.hna.de/hochschulsport. Kosten für die Mitgliedschaft: Gäste 5 Euro, Studierende 1,50 Euro pro Monat..

ZUR PERSON Dr. Tobias Heyer (40) leitet seit September 2019 den Hochschulsport an der Uni Kassel. Der Schwabe studierte in Göttingen Sportwissenschaften, Medizinische Physiologie und Volkswirtschaftslehre, er kam 2009 als Mitarbeiter zum Kasseler Hochschulsport. Heyer ist verheiratet und hat zwei Kindern, die Familie lebt in Hann Münden.

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