54-Jähriger war auch mit Holzlatte bewaffnet

Mit Messer in die Spielothek: Drei Jahre Haft für Raubüberfall

Kassel. Wegen besonders schwerer räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung hat das Landgericht Kassel am Donnerstag einen 54-jährigen Mann armenischer Herkunft zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt.

Der Angeklagte musste sich für einen Überfall auf die Kasseler Spielothek Las Vegas an der Unteren Königsstraße Anfang Mai vorigen Jahres verantworten. Seine Beute: 1023 Euro.

Gleich zu Prozessbeginn legte der 54-Jährige, der kaum Deutsch spricht, über seinen Anwalt ein umfangreiches Geständnis ab. Demnach war er vor dem Überfall mehrmals als Kunde in der Spielhalle gewesen. Am Tag der Tat, am frühen Vormittag, betrat er den Eingangsbereich, nahm eine Holzlatte und ein Küchenmesser zur Hand und betrat - inzwischen vermummt - den Raum mit den Spielautomaten. „Plötzlich habe ich gespürt, wie mir jemand auf die Schulter packt“, schilderte der einzige zur Tatzeit anwesende Kunde vor Gericht. „Ich habe das Messer gesehen. Ich war geschockt“, so der Zeuge. Dann habe ihn der Mann zur Seite geschubst und die hinter dem Tresen sitzende Angestellte mit der Holzlatte bedroht.

Diese sagte als Zeugin: „Ich habe sofort angefangen zu schreien.“ Daraufhin schlug der Täter zu, traf die geschockte Angestellte, die zum Schutz ihres Kopfes die Beine angezogen hatte, am Unterschenkel. Mit den Worten „Gib Geld her“ und Drohgebärden zwang der 54-Jährige die Mitarbeiterin, das Geld aus der Kasse in eine Plastiktüte zu stecken.

Da eine Überwachungskamera den Angeklagten noch vor seiner Maskierung gefilmt hatte, erkannte die Mitarbeiterin in dem Täter den ihr bekannten Spielhallen-Kunden. Am Tag nach dem Überfall wurde er festgenommen, seitdem sitzt der Mann in U-Haft.

Konfrontiert mit dem Tathergang, beteuerte der Angeklagte gestern mehrfach, den Überfall zu bereuen. Von Angesicht zu Angesicht entschuldigte er sich bei seinen Opfern. Verteidiger Artak Gaspar führte dem Gericht die schwierigen Lebensumstände seines Mandanten vor Augen: Er leide unter mehreren Krankheiten, unter anderem an Krebs, konsumiere Cannabis, um die ständigen Schmerzen zu bekämpfen, habe schwere Depressionen, sei in finanzieller Not gewesen.

Insbesondere das Geständnis, die Reue und die aufrichtige Entschuldigung bei den Opfern wertet das Gericht als strafmildernd: Ebenso wie die Staatsanwältin sah auch Vorsitzender Richter Stanoschek einen „minderschweren Fall“ vorliegen, auch wenn der Angeklagte brutal vorgegangen sei. Mit den drei Jahren Haft für den Angeklagten folgte das Gericht dem von der Staatsanwältin verlangten Strafmaß. (ptr)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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