Kunden sind traurig

Eine Fleischer-Ära in Kassel endet: Metzgerei Löffler in der Innenstadt schließt

+
Hat 58 Jahre als Metzger gearbeitet: Fleischermeister Volker Löffler schließt am 30. Dezember seinen Laden in der Innenstadt.

Kassel. „Wo bekomme ich denn nächstes Jahr meine Sulperknochen her, Herr Löffler?“ will eine ältere Dame wissen. Solche Fragen bekommt der 73-jährige Fleischermeister in diesen Tagen ununterbrochen zu hören. Viele Stammkunden können einfach nicht fassen, dass Volker Löffler am 30. Dezember seine Metzgerei an der Kölnischen Straße/Ecke Königsplatz schließen wird.

Einige Kunden hätten schon in seinem Geschäft deshalb geheult, sagt Löffler. Ihm werde wenig Verständnis für seinen Entschluss entgegengebracht, den Laden zu schließen. „Es fehlt noch, dass ich beschimpft werde“, sagt er im Scherz.

Löffler kann aber die Gemütslage seiner Stammkunden nachvollziehen. Viele seien jeden Tag zum Mittagessen in die Metzgerei, die für ihre Frikadellen, Weckewerk, Kochwurst und Ahle Wurst besonders geschätzt worden ist, gekommen. „Da gibt es schon eine Verbundenheit zu den Kunden“, sagt Löffler.

Drei Jahre habe er einen Nachfolger für seine Metzgerei gesucht, es habe auch einige Interessenten gegeben. Die bürokratischen Hürden seien heute aber einfach zu hoch, deshalb habe es keine Nachfolgelösung gegeben. Als dann im Sommer zwei Interessenten aufgetaucht seien, die in der Metzgerei einen Imbiss mit Kartoffelspezialitäten eröffnen wollen und diese sich auch mit der Vermieterin einigen konnten, habe er zugestimmt.

Ständchen zum Abschied: Der Fleischerchor sang gestern Abend für Marianne und Volker Löffler, die ihren Laden aufgeben.

„Ich werde ja nicht jünger“, sagt Löffler, der vor sechs Jahren einen Schlaganfall hatte. Wenn er zum Ende des Jahres den Betrieb aufgibt, hat er 58 Jahre gearbeitet. Jeden Morgen ist er um 4.10 Uhr aufgestanden. Seine Frau Marianne (70) stand ihm 50 Jahre im Laden zur Seite.

Das Geschäft hatte 1936 sein Vater Paul im Königstor gegründet. Nach dem Krieg gab es verschiedene Standorte in der Stadt. Seit 1970 befindet sich die Metzgerei Löffler in der Innenstadt. Diese Tradition geht jetzt zu Ende. Seine beiden Töchter hätten nie Interesse an der Metzgerei gehabt, sein Enkel Hendrik hätte schon gern seinen Laden übernommen, sagt Löffler. Einziges Problem: Hendrik ist erst sechs Jahre alt.

Als Metzger müsse man mit Liebe bei der Sache und kreativ sein. Fleiß sei ohnehin eine Grundvoraussetzung für den Beruf. Vor einigen Jahren hätten Aldi und die Supermärkte den Fleischereifachgeschäften zugesetzt, sagt Löffler. „Die Kunden sind aber wieder zurückgekommen. Qualität setzt sich eben durch. Auch wenn es bei uns ein paar Pfennige teurer als im Supermarkt ist.“

Besonders gut gelaufen sind die Geschäfte immer während der documenta. Das internationale Kunstpublikum probierte bei Löffler Weckewerk und Ahle Wurscht. „Die waren begeistert und haben auch viel Geld hier gelassen.“

Da es einen Mangel an Personal in Metzgereien gibt, sei es für seine Angestellten, eine Vollzeitkraft und sechs Teilzeitkräfte, kein Problem gewesen, eine neue Stelle zu finden.

Wenn er jetzt in den Ruhestand geht, kann sich Löffler auf sein Hobby, das Singen, konzentrieren. Er ist seit 39 Jahren auch Vorsitzender des Gesangvereins der Kasseler Fleischer. Gestern Abend sangen ihm seine Kollegen vor dem Laden einige Ständchen zum Abschied.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.