Dinghan bringt Spannung in die Bahn

Kasseler Unternehmen baut Anlagen, die Schienenfahrzeuge mit Energie versorgen

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Hier ist Handarbeit gefragt: Horst Göhler (von links) und Kevin Ibsch arbeiten in der Systemfertigung der Dinghan Smart Railway Technology GmbH.

Wenn sich die Türen der Regiotram öffnen und schließen und die Wagen beleuchtet und klimatisiert sind, dann ist dabei immer Technologie aus Kassel im Spiel.

Gleiches gilt für die Energieversorgung in unzähligen Fern- und Nahverkehrszügen in ganz Europa, Asien und Amerika. Die Bordnetzumrichter der Dinghan Smart Railway Technology GmbH, ehemals SMA Railway Technology GmbH, mit Sitz in Kassel sind weltweit im Einsatz und sorgen dafür, dass die Fahrgäste im Internet surfen, ihr Smartphone laden und im Bordrestaurant essen können.

Dirk WimmerDinghan-Geschäftsführer

Möglich wird das, indem die Bordnetzumrichter den Starkstrom aus Oberleitungen oder dem bordeigenen Generator umwandeln und für die unterschiedlichsten Zwecke nutzbar machen. „Das Einzigartige an unseren Anlagen ist, dass sie besonders leicht und klein sind“, erklärt Geschäftsführer Dirk Wimmer. „Und sie haben einen besonders hohen Wirkungsgrad.“ Gut zwei Meter lang und 500 Kilogramm schwer sind die Umrichter, die meist auf oder unter dem Zug verbaut werden. „Die konventionellen Geräte wiegen über eine Tonne. Mit unseren Anlagen wird viel weniger Energie verbraucht“, erläutert Wimmer. Das spart Kosten und schont die Umwelt. Wimmer ist sich daher sicher, dass die Bordnetzumrichter aus Kassel die Lösung für die Zukunft sind.

Im Schnitt wird wöchentlich eine Anlage am Firmensitz an der Miramstraße gefertigt. Das klingt zunächst wenig, doch wenn man sich die mit modernster Elektronik und Elektrotechnik ausgestatteten Systeme anschaut, kann man ihre Komplexität erahnen.

Tausende Einzelteile werden in Handarbeit verbaut. Alle Anlagen sind Spezialanfertigungen, je nach Kundenwunsch. „Die größte Serie, die wir bislang gefertigt haben, umfasste gut 500 Stück“, sagt Wimmer.

Die 175 Mitarbeiter am Standort entwickeln und fertigen die Umrichter, die eine Lebensdauer von 30 Jahren und länger haben, von A bis Z. Auch Reparatur und Wartung der Anlagen gehören zum Portfolio.

Den Systemen wird im Einsatz einiges abverlangt. Denn für ihre unterschiedlichen Anwendungen, etwa für Sicherungssysteme, Steuerungen, Türen, Bremsen, Klima-Anlage, Heizung, Kühlung, Beleuchtung und Bordküche, werden völlig unterschiedliche Spannungen von 24 bis 400 Volt benötigt. Außerdem verwenden einige Länder im Bahnsektor Gleich-, andere Wechselstrom. Dinghan produziert die Anlagen mit mehrspannungsfähiger Ausstattung, sodass sie auch im grenzüberschreitenden Verkehr nutzbar sind.

Seit 2017 gehört das Unternehmen, das nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 25 Millionen Euro umgesetzt hat, zum führenden chinesischen Bahntechnikkonzern Beijing Dinghan Technology. Gegründet wurde es bereits 2008 als hundertprozentige Tochter von SMA. Der Niestetaler Solartechnik-Hersteller gliederte damals seinen Geschäftsbereich Bahntechnik aus. Unter dem Namen SMA Railway Technology AG wurde die Sparte verselbstständigt. Nach der Übernahme durch den chinesischen Zulieferer firmiert das Unternehmen jetzt unter dem Namen Dinghan Smart Railway Technology GmbH.

„Die Übernahme war genau der richtige Schritt“, sagt Wimmer, der gemeinsam mit Alexander Schmidt die Geschäfte führt. Denn das Unternehmen habe auf diese Weise Zugang zum chinesischen Markt bekommen – dem größten Markt für Schienenfahrzeuge weltweit. „Das sichert und stärkt den Standort Kassel.“

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