Einkauf unter einem Dach

Königs-Galerie in Kasseler Innenstadt feiert 20-jähriges Bestehen

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20 Jahre Königs-Galerie: Gerhard und Monika Jochinger vor dem Haupteingang zur Einkaufspassage an der Oberen Königsstraße am Friedrichsplatz. 2014 wurden fünf Millionen Besucher in der Einkaufsstätte gezählt.

Kassel. Manche Einzelhändler in der Innenstadt waren skeptisch, als 1993 mit dem Bau der Königs-Galerie begonnen wurde. Nun feiert sie ihr 20-jähriges Bestehen.

So mancher Einzelhändler in der Innenstadt war skeptisch, als 1993 mit dem Bau der Königs-Galerie begonnen wurde – zwei Jahre, nachdem mit der Kurfüsten Galerie 1991 die erste große Einkaufspassage in der City eröffnet worden war. Inzwischen ist die Kö-Galerie, die am Donnerstag und Freitag ihr 20-jähriges Bestehen feiert, nicht mehr wegzudenken aus der wichtigsten Einkaufsmeile der Region. 

Später war sogar noch Platz für den City Point als dritte große Einkaufsstätte in Kassels guter Stube. 12.000 bis 15.000 Kunden und Besucher kommen täglich in die Kö-Galerie, an Samstagen und im Weihnachtsgeschäft sind es 20.000 täglich. Monika und Gerhard Jochinger, die mit ihrer Projektgesellschaft und 60 Gesellschaftern des geschlossenen Immobilien-Fonds Eigentümer und Manager der Galerie sind, freuen sich über jede Menge Stammkunden und viele Händler, die von Anfang an mit dabei sind. Einfacher geworden ist freilich nichts im Einzelhandel. „Es ist ein harter Wettbewerb entstanden, und dem stellen wir uns“, sagt Gerhard Jochinger.

Früher waren die kleinen Läden mit 60 oder 70 Quadratmetern besonders beliebt, inzwischen konzentriert sich die Nachfrage auf größere Geschäfte. Deshalb werden öfter mehrere kleine Einheiten zu einem größeren Geschäft vereint.

Erfolgsrezept sei weiterhin der Branchenmix, sagt Monika Jochinger. Wenn fast alles zu bekommen ist, kommen die Kunden gern wieder zum Einkauf unter einem Dach und mit direktem Zugang aus der Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz, wo insgesamt 980 Parkplätze zur Verfügung stehen.

Acht Jahre wurde geplant

Lücke in der Einkaufsmeile: Mit dem Abriss des Hauses Königsstraße 39 war die im April 1993 an der Neuen Fahrt begonnene Baustelle der Königs-Galerie im Mai des Jahres 1994 an der Oberen Königsstraße angekommen. Im früheren Hettlage-Haus (links) an der Ecke zum Opernplatz ist heute das Männermode-Geschäft Köhler.

Es war ein langer Weg bis zur Königs-Galerie. Bereits im Jahr 1986 hatte Gerhard Jochinger die Idee für die neue Einkaufsgalerie und sich auf die Suche nach Investoren gemacht, die er in einer Eigentümer-Gemeinschaft versammeln wollte. Im Oktober 1987 stellte der Projektentwickler die Pläne für die Einkaufspassage zwischen Oberer Königsstraße und Neuer Fahrt erstmals der Öffentlichkeit vor. Die Stadt unterstützte das Vorhaben, Stadtbaurätin Christiane Thalgott (SPD) versprach sich eine neue Qualität für die City. Zudem wollte Jochinger der Stadt ein Problem vom Hals schaffen und das baufällige alte Parkhaus Neue Fahrt sanieren und mit Wohnungen überbauen. Man einigte sich im Bemühen um die beste Lösung für die Galerie auf Gutachter, und Jochinger hoffte auf einen Baubeginn im Herbst 1988. 

Doch dann wurde es still um die Einkaufspassage in Kassels guter Stube. Grund war ein nahezu vierjähriger Verhandlungsmarathon zwischen Investoren, Architekten, Gutachtern und Obergutachtern sowie der Stadt. Erst im Oktober 1991 war alles klar für die Königs-Galerie. Man war sich einig, das alte Parkhaus an der Neuen Fahrt komplett abzureißen und die Kundenparkplätze im zweiten Bauabschnitt der Friedrichsplatz-Tiefgarage zu schaffen. Nach der documenta sollte im Herbst 1992 mit dem Bau begonnen werden. Man hoffte auf eine Fertigstellung im Oktober 1994. Daraus wurde nichts, weil Historiker, Architekten und der Gestaltungsbeirat der Stadt die geplante Fassade zum Friedrichsplatz kritisierten, die in der Folge mehrfach überarbeitet werden musste. So wurde es April 1993, bis an der neuen Fahrt mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden konnte. Im Frühjahr 1994 war die Baustelle an der Oberen Königsstraße angekommen. Dort wurde das Haus Nummer 39, den Älteren noch als einstiges Kasseler Familien-Kaufhaus bekannt, abgerissen. In der Einkaufsmeile klaffte eine riesige Baulücke, in der das heutige Haupteingangsgebäude errichtet wurde. Am 27. September 1995 feierten 1000 Gäste ein rauschendes Eröffnungsfest in der neuen Königs-Galerie. Und Monika und Gerhard Jochinger wurden mit der Ehrennadel der Stadt Kassel ausgezeichnet.

Ehepaar Jochinger hat das moderne Kassel mitgestaltet

Im Februar dieses Jahres haben Monika und Gerhard Jochinger das 25-jährige Bestehen ihrer Jochinger Bauconsulting & Projektmanagement GmbH gefeiert. Erstes Projekt war die Schlossresidenz an der Ecke Landgraf-Karl-Straße / Wilhelmshöher Allee. Es folgten ebenfalls in Nachbarschaft zum 1991 eröffneten IC-Bahnhof Wilhelmshöhe das City-Center Wilhelmshöhe und später auf der anderen Seite der Wilhelmshöher Allee das Atrium. Mit der Königs-Galerie am Friedrichsplatz lieferte das Ehepaar Jochinger sein Meisterstück in der Gestaltung des modernen Kassel ab. Später sorgte man auch in der in Schwierigkeiten geratenen Kurfürsten-Galerie für neuen Schwung. Mit der Sanierung und dem Umbau des Schlosshotels und zuvor des Hotels Schweizer Hof hat die Unternehmensgruppe ein neues Kapitel der Firmengeschichte aufgeschlagen.

Galerie von europäischem Format

Bereits 1997 wurde die Königs-Galerie als eine der schönsten Einkaufsgalerien Europas ausgezeichnet. Im Jahr 2014 wurden insgesamt fünf Millionen Besucher gezählt. In den Geschäften und Gastronomiebetrieben sind mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt. Es gibt 14 500 Quadratmeter Laden- und Gastronomieflächen, 2500 Quadratmeter Büros und eine Gesamtnutzfläche von 24 000 Quadratmetern.

54 Läden, Ärzte, Dienstleister und Gastronomie

Mode und Accessoires sind ein Schwerpunkt im Angebot der Königs-Galerie. Vertreten sind Läden von Apanage, Arearea, Calida, Escada, Gant, Ginkgo, Görtz 17, Köhler, Lacoste, Linci, Marc O’Polo, Olymp, SØR, Triumph und Wolford. Eine Filiale der Lebensmittelkette Tegut, die Kö-Bar und das große Italo-Restaurant Avanti sind Anziehungspunkte im Untergeschoss. Weitere gastronomische Mieter sind die Restaurants La Vision und Hoang, Baguettski, Asia Gourmet, Eisdiele Vanille & Co sowie Ya Sushi. Zu den 54 Mietern gehören weiterhin vier Arztpraxen, eine Backfiliale, ein Teegeschäft, ein Zeitschriften- und Tabakladen, ein Schuh- und Schlüsseldienst, ein Swarovski-Store, die Parfümerie HC, der Kosmetikfilialist „The Body Shop“, ein Friseursalon sowie Stützpunkte mehrerer Handyfirmen. Auch die Läden und Imbisse in fünf Glaspavillons am Durchgang zu C&A (Theaterstraße) gehören zur Königs-Galerie. Zurzeit gibt es in der Galerie größeren Leerstand auf zwei prominenten Flächen, die bisher vom Modelabel Benetton sowie vom Buchfilialisten Hugendubel genutzt wurden. Wie es dort weitergehen soll, beleuchten wir in Kürze in einem weiteren Bericht.

Jüngste Mieterin: Göttinger Fair-Trade-Handelskette Contigo

Als jüngste Mieterin in der Königs-Galerie wird im Lauf der nächsten Woche die Göttinger Fair-Trade-Handelskette Contigo einen Laden im Untergeschoss beziehen. Diese Fläche wurde bislang vom Kaffee- und Süßwarenanbieter Arco genutzt. Contigo bietet aus fairem Handel ebenfalls Röstkaffee an, außerdem Tee, Schmuck und Kunsthandwerk aus vielen Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas. Die 1994 gegründete Göttinger Firma betreibt bislang bundesweit 16 eigene Filialen, in denen sie das Konzept sogenannter Weltläden an moderne Kundenbedürfnisse anpasst. Für Contigo ist der Kasseler Standort nicht neu: Bereits vor gut zehn Jahren hatte es in der Kö-Galerie einen Contigo-Laden gegeben, der damals allerdings von privaten Franchisenehmern geführt und nach einer Weile aus persönlichen Gründen aufgegeben wurde. Jetzt steigt das Göttinger Unternehmen direkt ein. „In all den Jahren sind wir mit dem Galeriemanagement in Kontakt geblieben und haben immer wieder einzelne Flächen geprüft“, sagte Contigo-Geschäftsführer Ralph Wüstefeld. Die jetzt frei gewordene Arco-Fläche erfülle die Kriterien, weil sie direkt an den gut frequentierten Tegut-Supermarkt im Haus anschließe.

Zwei Tage wird das Jubiläum gefeiert

Das 20-jährige Bestehen der Königs-Galerie wird am heutigen Donnerstag, 1. Oktober, und Freitag, 2. Oktober, gefeiert. Zudem gibt es ein Gewinnspiel, bei dem Kunden neben Preisen wie Parktickets und Einkaufsgutscheinen auch einen Fiat 500 C gewinnen können. Am heutigen Donnerstag gibt es ab 19.30 Uhr Musik vom Akustik-Duo „Two Simple“. Die Kasseler Musiker spielen Songs aus dem Rock- und Pop-Genre und begleiten das kulinarische Angebot. Die Einkaufsläden sind wie immer bis 20 Uhr, der Tegut-Markt bis 21 Uhr geöffnet. Am Freitag, 2. Oktober, beteiligt sich die Kö am Mitternachtsshopping bis 24 Uhr. Kunden sind zur Zeitreise eingeladen. Ab 19 Uhr gibt es Musik aus den vergangenen 20 Jahren. Auf der oberen Galerie-Ebene ist eine Ausstellung zu sehen, die an die Anfänge 1995 und an herausragende Veranstaltungen in der Galerie erinnert. An beiden Jubiläumstagen werden Modetrends für den Herbst und Winter präsentiert. Die Galerie-Geschäfte wollen ihre Kunden mit speziellen Angeboten und Aktionen überraschen.

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