Kasseler Unternehmen gründet neue Geschäftseinheit

Dedrone kauft Rechte an Störsender zur Drohnenabwehr

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Das Kasseler Unternehmen Dedrone übernimmt den DroneDefender des amerikanischen Forschungsinstituts Battelle. Das Gerät wird wie ein Gewehr auf geortete Drohnen gerichtet und stört deren Funk- und GPS-Signale.

Der Kasseler Drohnenabwehr-Spezialist Dedrone hat die Rechte am Drohnenabwehrsystem DroneDefender erworben.

Das teilte das Unternehmen jetzt mit. Der Störsender ist eine Entwicklung des amerikanischen Forschungsinstituts Battelle, mit dem Dedrone bereits seit 2017 an einer gemeinsamen Anti-Drohnen-Lösung für das Militär und kritische Infrastrukturen wie Flughäfen, Kraftwerke, Rechenzentren und Umspannwerke arbeitet.

Der DroneDefender ist ein tragbares, rund sieben Kilo schweres Gerät, das wie ein Gewehr auf geortete Drohnen gerichtet wird und deren Funk- und GPS-Signale stört. Dazu sendet es auf eine Distanz von 400 Metern Störsignale, die die Verbindung zwischen der Drohne und der Fernbedienung des Piloten blockieren. 

Drohnen werden punktuell ausgeschaltet ohne die Umgebung zu zerstören

Die Drohne ist somit vom Piloten nicht mehr steuerbar und unschädlich gemacht, ohne sie zu zerstören. Während vergleichbare Geräte auf dem Markt Dedrone zufolge die gesamte Umgebung stören, kann der DroneDefender punktuell eingesetzt werden.

Vertrieben wird der DroneDefender künftig von der neu gegründeten Geschäftseinheit Dedrone Defense. Sie berät das US-Verteidigungsministerium und andere Bundesbehörden und stattet sie mit Anti-Drohnen-Technologie aus. Alle mit dem Störsender verbundenen Bereiche einschließlich Entwicklung, Produktion, Marketing und Vertrieb werden in dem neuen Geschäftsbereich am Unternehmensstandort nahe Washington, D. C. gebündelt. Zur Höhe des Investments macht der Drohnenabwehr-Spezialist keine Angaben.

Jörg Lamprecht, Geschäftsführer Dedrone.

„Dedrone Defense richtet sich speziell an US-Behörden und -Ministerien, die für die nationale Sicherheit, den Schutz der Bevölkerung und die Sicherheit kritischer Infrastrukturen zuständig sind“, sagt Dedrone-Geschäftsführer Jörg Lamprecht. Mit dem Störsender können etwa Staats- und Regierungsgebäude sowie militärische Einheiten im Fall eines Angriffs von oben geschützt werden.

Dedrone: Gerät ist bereits im Einsatz

Das Gerät ist lautDedrone derzeit bereits beim US-Verteidigungsministerium, dem US-Ministerium für Innere Sicherheit und anderen Regierungseinheiten im Einsatz. Die Verwendung von Störsendern unterliegt sowohl in den USA als auch in den EU-Ländern strengen Auflagen und ist in der Regel Polizei und Militär vorbehalten.

Die 2014 in Kassel gegründete Firma Dedrone, die sich selbst als Markt- und Technologieführer in der Luftraumsicherheit bezeichnet, hat ihren Hauptsitz 2016 nach San Francisco verlegt, da der Markt für Sicherheitssysteme in den USA größer ist. Entwicklung und Produktion befinden sich aber nach wie vor in Nordhessen. Das Unternehmen beschäftigt an seinen drei Standorten 75 Mitarbeiter, davon 45 in Kassel. Zum Umsatz macht Dedrone derzeit keine Angaben.

Hintergrund: Drohnen können nützlich, aber auch sehr gefährlich sein

In der kommerziellen Anwendung bieten Drohnen viele Vorteile, etwa als Kameradrohne, bei der Suche nach Vermissten und bei der Inspektion von Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen. In den falschen Händen können die ferngesteuerten Fluggeräte aber auch gefährlich sein. 

So werden sie etwa missbraucht, um Drogen ins Gefängnis zu liefern, Sprengstoff zu transportieren und Firmengeheimnisse auszuspionieren. Dedrone hat daher ein Drohnenwarnsystem zum Schutz von Unternehmern, Veranstaltungen und kritischen Infrastrukturen entwickelt. Mittels Sensoren erkennt es unbemannte Flugobjekte am Fluggeräusch und -verhalten sowie an Form und Funksignalen. 

Es lokalisiert die Piloten, alarmiert die Sicherheitskräfte und aktiviert Schutz- und Abwehrmaßnahmen. Die Basis bilden von Dedrone entwickelte Radiofrequenzsensoren, die Drohnen und Fernsteuerungen anhand ihrer Funksignale identifizieren und orten. DroneTracker, die Dedrone-eigene Software-Plattform, sammelt, verarbeitet und bewertet die Sensor-Informationen und bestimmt die Position des Piloten. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland gut 500000 Drohnen, von denen etwa 19.000 kommerziell genutzt werden.

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