Bestandsaufnahme dauert Wochen

Detektivarbeit im Fundbüro: Einbrecher brachten alles durcheinander

Das große Aufräumen: Stadt-Azubi Robert Franke müht sich, Ordnung in das Einbruchs-Chaos zu bringen. Das Problem: Bei ungezählten Artikeln sind beim Durchwühlen der Räume die Zuordnungszettel abgegangen, die Auskunft über Fundort und Finder geben. Fotos:  Fischer

Kassel. Das Fundbüro der Stadt Kassel sieht schon im Normalbetrieb wie ein kunterbuntes Warenlager aus, im Moment herrscht dort aber ein außergewöhnliches Durcheinander:

In die Räume an der Rückseite des Hansahauses (Kurt-Schumacher-Straße) wurde am Wochenende eingebrochen. Die Täter durchwühlten in den vier Räumen Schränke, Schubladen und Regale, nach ersten Erkenntnissen der Polizei kamen zumindest einige Smartphones und Schmuckstücke weg.

Wegen Aufräumarbeiten in dem Fundus von Tausenden Objekten bleibt das Fundbüro diese Woche geschlossen. Eine Bestandsaufnahme der Diebesbeute wird nach Angaben des zuständigen Ordnungsamts Wochen dauern und nie ein ganz vollständiges Bild ergeben. „Das wird ganz, ganz schwierig“, sagte Sachgebietsleiterin Bärbel Schröder am Dienstag inmitten auf dem Boden verstreuter Kleingegenstände, Textilien und Papiere.

Viele dieser Zettel waren als Fundanzeigen an Gegenstände geheftet, die entweder gestohlen wurden oder nun ungekennzeichnet irgendwo in dem bunten Kuddelmuddel liegen. Der Abgleich und die Kontrolle des gesamten Bestandes sind eine Detektivarbeit, bei der der Computer nur teilweise hilft. Zwar ist ein Großteil der Fundsachen auch elektronisch katalogisiert, aber nur dann, wenn sie mehr als etwa 10 Euro wert sind.

Die Einbrecher hätten sich laut Bärbel Schröder keinen ungünstigeren Zeitpunkt aussuchen können. Denn ihr Kollege Roenie Probst, der das Fundbüro praktisch im Alleingang betreut, habe seit Montag eine Woche Urlaub und sei offenbar auch verreist. „Er wüsste zumindest bei neueren Fundsachen genau, wo diese liegen müssten“, sagte die Sachgebietsleiterin. Nun müssen zwei Aushilfskräfte ohne Probsts Praxiserfahrung versuchen, erste Ordnung in das Durcheinander zu bringen.

Wofür genau sich die Täter interessiert haben, ist nicht eindeutig erkennbar. Aus Schubladen wurden augenscheinlich mehrere Plastikboxen mit Ringen und anderem kleinen Goldschmuck geleert, während Vitrinen mit Münzen und weiteren Schmuckstücken unangetastet blieben. Ein Metallregal, auf dem die Fundsachen des jeweiligen Monats griffbereit abgelegt werden, räumten die Einbrecher komplett ab und machten sich auch an einem Glasschrank zu schaffen, in dem Dutzende Mobiltelefone lagern. Viele ältere Modelle fanden kein Interesse, „aber wir hatten auch mehrere neue iPhones und ein iPad, und die sind jedenfalls weg“, sagte Bärbel Schröder.

Das Angebot an Dingen, die Kasseler verloren haben, ist riesig in den Räumen des Fundbüros. Auch viele ladenneue Artikel sind darunter – samt Shopping-Tüte direkt nach dem Kauf irgendwo vergessen. Ein Anrufbeantworter in Originalverpackung liegt in den Regalen, ein zusammengefaltetes Kinderplanschbecken, ein Blutzuckermessgerät oder gar ein einbaubereites Wohnwagenfenster. Bärbel Schröder wundert sich immer wieder darüber, dass viele Verlierer „gar nicht auf die Idee kommen, mal im Fundbüro zu fragen“.

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