Täter sitzt in Untersuchungshaft

Vor einem Jahr stürzte Kasselerin in San Remo von Klippe – Prozess im Januar

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Hier ereignete sich am 31. Juli 2018 die Tragödie: Die damals 21-jährige Studentin Alena aus Kassel war die Klippen im italienischen San Remo hinunter gestürzt. Der mutmaßliche Täter sitzt noch immer in Untersuchungshaft.

Vor genau einem Jahr sollte Alenas Leben ein anderes werden. Dass sie überhaupt am Leben geblieben ist, grenzt beinahe an ein Wunder. 

Die damals 21-jährige Studentin war am 31. Juli 2018, am letzten Tag ihres Italienurlaubs in San Remo, eine mehr als 50 Meter hohe Klippe hinuntergestürzt

Alena, die in Kassel geboren und aufgewachsen und zuletzt in Marburg Jura studiert hatte, ist offenbar Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Der mutmaßliche Täter – er war damals unweit der Stelle, an der Alena aufgefunden wurde, entdeckt worden – sitzt seither in Untersuchungshaft. Ihm werden in Italien versuchter Mord und sexuelle Gewalt vorgeworfen. Im Januar 2020 soll er sich vor Gericht verantworten.

Wie jetzt bekannt wurde, soll der damals 32-Jährige der Kasselerin an jenem letzten Juliabend einen Drogencocktail in ein Getränk gemischt haben, berichtet Alenas Mutter. Der Mann, der nach Angaben der italienischen Staatsanwaltschaft aus dem Maghreb (Algerien, Marokko, Tunesien) stammt, hatte über seinen Anwalt mitteilen lassen, dass er fast keine Erinnerung mehr an den Abend habe

Nur, dass er die deutsche Studentin in einer Bar kennengelernt und mit dem Auto nach Capo Nero gefahren sei. Eine Version, die Alenas Eltern nicht glauben wollen. Sie würde nicht freiwillig mit einem Fremden mitgehen, ist ihre Mutter überzeugt. Auch, dass Alenas lange blonde Haare abgeschnitten waren, als sie gefunden wurde, treibt sie um. Zeugen wollen in jener Nacht einen Streit beobachtet haben.

Alena selbst spricht nicht über die Ereignisse der verhängnisvollen Nacht. Schwer verletzt war sie in den frühen Morgenstunden von einem Strandwächter gefunden worden. Drei Wochen hatte sie in einem italienischen Krankenhaus gelegen. Mehrere Wochen wurde sie anschließend in Kassel stationär versorgt, Monate in einer Rehaklinik folgten. Seit Ende Februar ist sie wieder bei ihrer Familie.

„Alena geht es besser“, sagt ihre Mutter. „Zumindest äußerlich“, fügt sie hinzu. Eine Gangstörung sei geblieben, auch ihre rechte Hand sei weiter stark betroffen. Von den seelischen Narben ganz zu schweigen. Das Trauma sitze tief, auch wenn Alena Optimismus demonstriere.

Inzwischen habe man eine kleine Wohnung für die 22-Jährige in der Nähe der Familie gefunden.

Denn das Sofa im Wohnzimmer sei keine Dauerlösung. „Hier findet sie keine Ruhe“, sagt Alenas Mutter. Ihre Tochter werde weiter Hilfe im Alltag brauchen. Ob sie wieder ein „normales“ Leben führen wird, ist ungewiss. Aber eine eigene Wohnung ist ein erster Schritt in die Selbstständigkeit. Noch fehlen Möbel.

Unklar ist auch, wovon die 22-Jährige leben wird. Auf den Schultern von Alenas Mutter lastet weiter jede Menge Bürokratie. Sie bilanziert: „Das letzte Jahr war eine Katastrophe.“

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