Winter in Kassel

Zusteller, Fahrradkuriere, Bauarbeiter: Diese Menschen arbeiten in Kassel auch bei Minusgraden 

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Mit der richtigen Kleidung ist die Kälte kein Problem: Ercan Yikar und Michael Huhn von den Stadtreinigern bei der Arbeit auf dem Kasseler Karlsplatz.

Kassel. Viele Kasseler müssen auch bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt draußen arbeiten. Wir haben mit dreien von ihnen gesprochen.

Kaum jemand hat noch daran geglaubt, dass er noch mal kommt. Jetzt ist er da: der Winter. Ob zugefrorene Autos oder klamme Finger – alle haben mit eisigen Temperaturen zu kämpfen. Doch was ist mit Menschen, die in dieser Zeit im Freien arbeiten? Paketboten, Stadtreiniger, Fahrradkuriere und Bauarbeiter – sie alle müssen auch bei frostigen Temperaturen ran.

Der Paketbote

Stefan Schramm

Stefan Schramm kleidet sich nach dem Zwiebel-Prinzip. „Drei Schichten ziehe ich an“, sagt Schramm. Mit der Zeit würde man sich an die Kälte gewöhnen. Schramm, der in den Stadtteilen Wilhelmshöhe und Harleshausen Pakete ausliefert, schreckt das Arbeiten in der Kälte keineswegs ab, schließlich sind er und seine Kollegen von der Deutschen Post mit spezieller Winterkleidung ausgestattet. Handschuhe, Fleece-Jacke und Hose werden gestellt. Manchmal zieht er zusätzlich eine lange Unterhose an, wie er verrät. „Zudem wird mir durch das ständige Ein- und Aussteigen und das Paketeschleppen schnell warm“, sagt Schramm. Bei Eis und Schnee müsse er etwas vorsichtiger arbeiten.

Die Stadtreiniger

„Wir haben schon ganz andere Temperaturen erlebt – bis zu minus 20 Grad“, sagen Ercan Yikar und sein Kollege Michael Huhn von den Kasseler Stadtreinigern. Das Wichtigste sei die richtige Kleidung: „Es ist so ähnlich wie bei Autoreifen: Von Oktober bis Ostern werden die langen Unterhosen rausgeholt“, erklärt Yikar. Von ihrem Arbeitgeber würden sie mit dicken Jacken, Mützen und warmen Fleece-Einsätzen ausgestattet. Zudem können sich die beiden in ihrem Mannschaftswagen aufwärmen: Denn der hat Standheizung. „Schwieriger wird es bei Temperaturen unter minus zehn Grad, weil dann der Müll festfriert“, erklärt Michael Huhn. Unangenehmer als trockene Kälte sei ohnehin stundenlanger Dauerregen: „Dann ist auch unsere gute Arbeitskleidung irgendwann mal durch“, sagt Huhn.

Der Fahrradkurier

Stefan Bößert

„Der Zwiebellook hilft am meistens“, sagt Stefan Bößert vom Velokurier Kassel. Mindestens drei Kleidungsschichten aus atmungsaktiven Materialien zieht er an. Die Füße ließen sich am besten mit speziellen Winterstrümpfen und Gamaschen über den Radschuhen schützen. Für Kopf und Hände gebe es entsprechende Handschuhe und Helmmützen gegen die Kälte. Dabei sollten die Handschuhe so geschnitten sein, dass man Bremse und Schaltung problemlos bedienen kann. „Manche Mitarbeiter schmieren sich morgens auch Vaseline oder Melkfett ins Gesicht, damit es nicht so kalt ist“, sagt Bößert. „Allerdings sind wir während der Schicht die meiste Zeit unterwegs, sodass man immer in Bewegung ist und nicht so schnell friert.“

Der Bauarbeiter

Stefan Blaß

„Die Arbeit auf dem Bau ist im Winter schon hart. Vor allem die Füße werden irgendwann kalt“, sagt Stefan Blaß von der Firma Horst Becker aus Gudensberg. Im Bagger oder im beheizten Transporter könne man sich aufwärmen. Seit 36 Jahren ist Blaß auf dem Bau und hat bereits viel härtere Winter erlebt. „Ab und zu ein warmer Tee und etwas zu Essen halten mich warm“, sagt er. Ab minus 15 Grad sei Schluss: „Dann funktionieren die Maschinen nicht mehr“, erklärt er. Schlimmer als die Kälte seien Zugluft und kalter Wind. „Mütze, Handschuhe und eine lange Unterhose sind wichtig“, rät Blaß.

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