Lkw-Geschäft geht deutlich zurück

Daimler spart Stellen ein: Keine Leiharbeiter mehr in Kassel

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Erwartet große Veränderungen durch die Elektromobilität: Das Mercedes-Benz Achsenwerk Kassel, das Foto zeigt das führerlose Transportsystem. 

Die Nachricht, dass Autobauer Daimler Tausende Stellen einsparen muss, beunruhigt auch die knapp 3000 Mitarbeiter des Achsenwerks in Kassel. Auch dort werden Stellen reduziert.

Rund 1700 der 3000 Kasseler Mitarbeiter nahmen am Montag an der Betriebsversammlung teil, um zu hören, was Werkleitung, Betriebsrat und Dr. Frank Reintjes, Vorstandsmitglied der Daimler Trucks AG, zu den Perspektiven des Konzernbereichs und des Standorts zu sagen hatten.

Das Positive vorweg: Im Werk Kassel werden zwar zum größten Teil (etwa 70 Prozent) Achsen für Lastwagen hergestellt. Es werden aber auch Achsen für Vans und Autos produziert, zudem Radsatzkomponenten an Pkw- und Lkw-Werke ausgeliefert. 

Daimler verzeichnet Rückgang im Lkw-Geschäft

Weil man am Standort breit aufgestellt sei, ließen sich auch die inzwischen deutlichen Rückgänge im Lkw-Geschäft besser verkraften, erklärte Werkleiter Prof. Dr. Frank Lehmann nach der Betriebsversammlung. 

Europaweit und in den USA seien die Lkw-Auftragszahlen von jeweils rund 400 000 auf 330 000 Stück zurückgegangen. Seit 2008/2009 sei stetiges Wachstum zu verzeichnen gewesen. „Nun passen sich die Märkte auf ein normales Niveau an“, sagte Lehmann. Der starke Auftragsrückgang wirke sich schnell aus, stelle im Grunde aber eine Normalisierung dar.

Arbeitsplätze am Daimler-Standort Kassel werden reduziert

Die negative Begleiterscheinung: Die Zahl der Arbeitsplätze wird auch am Standort Kassel reduziert. Die rund 3000 Mitarbeiter starke Stammbelegschaft zu halten, sei das Ziel und die Herausforderung, betonte der Betriebsratsvorsitzende Jörg Lorz. 

Betriebsbedingte Kündigungen seien durch die Standortvereinbarung bis 2030 ausgeschlossen. Die Zahl der Leiharbeiter, die Anfang 2019 noch bei über 100 lag, sei aber inzwischen auf 0 gefahren worden. Im Werk seien keine Leiharbeiter mehr tätig, die Verträge seien nicht verlängert worden.

Daimler investiert 2020 in Standort Kassel

Seit 1. November ist das Kasseler Achsenwerk Teil der Daimler Trucks AG, eine von drei rechtlich selbstständigen Einheiten in der neuen Konzernstruktur (neben den Bereichen Mercedes-Benz und Mobility). Werkleiter Lehmann erwartet, dass 2020 das Jahr werde, in dem das meiste Geld in den Standort Kassel investiert werde, nämlich ein hoher zweistelliger Millionen-Betrag. Investiert werden müsse in die Entwicklung konventioneller und elektronischer Achsenantriebe. 

Neue E-Achse will Daimler Anfang 2021 ausliefern

Ziel sei es, die neue E-Achse ab dem ersten Quartal 2021 auszuliefern. Entwickelt wird diese in Stuttgart. Die engagierte Kasseler Mannschaft wolle jedoch ihren Teil zur Transformation auf alternative Antriebe beisteuern und die Prozesse mitgestalten, betonten Lehmann und Lorz.

Welche erheblichen Veränderungen dadurch in der Nutzfahrzeug-Branche anstehen, verdeutlichte Lehmann mit einem Vergleich. So benötige ein einziger E-Lkw eine Energiemenge von rund 4000 Kilowattstunden in der Woche. Das entspreche etwa dem Bedarf eines Vier-Personen-Haushalts – allerdings in einem ganzen Jahr.

Bereits Mitte des Jahres kündigte der neue Daimler-Chef Einsparungen an.

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