Institution wird 150 Jahre alt

Eine persönliche Betrachtung des Regierungspräsidiums: Die tun ja wirklich was

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Grauer Riegel: Das Gebäude des Regierungspräsidiums am Steinweg aus der Luft gesehen. Vorn im Bild ist ein Teil der alten Brüderkirche zu sehen. 

Kassel. Fährt man den Kasseler Steinweg entlang und guckt - je nach Fahrtrichtung - rechts oder links aus dem Fenster, sieht man einen großen, weiß-grauen Steinblock.

Er riegelt fatalerweise die Innenstadt zu Fulda hin ab - wer, um Gottes willen, ist nur auf die Idee gekommen, an dieser Stelle ein solch monströses Verwaltungsgebäude hinzustellen?

Nun mag man trefflich über die moderne Architektur des vorigen Jahrhunderts diskutieren, von bauhausähnlichen Stilelementen reden und von Formen ohne Schnörkel, die nichts verbergen und für klare Konzeption stehen – das Gebäude des Regierungspräsidiums bringt Grau ins Grün der Fulda-Idylle. Da hilft alles Schönreden nichts und auch nicht der Hinweis, dass an dieser Stelle mal ein Schloss stand.

Können wir also leichtfertig den Schluss ziehen, dass in diesem großen, grauen Haus auch ebensolche Menschen arbeiten – graue Mäuse eben? Hunderte hinter den anonymen Mauern tagaus und tagein verschwinden, um sich mit Dingen zu beschäftigen, von denen niemand so richtig was weis?

Kurz: Was tun die eigentlich im Regierungspräsidium?

Die tun eine ganze Menge. Sachen, die jeden was angehen. Und die vermeintlich grauen Mäuse haben zudem Humor und kämpfen schon seit geraumer Zeit gegen ein Image an, das sie nicht verdient haben.

Das wird stets zur Weihnachtszeit deutlich. Dann erstrahlen abends die Fenster des Regierungspräsidiums in einem bestimmten Muster – ein Weihnachtsbaum ist zu sehen. Eine nette Geste der Mitarbeiter für die Bürger, die ja oft genug unbeliebte Post vom Regierungspräsidium bekommen: Bußgeldbescheide für zu schnelles Fahren etwa, die in Kassel zentral für Hessen erstellt, bearbeitet und versendet werden. Trotzdem haben sie Humor in dieser Behörde. Dass es im Regierungspräsidium nicht so trocken zugeht, wie wohl allgemein vermutet wird, dafür garantiert schon die Behörden-Führung. Regierungspräsident Walter Lübcke ist ein Ur-Nordhesse, und das bringt es mit sich, dass er jederzeit für einen trockenen Spruch gut ist. Wir haben es erlebt, dass er, rauchend vor dem Eingang stehend, jemanden folgendermaßen begrüßte, der lässig ins Präsidium schlenderte: „Ach, Hände in den Taschen. Da können Sie ja bei uns anfangen.“

Kunst zu Gast

Walter Lübcke gestattete es der Kunst sogar, seine Kollegen im Präsidium durch den Kakao zu ziehen. Mitglieder der Kasseler Kunsthochschule mischten sich einen Sommer lang unter die Beamten, taten so, als ob sie selbst welche wären und hielten manchem Beamten so den Spiegel vor. Eine Aktion, über die viele schmunzelten, sich manche ärgerten, die auf jeden Fall irritierte – und so ihren Zweck erfüllte. Beifall von außen war dem Regierungspräsidium auf jeden Fall sicher.

Blutspendeaktion

So lustig geht es in der Behörde natürlich nicht immer zu. Da wird auch richtig gearbeitet (siehe Text unten), und es wird regelmäßig ganz viel Gutes getan. Schließlich stellt das Regierungspräsidium seit über 15 Jahre die Räume für eine der größten Blutspendeaktionen Europas zur Verfügung. Entstanden aus einer Betriebsaktion der HNA-Mitarbeiter, immer trefflich unterstützt von der Kurhessentherme, war das Regierungspräsidium immer einer der Hauptunterstützer für dieses beispielhafte Unterfangen. Heute strömen jedes Jahr über 4000 Menschen in das Haus am Steinweg – und die meisten RPler machen auch aktiv mit und spenden Blut.

Am bekanntesten ist das Regierungspräsidium vielen Menschen aber wohl dadurch, dass ihnen von Zeit zu Zeit unliebsame Bescheide ins Haus flattern. Die Zentrale Bußgeldstelle des RP wird immer dann aktiv, wenn ein Verkehrssünder erwischt wurde und nun zur Kasse gebeten wird. Die Masse murrt und zahlt, aber einige wenige versuchen mit allen Tricks, das Bußgeld nicht berappen zu müssen. Besonders beliebt war einige Zeit die Taktik, die Existenz der Bundesrepublik insgesamt anzuzweifeln. Begründung der zahlungsunwilligen Verkehrssünder: Da die Bundesrepublik nicht existiere, müsse man an den Staat, vertreten durch das Regierungspräsidium, auch kein Geld zahlen.

Eine Langfassung dieses Textes erscheint auch im „Report 2017“ des Regierungspräsidiums, der pünktlich zu den Feierlichkeiten zum 150. Bestehen erscheint. In dem Heft gibt es Historisches, Aktuelles und Anekdoten rund um das Regierngspräsidium.

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