Bei Problemen mit der Atmung

Damit die Luft nicht wegbleibt: Hunderte kamen zum Lungentag ins Rathaus

Junge informieren: ANAH-Leiterin Erika Seitz (von rechts) und Martin Kosziollek wollen eine Eltern-Kind-Gruppe aufbauen, für die sich auch Jörg (9, vorne von links) und Leonie (6) aus Kassel mit ihren Eltern interessierten.

Kassel. Probleme mit der Atmung hat Renate Schmidt nicht. Trotzdem machte sich die 71-Jährige aus Baunatal am Samstag auf den Weg nach Kassel ins Rathaus, um sich dort zu informieren beim 17. Lungentag, zu dem die Allergie-, Neurodermitis- und Asthmahilfe Hessen (ANAH) eingeladen hatte.

Wie Schmidt kämen inzwischen viele der geschätzten 1500 Besucher aus Interesse, so ANAH-Leiterin Erika Seitz. Betroffene nutzten die Veranstaltung oft, um sich eine zweite Fachmeinung einzuholen. Deutlich wurde das an der langen Schlange beim stets gefragten Lungenfunktionstest. Denn gleich neben dem Stand interpretierten Fachärzte die Testergebnisse.

Von Jahr zu Jahr besuchten mehr Interessierte den Lungentag, sagte Seitz. „Aber es gibt auch mehr Erkrankte.“ Dr. Joachim Herzig, Lungenfacharzt aus Hann. Münden, bestätigte das. Zwar würden die Zahlen hierzulande im weltweiten Vergleich relativ moderat steigen. Aber zu einem wachsenden Problem werde der Lungenkrebs bei Frauen. Arten wie Brustkrebs, von denen typischerweise Frauen betroffen sind, habe der Lungenkrebs inzwischen überholt, sagte Dr. Herzig.

Diese Entwicklung sei auch eine Folge der Emanzipation. Deswegen hätten sich mehr Frauen getraut zu rauchen, was nun zu einem verstärkten Auftreten von Lungenkrebs führe. „Die Gefahr, daran zu erkranken, nimmt nach 20 Packungsjahren extrem zu“, so Dr. Herzig. Wenn jemand ein Jahr lang täglich 20 Zigaretten, also etwa eine Packung raucht, spreche man von einem Packungsjahr. Weltweit seien die Folgen des Rauchens erheblicher. „In zehn Jahren wird Raucherbronchitis die dritthäufigste Todesursache sein“, berichtete Herzig.

Luftholen und pusten: Renate Schmidt aus Baunatal testet die Funktion ihrer Lunge. Jacqueline Moos, Arzthelferin in der Praxis von Dr. Katharina Ludwig, unterstützt sie dabei. Fotos: Fischer

Im Blick hat die ANAH aber nicht nur ältere Betroffene. Über eine geplante Eltern-Kind-Gruppe informierte Martin Kosziollek, Stadtjugendpfarrer der evangelischen Jugend, mit der die ANAH zusammenarbeitet. Kosziollek hat sich dem Thema angenommen, weil er selbst Betroffener sei. Angedacht sind für die Eltern-Kind-Gruppe Informationen von Experten unter anderem zu folgenden Themen: Welche Medikamente helfen Lungenkranken, ohne dass sie müde machen? Kann man mit Asthma in die Disko? Welche Atem-Gymnastik-Übungen kann man mit Kindern machen?

Zwar gebe es durch das Internet mehr Möglichkeiten sich zu informieren. Doch das berge die Schwierigkeit verlässliche Informationen zu finden, sagte Seitz. Und wie sehr Betroffene den Austausch schätzen, zeigte ihr, dass sich sogar Eltern eines erkrankten Kindes aus Bad Gandersheim auf den fast 100 Kilometer langen Weg zum Lungentag nach Kassel machten. (clm)

Kontakt: Allergie-, Neurodermitis- und Asthmahilfe Hessen (ANAH), Wolfsäckerweg 16, 34125 Kassel, Telefon 05 61/ 870 90 94. Weitere Informationen gibt es hier.

Archivvideo: Begehbares Lungen-Modell

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