Irish Pub bleibt bestehen

Sanierung der Kaufburg an Friedrich-Ebert-Straße: Disco "Soda" schließt

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Wird saniert: Die Kaufburg an der Friedrich-Ebert-Straße. Der vordere Bereich, wo sich die Disco „Soda“ befindet, soll laut Betreiber abgerissen werden. Der Irish Pub (links) soll bleiben.

Kassel. Die Kaufburg an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel wird saniert. Für die Diskothek „Soda“ bedeutet das: Die Lichter gehen nach elf Jahren aus.

Der Mietvertrag mit der Disco im vorderen Bereich des Gebäudes läuft aus. Wir erläutern die Pläne in der Übersicht:

Was passiert mit der Kaufburg? 

Die Göttinger Firma EBR Projektentwicklung GmbH wurde mit der Sanierung der Kaufburg beauftragt und erarbeitet ein Sanierungskonzept für das Haus. Da das Gebäude aus den Achtzigerjahren stamme, seien umfangreiche Sanierungen im energetischen Bereich nötig, erklärt Borzou Rafie Elizei, Geschäftsführer der Projektgesellschaft. Das geschätzte Investitionsvolumen liege bei acht bis zehn Millionen Euro. Für die Arbeiten veranschlagt Rafie 30 Monate Bauzeit. Im Sommer solle es losgehen. Mit den Mietern und der Stadt sei er im Gespräch.

Was sagt die Stadt Kassel zu den Plänen? 

Die Stadt bestätigte auf unsere Anfrage, dass sie mit dem Eigentümer und der Projektgesellschaft in Verbindung stehe, um Pläne für die weitere Nutzung des Gebäudes zu erörtern. Details dürfe man aber noch nicht öffentlich nennen, hieß es.

Bild aus früheren Tagen: Der vordere Teil der Kaufburg ist ein Disco-Standort mit Geschichte. Hier waren das „Yello“, das „Prigogine“ und zuletzt die Diskothek „Soda“ Mieter. Das Bild zeigt das Gebäude im September 1990.

Was passiert mit der Disco Soda? 

Die Diskothek Soda schließt am 1. April 2018 nach elf Jahren an dem traditionsreichen Standort. Abschließend gebe es noch drei große Partys am 10., 16. und am 17. März. Man wolle sich gebührend von den Gästen verabschieden, sagt Karl Börries, der die Disco zusammen mit Georg Brechtken betreibt. In der Kaufburg selbst sei nach der Sanierung keine Neueröffnung einer Disco geplant. Man überlege allerdings noch, vielleicht an einem anderen Standort etwas Neues zu eröffnen.

Was sagt der Betreiber der Diskothek zur Schließung? 

Der eigentliche Mietvertrag sei bereits vor zwei Jahren ausgelaufen. Mit dem Eigentümer habe man sich damals auf eine weitere Nutzung geeinigt. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass wir raus müssen“, erklärt Börries. Es sei zwar schade, dass die Ära Soda nun nach elf Jahren in der Kaufburg ende, allerdings verstehe er, dass der Eigentümer andere Pläne für das Gebäude habe.

Welche Folgen hat die Sanierung für den Irish Pub? 

Laut Betreiber Brendan Kennedy soll der Kasseler Irish Pub „The Shamrock“ in dem Gebäude der Kaufburg bleiben. Sein Ziel sei es, die Kneipe auch während der Sanierungsphase regulär geöffnet zu halten.

Dieses Bild wird es so bald nicht mehr geben: Vor der Sanierung der Kaufburg muss die Diskothek „Soda“ ausziehen.

Kaufburg war die Adresse für legendäre Kasseler Discos

Das Yello war als Diskothek eine Institution und Avantgarde pur, die materialisierten coolen 1980er-Jahre mit Post-Punk, New Wave und Neuer Deutscher Welle. Als Türsteher eine Frau und an der Theke Cocktails. Gegenüber an der Friedrich-Ebert-Straße befand sich die stylish mit roten Ledermöbeln angesagte Bar „Grauzone“, wo sich Schickeria, Kunstszene und Intelligenzija die Hand gaben. Man pendelte hin und her. 

Als das kühle Yello in der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre schloss und geheimnisvoll bekannt wurde, dass in den alten Räumen eine neue Diskothek öffnen soll, war die Stammszene tieftraurig und gleichzeitig neugierig. Der Kasseler Szenegastronom Frank Rusteberg, wegen seiner Pferdschwanz-Frisur als „der Indianer“ bekannt, hatte die Räume komplett umgekrempelt: fantasievoll, farbig, verschnörkelt, burlesk – ein architektonischer Gegenentwurf zum strengen, verspiegelten Yello. Rusteberg betrieb später unter anderem das Herbsthäuschen und das Freudenhaus.

Rätselhaft auch der Name „Prigogine“ nach einem russisch-belgischen Nobelpreisträger. Die Gäste liebten das „Prigo“ vom ersten Tag an. Für Künstler, die in Kassel auftraten, war der After-Konzert-Besuch im Prigo ein Muss.  

Hinweis in eigener Sache: In der gedruckten Ausgabe hatten wir fälschlicherweise geschrieben, dass Szenegastronom Frank Rusteberg tot sei. Das ist nicht so. Wir haben mit ihm gesprochen - und entschuldigen uns natürlich für den Fehler.

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